Die Ortsumfahrung Hoyerswerdas ist ein Endlos-Thema. Erste Ideen stammen aus dem Jahr 1992. Die Zeißiger, damals noch selbstständig, beobachteten kritisch den sprunghaft angestiegenen Durchgangsverkehr. Und obwohl die Straße seit 1993 im Bundesverkehrswegeplan verankert ist, blieben Verkehrskonzeptionen, Planungen für alle denkbaren Trassen und für Brücken über die Bahnübergänge im Verfahrens-Dschungel stecken. Andere Verkehrsprojekte hatten Vorrang.
Jetzt liegt ein zweiter Vorentwurf für die Ostumfahrung auf dem Tisch. Wenn der vom Bund genehmigt wird und das folgende Planfeststellungsverfahren ohne Verzögerung alle behördlichen Gremien passiert, dann könnte Baubeginn im Jahr 2008 sein, schätzt Steffi Schön, Leiterin Planung und Umweltschutz im Straßenbauamt Meißen-Dresden, ein. Vorausgesetzt: Im Baurechtsverfahren kollidieren private und öffentliche Interessen nicht. Erst in diesem Zuge werden die Bürger beteiligt und können ihre Bedenken einbringen. Soweit ist die Hoyerswerdaer Ortsumfahrung aber noch nicht. Zunächst wird der geänderte Vorentwurf genehmigungsfertig gemacht.
Auf rund 16 Millionen Euro ist das Hoyerswerdaer Infrastruktur-Projekt mittlerweile gedrückt worden. Der erste Vorentwurf war finanziell großzügiger geplant gewesen, so Amtsleiterin Schön. Die Knotenpunkte, sprich Abfahrten der Ortsumfahrung, waren vorher nicht auf dem gleichen Niveau und daher Brücken und Rampen nötig. „Jetzt sind alle Knotenpunkte, bis auf die Verknüpfung von B 97 und B 96, auf gleicher Höhe“ , so Steffi Schön.
Mit dem Bau der Ortsumgehung wird der Bahnübergang Zeißig geschlossen. Die innerstädtische Route soll für den „Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden“ , so der Leiter vom Hoyerswerdaer Planungsamt, Dietmar Wolf. Für die Zeißiger selbst bleibt die Anbindung über den Bahnübergang Schmiedeweg.
Die Stadt hat in ihrer Stellungnahme zum geänderten Vorentwurf einiges anzumerken. Sie fordert zum Beispiel zur besseren Verknüpfung des Radwegenetzes, den Straßen begleitenden Radweg vom Industriegelände wenn schon nicht ganz bis Kühnicht, dann wenigstens bis zur nächsten Waldzufahrt zu bauen. Nur so sei der radtouristisch zu erschließende Bereich um den Scheibe-See auch von Süden gut angebunden, heißt es in der Stellungnahme. Das sieht das Straßenbauamt anders. „Da erkennen wir keinen Bedarf“ , so Amtsleiterin Steffi Schön. Am Knotenpunkt S 108 in Richtung Lohsa sei eine Querung für Radfahrer vorgesehen, zum anderen am Gewerbepark Kühnicht ein Straßen begleitender Radweg in die Stadt hinein. Ein zweiter Hoyerswerdaer Wunsch findet auch wenig Gegenliebe im Straßenbauamt. Die Stadt schlägt vor, für den Weg „Am Sender“ nördlich eine Unterführung für Radfahrer zu prüfen. Auch hier „sehen wir keine Notwendigkeit“ , erklärt Steffi Schön. Der Wirtschaftsweg reiche und sei mit der B 96 verknüpft. Alles andere erfordere zusätzliche Bauwerke und Geld.
Der Stadtrat hatte gestern Abend seine Stellungnahme zum geänderten Vorentwurf des Straßenprojektes als Beschlussvorlage auf dem Tisch. Im Straßenbauamt Meißen-Dresden wird schon darauf gewartet.

Hintergrund Die Ortsumfahrung B 96
Ziel: Ortsteil Zeißig soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden; Bahnübergang an der B 96 wird geschlossen. Für Zeißiger wird Bahnübergang Schmiedeweg ausgebaut
Route: Auf der B 97 aus dem Norden kommend, wird man über Kühnicht weiträumig auf die B 96 hinter dem Abzweig Spohla geführt. Abfahrten werden mit Ampeln an der Staatsstraße Richtung Niesky, im Industriegelände und Spohla sein.
Extras: Der öffentliche Schwarze Weg und Weg am Sender werden über Zufahrten angebunden. Weitere Zufahrten zur Erschließung der Waldflur bekommen Schranken. Der Froschradweg (nördlich der Bahn) wird mit einer Brücke über die B 96 geführt.