ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:54 Uhr

Zu Gast im Bergschlösschen
Immer bodenständig geblieben

Holger Fahrland im Gespräch mit Carmen-Maja Antoni.
Holger Fahrland im Gespräch mit Carmen-Maja Antoni. FOTO: Anja Guhlan
Spremberg. Die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni las in Spremberg aus ihrer Autobiografie.

 Carmen-Maja  Antoni, seit fast 65 Jahren im Filmgeschäft, ist am Samstagabend ist sie mal wieder in Spremberg zu Gast gewesen. Sie hatte ihre Autobiografe „Im Leben gibt es keine Proben“ im Gepäck.

Als die  Schauspielerin die Lesebühne  betrat, wirkte ihr kleines Wesen etwas schüchtern und  komisch, aber ihre Sprache ist bissig und manchmal ein  wenig frech.  Der Lausitziale-Verein mit dem Vorsitzenden Holger Fahrland sowie der Leiter der Lausitziale-Filmschule Andreas Köfer  zeigten  zunächst zahlreiche zusammengeschnittene Filmausschnitte des Gesamtschaffens der Schauspielerin. Im Anschluss wurde noch der Kurzfilm „So nah, so fern“ der Nachwuchs-Regisseurin Alexandra Gafke aus Spremberg gezeigt, in der Carmen-Maja Antoni die Hauptrolle spielt.

Dann aber begann die Lesung, in der die Schauspielerin einige Kapitel auswählte und Einblicke in ihr Leben gab: Carmen-Maja Antoni kam sehr früh  zum DDR-Kinderfernsehen. „Bereits mit zehn Jahren hatte ich jede Menge Spaß, beim Kinderfernsehen mitzuwirken. Das Fernsehen war immer meine Lebensinsel“, sagte sie.  Die Gäste erfuhren, dass Antoni vaterlos aufgewachsen war, sehr früh Verantwortung übernehmen musste  und bereits mit zehn Jahren für ein Einkommen in der Familie sorgte. In einem weiteren Kapitel schildert sie Eindrücke ihres ersten Engagements in Potsdam am Theater: der erste Auftritt, der erste große Applaus, die erste positive Kritik in der Zeitung.

Jahrelang spielte sie am Theater ihre Rollen. Irgendwann reiste sie mit Gastspielen durch die Welt und auch in diesem Kapitel erzählt sie lustige Anekdoten aus der Vergangenheit. Ihrer  Rolle als Anderthalbmeter-Großmutter in der Literaturverfilmung „Der Laden“  widmete sie ebenso ein Kapitel.  Es sei bisher die beste Literaturverfilmung, sagte sie,  und ihre historische Rolle habe sie mit Leidenschaft gespielt. Aber auch in  vielen anderen Rollen fühlte sich die Schauspielerin immer wohl, so unter anderem in den vielen Krause-Filmen. Zum Schluss plauderte sie noch ein bisschen aus der Familienkiste, bevor Zuhörer Fragen stellen konnten.

So wollte Heike Sulimma aus Spremberg wissen, ob sie lieber Theater gespielt oder für das Fernsehen geschauspielert hat. „Ich habe Beides gerne gemacht. Der Filmdreh ist eine andere Anstrengung als das Theaterspielen“, sagte Carmen-Maja Antoni. Sie versuchte zu erklären, dass man während des Theaterspiels  durchweg Power geben muss,  die Konzentration beim Filmdreh hingegen lange Zeit angehalten werden muss, um das Schauspiel punktgenau abzurufen, wenn die Kamera läuft.  Noch hat die inzwischen  73-Jährige gut zu tun, obwohl sie eigentlich irgendwann mal kürzer treten will.  Inzwischen unterrichtet sie auch. Sie selbst bezeichnet sich als strengen Lehrer. Die Ausbildung von Nachwuchs ist ihr aber besonders wichtig.  Auch Initiativen wie die Spremberger  Filmschule findet sie toll und möchte so etwas weiterhin unterstützen.  Es sei jedoch schwieriger geworden in der Schauspielbranche, erklärte Antoni. Viele der Schauspielschüler wollen demnach eher zum Fernsehen und großes Geld verdienen, während das Theater  in den Hintergrund rückt.  Auch die Tatsache, dass immer mehr Theater  verschwinden oder Kulturhäuser mit Bühnen umgenutzt werden, ärgert sie.  „Da müsste viel mehr getan werden“, stellte sie fest. „Gelder sollten in solche Projekte  gesteckt werden.“

Zum Schluss signierte sie noch Bücher für die Gäste. Heike Sulimma war eine der Ersten, die eine Signatur ergatterten. „Ich mag sie. Sie ist immer bodenständig geblieben.  Und ihre Autobiografie werde ich regelrecht verschlingen“, sagte die Sprembergerin.

Auch Matthias Nauk und seiner Partnerin Andrea König hat die Veranstaltung gefallen: „Wir haben sie natürlich oft im Fernsehen gesehen und sind auch live beeindruckt von ihrem Wesen und ihrer Eigenart“, sagt Matthias Nauk.  Antoni hatte indessen vom Lausitziale-Verein bereits die nächste Einladung für eine Veranstaltung in zwei Jahren bekommen. Antoni willigte gerne ein, denn sie mag Spremberg und schwärmte am Ende noch ein bisschen von der Stadt.