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Dieser Biathlon kennt keine Verlierer

Mit wilden Sprüngen, fröhlichem Lärm und Laufen auf der Stelle wärmten sich die Kinder für den Hortbiathlon auf.
Mit wilden Sprüngen, fröhlichem Lärm und Laufen auf der Stelle wärmten sich die Kinder für den Hortbiathlon auf. FOTO: René Wappler
Spremberg. Der zweite Spremberger Hortbiathlon hat am Montag auf dem Gelände der Kollerbergschule stattgefunden. 70 Teilnehmer aus der Stadt gingen an den Start – und ihre Mitschüler feuerten sie an. René Wappler

An der Treppe sitzt die elfjährige Jessica, mit beiden Händen reckt sie ein Plakat in die Höhe: "Ihr schafft das, Kollerberger", so feuern sie und ihre Freundinnen die Teilnehmer des Wettbewerbs an.

Das Plakat haben Jessica, Pia und Mailin noch am Morgen gebastelt, kurz vor Beginn des Biathlons. Sie entscheiden sich mehr oder weniger freiwillig fürs Zuschauen: Ein Mädchen bekennt, "nicht so sportlich" zu sein, das andere hat seine Trainingssachen zu Hause vergessen.

Unterdessen lässt sich der neunjährige Luca die Regeln des Wettbewerbs erklären. Gemeinsam mit Göran Winter vom Kreissportbund schaut er auf die Skizze am Startpunkt. "Im Grunde ganz einfach", sagt Göran Winter. "Du läufst eine Runde rum, kommst zum Schießstand, ballerst fünf Mal, und wenn du nicht triffst, musst du die eine oder andere Strafrunde rennen." Eltern müssen sich keine Sorgen machen: Die Schüsse stellen keine Gefahr dar. Sie stammen aus einem "Power-Laser-Biathlon-System",, wie Thomas Glätzer von der Brandenburgischen Sportjugend erläutert. Simpel gesagt: Das Einzige, was die Gewehre abfeuern, ist Licht. "Dabei liegen die Kinder auf den originalen Weltcup-Biathlon-Matten aus den Jahren 2008 bis 2010", sagt Thomas Glätzer. Er ruft einem Jungen zu: "Abzug langsamer durchziehen, zu hoch!" Der Teilnehmer mit der Startnummer 13 muss gleich vier Strafrunden laufen, da er das Ziel verfehlt hat- so lauten nun mal die Regeln an diesem Vormittag.

Gleich geht der achtjährige Laurin von der Schombergschule an den Start. "Ich bin ein schneller Läufer", sagt er. Nicht nur das: In seiner Freizeit trainiert er bei den Kanuten, und er spielt obendrein noch Klavier. Der Kanusport birgt für ihn einen praktischen Vorteil: "Wenn ich mit meinen Eltern einen Ausflug auf dem Wasser mache, weiß ich immer schon, wie es geht."

Ohnehin scheint bei jungen Leuten die Freude am Sport eher zu wachsen: Das erklärt Göran Winter vom Kreissportbund. Demnach sieht es nicht so aus, als ob die Kulturpessimisten Recht behalten, die vor einer Welt warnen, in der sich angesichts lauter moderner Technikspielereien kaum noch jemand bewegt. "Die Sportvereine im Land Brandenburg verzeichnen im Durchschnitt sogar einen Zuwachs an jüngeren Mitgliedern", sagt Göran Winter. Er glaubt, dass regelmäßiger Sport einen nahezu unschätzbaren Wert besitzt - nicht nur für Kinder und Jugendliche. "Man kommt hinaus in die Natur, man fühlt sich grundsätzlich wohler und aktiver." Auch der Hortbiathlon könnte nach seinen Worten dabei helfen, diese Freude an der Bewegung zu vermitteln.

Ähnlich sieht es Rathaus-Mitarbeiterin Andrea Kupke, die zu den Organisatoren des Wettbewerbs zählt. "Geboren ist die Idee aus der Kita-Olympiade", berichtet sie. "Deren Effekt verpufft leider oft, sobald die Kleinen in die Schule kommen." Als die Kinder jedoch begeistert von der Winterolympiade erzählten, stand fest: In einer Mini-Version ließe sich dieses Ereignis auch nach Spremberg verpflanzen.

So kommt es, dass Bürgermeisterin Christine Herntier ebenfalls den Wettbewerb besucht, um die Schüler anzuspornen. "Die Lautstärke ist schon mal gut", ruft sie ihnen zu. "Wir haben uns hier etwas vorgenommen: Der Hortbiathlon soll sich zu einer Tradition entwickeln, wie es die Kita-Olympiade bereits ist, und es geht uns darum, euch, den jüngsten Einwohnern, Spaß am Sport und der Bewegung zu vermitteln." Verlierer gebe es sowieso nicht bei einem solchen Wettbewerb - dafür aber Gewinner. "Jeder von euch bekommt eine Urkunde."

Zum Thema:
Die Sieger des 2. Spremberger Hortbiathlons sind: Helena Putzler vom Hort "Max und Moritz" und Yannick Musialzyk vom Hort "Kinderwelt" (Klassenstufe 3). Hanna Plonka und Collin Petrick, beide vom Hort "Haus des Lernens" (Klassenstufe 4). Pia Steinmann vom Hort "Kinderwelt" und Paul Dahms vom Hort "Haus des Lernens" (Klassenstufe 5). Beste Schützin wurde Hanna Plonka (Hort "Haus des Lernens"), bester Schütze wurde Luis Rocktäschel (Hort "Kinderwelt"). Der Wanderpokal für den Sieger der Staffel ging nach Sellessen in den Hort "Kinderwelt".