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| 16:14 Uhr

Spremberg
Mit Tupfen und Vaters Fahrrad in den Sonnenuntergang

Geld gezählt wurde zur Vernissage im Erwin-Strittmatter-Gymnasium auch: Die Blüte ging für 115 Euro weg, ein winziges Detail eines alten Bugatti für 30 Euro (links)
Geld gezählt wurde zur Vernissage im Erwin-Strittmatter-Gymnasium auch: Die Blüte ging für 115 Euro weg, ein winziges Detail eines alten Bugatti für 30 Euro (links) FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Kleine Kunstauktion bereichert die Vernissage der Zwölftklässler des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums in Spremberg.

Sie tupfen sich wie die Impressionisten über den Strand durchs Meer zu den Wolken. Sie entdecken liebevolle Details in alter Architektur. Sie denken sich hinter Glas, krabbeln in Blüten. Die amerikanische Künstlerin Georgia O’Keeffe habe auch solche Blüten gemalt – und weibliche Geschlechtsorgane, plaudert Adrian Wende, der Auktionator. „Letztere können wir heute nicht zum Verkauf anbieten.“ Kunstlehrerin Ingrid Michel beißt sich auf die Unterlippe. Adrians Geplauder hilft. Die lockende Blüte der Zwölftklässlerin Lara Antonia Tietz geht nach aufreibendem Überbieten für 115 Euro aus dem Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium.

Die Vernissagen der Jahrgangsstufe 12 haben Tradition. Neben Lehrern, Eltern, Freunden ist Sprembergs Bürgermeisterin Christine Herntier wieder unter den Gästen. Mehrere Werke stehen zum Verkauf. Schüler, die den roten Punkt für „unverkäuflich“ auf ihren Rahmen geklebt haben, lassen mit sich reden. Neben den Serenaden im Herbst und Frühling hilft die Vernissage, die Abi-Feier zu finanzieren. Und jeder Jahrgang wagt etwas Neues.  

Unter dem Motto „EigenART“ haben sie diesmal das Geschaffene durchstöbert. Sieben Kreative entwickelten zudem in den  Winterferien auf zwei Leinwänden „Kopflastiges“: Sechs Menschen – und wo sonst der Kopf sitzt, steckt ein Fernsehbildschirm und zeigt, was hinterm Schein der Kleidung in den Köpfen tobt.  Blattlose Bäume, die sich in den Kronen finden, halten; der Fluss, der in den Himmel fließt; Faschingsjubel neben schwarz-weißen Frequenz-Kurven, eine Hauskatze wünscht dem Fuchs gute Nacht.

Während die Gäste durch die Ausstellungsräume auf drei Etagen wandern, sich Filme anschauen, in der abstrakten Malerei ein Suchspiel testen, wird eine weiße Skulptur, die Schüler gebaut haben, mit Stiften beschrieben und bemalt – sie bleibt als Erinnerung an den Jahrgang 2018 im Haus. Allein durch die Auktion mit drei ausgewählten Werken, zum ersten Mal Teil der Vernissage, kommen 185 Euro zusammen. Das winzige Teilchen eines Bugatti-Oldtimers, das der detailverliebte Arie Ebermann malte, findet ebenso Kunstfreunde wie die Impression im Sonnenuntergang von Alexandra Gafke. Wer noch nie von Prismaismus hörte, bekommt ihn von Kevin Lorenz an Beispielen zur Spremberger Kreuzkirche erklärt. Alea Ebermann zeigt, wie Farben solche Kontraste bilden, dass sie den Betrachter aufregen. Paula Höntsch hatte das himmelblaue Fahrrad ihres Vater bei Sonnenuntergang so an den Feldrand gelegt, dass das Foto ein romantisches Rätsel wurde. „Das Fahrrad nimmt in der Familie jeder, der schnell irgendwo hin muss“, erzählt sie. Lara Antonia Tietz erklärt die Grafik, die sie nie verkauft: Die alte Rumänin hatte sie in vielen Stunden von einem Foto abgezeichnet, Das Gesicht voller Jahre ruht in großen verspielten Händen.

Am Mittwoch, 15. März, und am 17. März können alle Kunstkäufer von 15 bis 17 Uhr ihre Werke im Gymnasium abholen.    

Die Vernissage 2019 ist gesichert. Die Jahrgangsstufe 11 hat die Pinsel übernommen.