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Diskussion am reich gedeckten Tisch

Die neue amtierende Bürgermeisterin Christine Herntier berichtet den Frauen beim internationalen Frauenfrühstück von ihrer Situation als Frau in einem politischen Amt.
Die neue amtierende Bürgermeisterin Christine Herntier berichtet den Frauen beim internationalen Frauenfrühstück von ihrer Situation als Frau in einem politischen Amt. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Spremberg. Frauen aus acht Nationen haben sich am Mittwochvormittag angeregt beim Internationalen Frauenfrühstück des Migrationsfachdienstes der Diakonie Niederlausitz in Spremberg ausgetauscht. Gesprochen wurde unter anderem über Wahlen und Frauenpolitik. Anja Guhlan / ang1

Der Frühstückstisch ist reich gedeckt: Es gibt typisch deutsche Speisen wie Brötchen, Wurst und Käse, aber auch vietnamesische Frühlingsrollen, irakischen Börek, iranischen Kupa oder russische Schokolade.

Nachdem Ulrike Grundke, Mitarbeiterin des Migrationsdienstes, alle Frauen auf das Herzlichste begrüßte, ergriff beim gemeinsamen Frühstück die Integrationsbeauftragte des Landkreises Spree-Neiße, Monika Wagschal, das Wort: "Vor 95 Jahren hat sich das allgemeine Frauenwahlrecht in Deutschland durchgesetzt", erläutert sie. Frauenpolitik und frauenpolitische Fragen sollen an diesem Vormittag im Vordergrund stehen. Monika Wagschal nennt einige Zahlen, wann welche Länder das Frauenwahlrecht eingeführt haben: Finnland im Jahr 1906, Indien 1950, der Iran 1963 und Liechtenstein erst 1984.

Monika Wagschal ist über so manche Zahl selbst erstaunt, sind Frauen ihrer Meinung nach ein bereichernder Teil der Politik. Nickende Zustimmung von den anwesenden Frauen, darunter deutsche Bürgerinnen, Abgeordnete, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Spremberg und Migrantinnen.

Dann eine Frage von Monika Wagschal an die neue amtierende Bürgermeisterin Christine Herntier, die sich ebenfalls Zeit genommen hat am Frauenfrühstück teilzunehmen: "Wie fühlt es sich nun als erste Frau im Bürgermeisteramt an?" Christine Herntier berichtet, dass es schon ein großer Spagat sei, sowohl den Belangen der Bürger gerecht zu werden als auch dem verwaltungsrechtlichem Teil nachzukommen. "Die Aufgabe besteht darin alles so gut wie möglich in Einklang zu bringen", so Herntier.

Die Frauen am Tisch freuen sich, dass die Bürgermeisterin Zeit gefunden hat zu kommen. "Ich habe den Bürgermeisterwahlkampf gut verfolgt und freue mich heute, dass Frau Herntier da ist", berichtet Meisalun Al-Assadi. Die 42-Jährige, die seit dem Jahr 2003 in Spremberg lebt, interessiert sich schon für die Kommunalpolitik, obwohl sie gar kein Wahlrecht hier besitzt. "Viele der Frauen interessieren sich für das politische Leben in der Stadt", berichtet Monika Wagschal. Deshalb hält sie es auch für angebracht zumindest im Kommunalrecht auch ein Wahlrecht für Migranten zu zulassen. "Zumindest sollte dies mal wieder bei dem Runden Tisch thematisiert werden", fordert sie. Die aus dem Irak stammende Meisalun ist aber dankbar für jeden möglichen Austausch. So redet sie mit ihrer Freundin Thi Hang Nguyen, die aus dem Vietnam stammt, auch über die politische Situation in ihren Herkunftsländern. "Das Parlament in Vietnam besteht heute auch zum Teil aus Frauen, obwohl noch mehr Männer dabei sind", berichtet sie. Die 50-Jährige verfolgt die Nachrichten beider Nationen - ihrer Heimat und des Landes in dem sie heute lebt.

Miteinander reden, Meinungen kundtun und kleine Akzente setzen. Das ist das Anliegen des internationalen Frauenfrühstücks. Doch auch darüber hinaus, berät und hilft der Migrationsdienst derzeit den rund 70 Familien mit Migrationshintergrund. "Wir wollen Berater, Vermittler und Ansprechpartner für alle Belange sein", meint Mandy Siebert, Mitarbeiterin im Migrationsdienst. "Dazu integrieren wir uns auch aktiv in anderen Spremberger Netzwerken, um die Migranten eben so gut es geht zu unterstützen."