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| 10:52 Uhr

Die Michaeliskirche zu Jämlitz entstand in der DDR

Jämlitz.. Ein Kleinod der besonderen Art ist die evangelische Michaeliskirche zu Jämlitz. Im Vergleich zu anderen Gotteshäusern der Umgebung ist diese Kirche jedoch relativ jung. Vor 51 Jahren wurde die Kirche errichtet und im vergangenen Jahr durch viele fleißige Hände umfangreich renoviert und saniert. André Kurtas


Das Gebäude ist schon ein kleines Wunder. Man stelle sich vor: Der ganze Kirchenbau kostete damals gerade einmal 30 000 Ost-Mark. Alles andere haben die Jämlitzer und Zschornoer selbst gemacht und erbracht. Jeder hatte mitgeholfen, das Nötige zu erbringen: Ob die Steine vom Zschornoer Gasthaus, das Holz von der alten Fabrik aus Jämlitz-Hütte, weiteres Material, das gespendet wurde, und natürlich all die unentgeltlichen Arbeitsleistungen. Bereits nach knapp einem Jahr Bauzeit war es soweit: Am 4. Juni 1953 fand die feierliche Einweihung statt und am
13. Juni 1953 wurde die erste Hochzeit in der Jämlitzer Kirche gefeiert.
Für die Kirchengemeinde ist die Michaeliskirche längst nicht mehr wegzudenken. Sie prägt den kleinen Ort mit, dies haben im vergangenen Jahr sogar die Denkmalsschützer erkannt. Sie stellten das Gotteshaus 2003 unter Denkmalschutz. Und das nicht nur, weil die Kirche zu den wenigen gehört, die in der ehemaligen DDR gebaut wurden. Nein, sie ist gleichzeitig auch ein Zeugnis für die gläubigen Menschen, die hier leben.
Dazu hat die RUNDSCHAU auch eine kurze Anekdote gefunden: Der ehemalige Kreisbaudirektor von Spremberg gehörte der CDU an. Er gab die Baugenehmigung im Frühjahr 1952 allerdings nur unter der Bedingung, dass man das Material selbst besorgte und lediglich einen Rentner als Maurer beschäftigen durfte. Er erlaubte Pfarrer Kuhnt zudem, das im Krieg zerstörte Gasthaus in Zschorno abzureißen. Von dort kam nun auch das erste Material, das zum Teil für die Fundamente verwendet wurde.
Aber die erforderlichen Mauersteine waren einfach nicht zu haben. Doch der Pfarrer wusste: In den Königshainer Bergen gab es ein Granitwerk. Er fuhr nach Arnsdorf und fragte erst einmal den dortigen Pfarrer nach den Möglichkeiten, hier Granit zu kaufen.
Der Bescheid sah nicht günstig aus, denn der Direktor des Granitwerkes war aus der Kirche ausgetreten, weil sie ihm angeblich zu fromm sei. Doch letztendlich wurde der Jämlitzer Pfarrer mit dem Direktor des Werkes im Handel einig und hatte, als er heimfuhr, vier Waggons Granit "in der Tasche".
Der Bau konnte beginnen. Doch warum heißt das Jämlitzer Gotteshaus nun eigentlich Michaeliskirche? Eine klare Antwort hat man nicht gefunden. Erklären lässt sich der Name aber so: Michael heißt, wer ist wie Gott. Und Gott hat hier in Jämlitz ein Zeichen gesetzt und Michael, so wird jedenfalls berichtet, hat die alte Schlange, den bösen Drachen, getötet und die Menschenbefreit. So soll wohl auch diese Kirche zu Jämlitz ein Symbol dafür sein, das Gott siegt und die Menschen vom Bösen befreit.
Heute findet übrigens an jedem letzten Sonntag im Monat sowie an besonderen Festtagen ein Gottesdienst in der Kirche statt, der vom Bad Muskauer Pfarrer Steffen Schumann geleitet wird.