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| 02:46 Uhr

Diebe gefährden Firmen-Existenz

Zum dritten Mal haben Diebe einen Transporter aus der Fahrzeugflotte von Benjamin Groll gestohlen – den der Unternehmer einst für den hauseigenen Kalender fotografieren ließ.
Zum dritten Mal haben Diebe einen Transporter aus der Fahrzeugflotte von Benjamin Groll gestohlen – den der Unternehmer einst für den hauseigenen Kalender fotografieren ließ. FOTO: René Wappler
Spremberg. Zum dritten Mal in nur einem halben Jahr verschwindet ein Auto aus der Fahrzeugflotte eines Spremberger Taxi-Unternehmers. Im aktuellen Fall liegen allerdings Zeugenhinweise vor. René Wappler

Vom Balkon aus fotografierte der Nachbar den Dieb. So berichtet es der Taxi-Unternehmer Benjamin Groll. Der Sitz seiner Firma liegt an der Georgenstraße. Dort stand der Transporter, ein weißer Mercedes Sprinter, in der Nacht zum Samstag auf einem Parkplatz, elektronisch gesichert, wie Benjamin Groll erläutert. Mit technischen Details hält er sich zurück, um nicht weitere Anhaltspunkte für mögliche Diebe zu liefern, wie er sagt.

Dabei beläuft sich der Schaden nur in diesem einen Fall schon auf 18 000 Euro. Nach den Worten des Unternehmers beobachtete der Nachbar am frühen Samstagmorgen, wie ein Täter die Verkleidung des Transporters herunterriss, wie er kurz verschwand, um dann zum Fahrzeug zurückzukehren und es schließlich vom Parkplatz zu fahren. Ein weiterer Zeuge soll das Auto gegen 5 Uhr morgens bei der Fahrt durch die Georgenstraße gesehen haben. Neben Fotos liegt auch ein Video vom Diebstahl vor. Doch ob es die Polizei auf die Spur des Täters führen wird, erscheint derzeit noch ungewiss.

Schon im Juli des vergangenen Jahres verschwanden zwei Fahrzeuge vom Hof der Firma. Damals blieb nichts zurück außer einem beachtlichen Schaden für das Taxi-Unternehmen - samt gekündigter Versicherung, nur wenige Tage nach dem zweiten Diebstahl. Zwar fand Benjamin Groll daraufhin einen neuen Versicherer. "Doch der verlangt von uns mehr als die doppelte Summe", sagt er. "Es ist schon traurig, welche Probleme solche Delikte nach sich ziehen."

Benjamin Groll berichtet, dass er nur mithilfe einer Umstrukturierung in der Firma ein Fahrzeug einsparen konnte, dass ihm ein anderes Unternehmen schnell und günstig ein weiteres Auto überließ. Nur so habe er den Taxibetrieb über die vergangenen Monate retten können. "Das geht an existenzielle Fragen", sagt Benjamin Groll.

Aus leidvoller Erfahrung spricht auch der Spremberger Bauunternehmer Norbert Goretzki: Im Oktober 2016 verschwand ein Lastkraftwagen aus ihrer Firma, von den Dieben mit wertvollem Werkzeug beladen. Der Schaden betrug geschätzte 50 000 Euro, da der Betrieb daraufhin zunächst seine Aufträge nicht mehr bearbeiten konnte. Selbst ein Ende des Unternehmens stand nach dem Delikt zur Debatte, wie Norbert Goretzki berichtet.

Ähnlich erging es vor mehreren Jahren der mittelständischen Baufirma Nowothnick-Hollnack aus Spremberg. Ihr stahlen Diebe zwei Transporter samt Werkzeug. Der Schaden belief sich auf 40 000 Euro.

In jedem dieser Fälle blieben die Fahrzeuge verschwunden. So rechnet auch Taxi-Unternehmer Benjamin Groll nicht mehr mit einem Fahndungserfolg der Polizei. Er spricht angesichts der Diebstähle von einem "offenen Basar", den vermutlich weder das Land Brandenburg noch die Polizei oder gar die Stadt Spremberg stoppen könne.

Zum Thema:
Laut einer gemeinsamen Umfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden bewerten in Südbrandenburg 44 und in Ostsachsen 42 Prozent der Unternehmen die Sicherheitslage schlecht. Diebstähle sind demnach das größte Problem, die Polizeipräsenz wird als zu gering empfunden. Vor allem das Kfz-Gewerbe schätze die Sicherheitslage als schlecht ein (62 Prozent), gefolgt vom Ausbaugewerbe (47 Prozent) und Bauhauptgewerbe (43 Prozent). Besonders die Handwerksbetriebe aus dem Landkreis Spree-Neiße (68 Prozent) und Cottbus (65 Prozent) zeigen sich unzufrieden mit der Sicherheitslage. Insgesamt meldeten 59 Betriebe einen Schaden von 1,1 Millionen Euro. Die durchschnittliche Schadenssumme liegt bei rund 18 600 Euro.