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Die Spremberger lieben ihr Hexenhäuschen

Claudia Frank präsentiert ein Modell des Sonntagschen Hauses vor dem Originalgebäude im Hintergrund. Die Spremberger Künstlerin Ramona Soyka hat die Miniatur aus Ton angefertigt. Sie dient als Spendengefäß. Gelder für die weitere Sanierung seien jederzeit willkommen, Spendenquittungen könnten ausgestellt werden, so Claudia Frank.
Claudia Frank präsentiert ein Modell des Sonntagschen Hauses vor dem Originalgebäude im Hintergrund. Die Spremberger Künstlerin Ramona Soyka hat die Miniatur aus Ton angefertigt. Sie dient als Spendengefäß. Gelder für die weitere Sanierung seien jederzeit willkommen, Spendenquittungen könnten ausgestellt werden, so Claudia Frank. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Spremberg. Es soll schon um die 435 Jahre auf dem Buckel haben. Fünf Stadtbrände und zwei Weltkriege hat es heil überstanden. Im Sonntagschen Haus in der Spremberger Altstadt lässt sich Geschichte atmen. Die Sanierung des Gebäudes ist indes längst nicht vollendet. Torsten Richter-Zippack / trt1

Es ist schon kurios: Wer ein Haus betritt, steigt in der Regel ein paar Stufen hinauf. Anders dagegen im Sonntagschen Haus an der Ecke Burgstraße/Kirchgasse in Spremberg. Dort geht es hinter der Eingangstür erst mal mehrere Stufen nach unten. Warum, begründet Claudia Frank, Sprecherin der Interessengemeinschaft Sonntagsches Haus, die das historische Ensemble seit vier Jahren betreut, wie folgt: "Das Gebäude hat fünf große Stadtbrände überstanden. Immer wieder wurde auf die alte Substanz aufgebaut, sodass die Grundfläche allmählich nach unten rutschte." Durch diverse Bodensenkungen seien die schiefen Wände zu erklären. Die wirkten wiederum auf die meisten Spremberger nostalgisch, quasi als Inbegriff der "guten alten Zeit". Kein Wunder, dass das Gebäude im Volksmund gern als "Hexenhäuschen" bezeichnet werde.

Dessen älteste Mauer sei auf das Jahr 1580 datiert. Das hätten Untersuchungen des dort verbauten Holzes ergeben, erklärt Claudia Frank. Die Vermutung, dass das Gebäude direkt auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet worden sei, habe sich nicht bestätigt. Das steinerne Bollwerk könnte jedoch ein paar Meter weiter verlaufen sein, etwa dort, wo der einstige Thümmelsche Gasthof an das Sonntagsche Haus grenzte. Zumindest hätten die Arbeiter in diesem Bereich die für Stadtmauern typischen Feldsteine geborgen.

Im "Hexenhäuschen" lebt seit Jahrzehnten niemand mehr. Die letzte Bewohnerin namens Sonntag verstarb hochbetagt vor einem Vierteljahrhundert. In den Jahren 1993/1994 hatte der damalige Kreis Spremberg mit der Rekonstruktion des stadtbildprägenden Ensembles begonnen. Dann allerdings, so Claudia Frank, deute einiges darauf hin, dass die Baustelle fast fluchtartig verlassen worden sei. Warum, darüber könne die Interessengemeinschaft nur spekulieren. Eine These sei die Kreisgebietsreform Ende 1993. Damals hatte Spremberg den Kreissitz an Forst abgeben müssen. Möglicherweise seien in diesem Rahmen die Prioritäten anders gesetzt worden. Immerhin: Durch die damaligen Arbeiten sei die zuvor verputzte Fachwerkkonstruktion wieder zutage getreten.

Später habe der Landkreis Spree-Neiße das Anwesen an einen bayerischen Immobilienmakler veräußert. Im Jahr 2012 sei die Interessengemeinschaft Sonntagsches Haus neue Eigentümerin geworden. Seitdem hat sich viel getan. Das Haus konnte soweit hergerichtet werden, dass bereits mehrere Tage der offenen Tür stattfanden. Auf solch eine Veranstaltung werden die Spremberger in diesem Jahr allerdings wohl verzichten müssen. "Wir wollen das Obergeschoss sanieren. Dazu muss das dort befindliche Inventar nach unten geschafft werden. So gibt es dort kaum mehr Platz", begründet Claudia Frank. Darüber hinaus warte noch immer der Schornstein auf seine Instandsetzung.

Die Interessengemeinschaft, die nunmehr ein gemeinnütziger Verein sei, baue mit Spendengeldern. "Zum Glück drängt uns niemand. So können wir das Häuschen nach und nach in aller Ruhe sanieren", sagt Claudia Frank, die gemeinsam mit ihrem Team bereits unzählige Arbeitsstunden in das Objekt investiert habe. Mittel- bis langfristig solle das "Hexenhäuschen" als Begegnungsstätte dienen. Vorstellbar sei auch ein kleines Museum. Nicht zuletzt werde eine Dokumentation über das Ensemble erstellt.

Inzwischen habe die IG eine Infotafel zum Sonntagschen Haus unweit des Eingangs angebracht. Allerdings nicht aus Bronze, wie die Protagonisten anmerken. Ansonsten sei die Gefahr eines Diebstahls zu groß. Der Grünschmuck vor der Eingangstür sei bereits abhandengekommen.