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Spremberg
Sie will den Austausch ankurbeln

Schulleiterin Odette Urban setzt auf alle, die an Schule beteiligt sind: Lehrer, Schüler und Eltern.
Schulleiterin Odette Urban setzt auf alle, die an Schule beteiligt sind: Lehrer, Schüler und Eltern. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Odette Urban meistert erstes Halbjahr als Schulleiterin des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums.

Odette Urban unterrichtet seit 2011 am Erwin-Strittmatter-Gymnasium Deutsch und Spanisch. Als Elmar Schollmeier, der langjährige Schulleiter, ankündigte, 2017 in den Ruhestand gehen zu wollen, brauchte sie kaum Bedenkzeit. Als Schulleiterin hat sie viel mehr zu koordinieren. Aber auf ihre sieben Stunden Unterricht in der Woche besteht sie.

Was haben Sie zuerst verändert?

Odette Urban Ich will die Kommunikation im Gymnasium verbessern. Mit Fachkonferenzen versuchen wir jetzt, den Austausch unter den Lehrern anzukurbeln. Nur so sehen wir, wo es Probleme gibt, ob sie sich ähneln und gemeinsam angegangen werden können. Zugleich kann in Fachkonferenzen für ein Unterrichtsthema oder eine Veranstaltung zusammengearbeitet werden.

Das passt zu den neuen Rahmenlehrplänen, oder?

Odette Urban Genau. Es geht nicht mehr nur um den Inhalt eines Faches. Fächerverbindend sollen Kompetenzen wie Lesen, Sprache, der Umgang mit Medien geschult werden.

Wie groß ist die Freude übers Ende einer Schule mit zwei Standorten?

Odette Urban Groß. Wir haben die Sportlehrer immer hier. Der Stundenplan lässt sich leichter bauen. Wir müssen nicht mehr Extra-Zeiten einplanen für den Weg der Schüler zum Sport und den Wechsel der Lehrer zwischen den Standorten. Die Schüler kennen sich untereinander besser. Und wir haben hier so viele Fahrradstellplätze, dass wir auch für die Mopeds eine sichere und trockene Unterstellmöglichkeit bieten können.

Was ist noch verbesserungswürdig?

Odette Urban Unsere ehrwürdige Aula bekommt endlich eine Anlage, die Akustik und Licht verbessert. Für unsere alte Turnhalle wollen wir ein neues Nutzungskonzept entwickeln. Sie wäre mit dem Saal und den kleinen Nebenräumen ideal für die Musical-Klasse, die Schulband, Darstellendes Spiel und Veranstaltungen. Wir wollen unserem Schulträger, dem Spree-Neiße-Kreis, bis zu den Sommerferien ein Konzept vorlegen. Mal schauen, ob er unsere Ideen unterstützen kann.

Die Leistungs- und Begabungsklassen, sie starten als Musical- oder Bläserklasse, gibt es seit zehn Jahren. Wie bereichern sie?

Odette Urban Wenn wir das Angebot für Leistungsbegabte ab Klasse 5 nicht hätten, würden wir wohl mehr Kinder an sächsische Schulen verlieren. Sie bringen ein Leistungsvermögen mit, für das wir Lehrer dankbar sind. Wenn sie zum Bläserklassentreffen nach Potsdam fahren, wird Spremberg dort hervorragend repräsentiert. Die Musik- und Kunstschule unterstützt uns kräftig. Auch die Musical-Klasse erreicht tolle Ergebnisse – hier kommen Tanz, Schauspiel und Musik zusammen. Weitere Auftrittsmöglichkeiten für sie suchen wir gerade. Im August startet eine Bläserklasse. Wir haben kein Problem, sie mit mindestens 25 Kindern voll zu bekommen. Mehr als 40 Viertklässler kamen schon „schnuppern“.

Die Oberschule Spremberg schreibt die Berufsorientierung groß. Wie schreibt sie das Gymnasium?

Odette Urban Wir schreiben sie genauso groß, nur steht die Studienorientierung mehr im Vordergrund. Ihre Berufswahlpässe erarbeiten sich die Schüler in Klasse 8, in Klasse 9 gehen sie ins erste Betriebspraktikum. Wir wollen mehr Messen besuchen wie die „Impuls“ und Ausbildungsbörsen. Die Schüler „schnuppern“ an der BTU Cottbus-Senftenberg und an der TU Bergakademie Freiberg. Neben Ansprechpartnern unter den Lehrern haben wir eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit, die sich um uns kümmert. Im März treffen wir uns mit allen Partnern – wie Sparkasse, Krankenhaus, Papierfabrik. Das duale Studium rückt immer mehr ins Blickfeld.  

Als bekannt wurde, dass Erwin Strittmatter in der Waffen-SS gedient und der DDR-Staatssicherheit Informationen geliefert haben soll, fragten sich Kommunalpolitiker und ehemalige Gymnasiasten, ob die Schule weiter seinen Namen tragen sollte. Haben Sie noch Probleme mit dem Namen?

Odette Urban Dass ein Mensch nicht alles richtig macht, gehört zum Leben. Das können wir mit den Schülern diskutieren. Strittmatter hätte über einige seiner Jahre offener reden müssen, das ist richtig. Als Deutschlehrerin sehe ich in ihm zuerst den Schriftsteller. Und mit der Art zu schreiben, ermutigt er Schüler, selbst kreativ zu werden. Vor zwei Jahren waren wir in Schulzenhof und gingen Strittmatters Wege. Am See ließen sich seine Gedanken bestens nachvollziehen. Schüler holten Block und Stift aus der Tasche, schrieben los.

Wo möchten Sie in zehn Jahren mit dem Gymnasium stehen?

Odette Urban In zehn Jahren werden viele meiner Kollegen im Ruhestand sein oder kurz davor stehen. Ich wünsche mir, dass wir für sie neue Kollegen finden und alle Fächer abdecken können, um unsere Schüler breit gebildet in die Prüfungen und ins Leben zu schicken. Und ich hoffe, dass der neue Rahmenlehrplan dann noch immer unser Rahmenlehrplan ist. Es ist wichtig, dass die Lehrer nach den vielen Reformen zur Ruhe kommen und sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können.

Mit Odette Urban sprach
Annett Igel-Allzeit