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| 16:01 Uhr

Spremberg
Die Schwäne sind los

Lady und Junior, Sprembergs Schwanenteich-Schwäne, sind am Montag in den Frühling gestartet. Nach dem ersten Bad putzten sie ausgiebig ihr Gefieder.
Lady und Junior, Sprembergs Schwanenteich-Schwäne, sind am Montag in den Frühling gestartet. Nach dem ersten Bad putzten sie ausgiebig ihr Gefieder. FOTO: Annett Igel-Allizeit / LR
Spremberg. Für die Auswilderung der Jungschwäne fährt Elfi Fuchs mehr als 50 Kilometer weit.

Lady und Junior, Sprembergs Schwanenteich-Schwäne, haben am Montag ihr Winterquartier verlassen. „Wenn ich Tür und Tor offen lasse, laufen sie durch bis zum Teich. Das ist einfach“, erzählt Elfi Fuchs. Seit Jahrzehnten kümmert sie sich um die Schwanenpaare. Nicht so einfach sei es, den richtigen Zeitpunkt zu finden. „Ich studiere dann immer die Wetterprognosen. Kälte macht den Tieren nichts aus, aber der Schwanenteich darf nicht wieder zufrieren, den Tieren muss genug Wasserfläche zur Verfügung stehen“, erklärt Elfi Fuchs. Als es Anfang März mit den Temperaturen noch einmal so weit runter ging, musste sie umdisponieren. „Mit Grünkohl und Raps bringe ich sie immer gut durch den Winter. Ein Landwirtschaftsunternehmen in Groß Luja hilft mir. Aber diesmal reichte der Grünkohlvorrat nicht. Wir mussten mit Eisbergsalat überbrücken.“

Weil Schwäne keine Zähne haben, sondern lediglich stachelförmige Hornpapillen am Zungenrand und Lamellen am Schnabelrand, die beim Herausfiltern der Nahrung aus dem Wasser helfen, muss Elfi Fuchs Grünkohl und Salat sehr klein schneiden. Muschelkalk und Nährstoffe mischt sie unter. Am Montagmorgen durften sie sich noch einmal richtig satt fressen, bevor sie zum Schwanenteich zogen.

Dort toben schon die wilden Stockenten frühlingstoll übers Wasser. Auch Mandarinenenten nutzen den Schwanenteich. Im Gestrüpp am Ufer leuchtet der blauen Rücken eines Eisvogels. Elfi Fuchs erzählt von Spechten und den Eichelhähern. Auf viele Arten ist sie bei der Vogelfütterung eingestellt und bereitet extra Weichfutter zu. In der Hecke singt das Rotkehlchen. Eine ganze Schar hektischer Girlitze, die kleinste europäische Vogelart aus der Familie der Finken, tippelt über eine befestigte Fläche in ihrem Garten.

Während Elfi Fuchs die Enten lockt, interessieren sich die Schwäne gar nicht für den Eimer mit dem Futter. Nach ein paar stolzen Runden im Wasser widmen sich Lady und Junior am Ufer hinterm Schwanenhaus ausgiebig ihrem Gefieder. „Wie die beiden sich derzeit verhalten, könnte es wieder ein großes Gelege werden“, sagt Elfi Fuchs. Im Vorjahr hatte das Schwanenpaar mit sieben Eiern alle Erwartungen übertroffen. „Damit haben sie das Maximum erreicht. In der Literatur ist von fünf bis sieben Eiern die Rede.“ Dass am Ende nur drei Jungtiere groß wurden, sei der Lauf der Natur. Den Experten zufolge sollen mindestens zwei Küken vom Uhu, der sich ebenfalls wohlfühlt am Schwanenteich, attackiert worden sein. Wie es den Überlebende inzwischen geht? Sie kamen mit ins Winterquartier, erzählt Elfi Fuchs. „Und sie wären gern bei mir geblieben. Doch obwohl es eine Weile dauert, bis Schwäne geschlechtsreif werden, beunruhigen sie ihre Eltern schnell.“ Elfi Fuchs spürt diese Unruhe. Dann ist es Zeit, die Jungtiere auszuwildern. Sie hat dafür Boxen. „Die hänge ich richtig zu, wenn ich die Jungschwäne zu einem Gewässer bringe“, schildert sie. Die Talsperre reicht zur Auswilderung nicht. „50 bis 80 Kilometer muss ich fahren, damit sie nicht zurückfinden“, so ihre Erfahrung.

Die Altschwäne am Schwanenteich werden nun ein Nest bauen. „Das Schwanenhaus nutzt unsere Lady nicht.“ Sie bauen genau davor auf der kleinen Insel. Noch steht genug Schilf im Ufer. „Im Vorjahr“, so erinnert sich Elfi Fuchs, „schlüpften die Jungen am Himmelfahrtstag.“

Wer die Schwäne beim Spaziergang nicht auf dem Schwaneneich entdeckt, muss zum Schloss. Noch finden sie nicht genug Futter im und am Teich und suchen auch am Schlossgraben und auf der bäuerlichen Hofanlage.