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| 16:40 Uhr

Spremberg
Die Landzungen wachsen

Die Landzunge vor der Wilhelmsthaler Brücke wächst. Die Spree ist an dieser Stelle zu schwach, herausgerissenes Schilf in die Vorsperre zu transportieren. Das Schilf wächst im Flussbett an.
Die Landzunge vor der Wilhelmsthaler Brücke wächst. Die Spree ist an dieser Stelle zu schwach, herausgerissenes Schilf in die Vorsperre zu transportieren. Das Schilf wächst im Flussbett an. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Landesumweltamt hat die Kraft der Spree bei Wilhelmsthal einfach überschätzt.

Wie weit ein Bagger bei der Gewässerunterhaltung mit Pflanzen um sich werfen kann, das ist jetzt von der Wilhelmsthaler Brücke aus zu sehen. Doll ist die Weite nicht, so Cantdorfs Ortsvorsteher Rene Nakoinz. „Und die Leistung sorgt im Ort auch eher für Kopfschütteln als für ein Staunen.“

Am rechten Ufer der Spree beiderseits der Wilhelmsthaler Brücke ragen Landzungen in den Fluss. Schilf wächst immer wieder auf ihnen. Der Cantdorfer Ortsbeirat befürchtet, dass sich die Spree hier im Hochwasserfall zusätzlich aufstaut. Cantdorf hat im jungen 21. Jahrhundert schon mehrfach mit Hochwasser zu kämpfen gehabt.

Ende 2015 entdeckte das Landesamt für Umwelt noch ein paar Fördermittel und ließ im ersten Quartal 2016 das Schilf von den Landzungen räumen. Wie Thomas Frey, Sprecher des Landesamtes für Umwelt, bestätigt, wurde getan, was im Rahmen der Gewässerunterhaltung ohne wasserrechtliche Genehmigungsverfahren möglich war. Der Bagger warf das Schilf in die Spree. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Abflussleistung der Spree ausreicht, um das entnommene Material in Richtung Vorsperre zu transportieren“, sagt Thomas Frey. Ein Trugschluss. Das Schilf blieb im Flussbett und bildet nun weitere Schilfinseln, den Landzungen vorgelagert.

Warum die Landzungen nicht beseitigt wurden? „Das wäre keine einfache Umverlagerung von Sedimenten gewesen, sondern eine Maßnahme ganz anderer Größenordnung, die in der regulären Gewässerunterhaltung nicht umsetzbar ist“, erklärt Thomas Frey.

Dass der Fließquerschnitt in diesem Spreeabschnitt so eingeschnürt ist, liege an der Wilhelmsthaler Brücke. „Dort, wo sich aufgrund der Strömungsverhältnisse und der Querschnittsaufweitungen hinter der Brücke die Fließgeschwindigkeit verlangsamt, werden immer wieder Anlandungen auftreten. Das ist ein natürlicher Prozess“, sagt Thomas Frey. In diesem Jahr kam hinzu, dass die Abflüsse der Spree über mehrere Monate gering waren.

Zweimal im Jahr werde der Gleit­hang der Wilhelmsthaler Brücke im Rahmen der Gewässerunterhaltung gemäht. Nach der Mahd im Juni sei die zweite Mahd im Zeitraum vom 29. Oktober bis 11. November geplant. Bei Bedarf werde gekrautet.

Für eine dauerhafte Beseitigung der Landzungen müsste der Abflussquerschnitt geweitet werden. „Denn durch den engen Querschnitt der Wilhelmsthaler Brücke ist die Schleppkraft des Wasser zu gering“, so Thomas Frey. Und diesen Aspekt griffen drei Vorhaben in der Regionalen Maßnahmenplanung des Hochwasserrisikomanagements des Landes Brandenburg auf. Eine Pflichtmaßnahme mit sehr hoher Priorität ist demnach die Beseitigung der Engstelle Wilhelmsthaler Brücke. „Da bei Querbauwerken ein nicht ausreichender Freibord oder eine zu geringe lichte Weite zu Aufstau- oder Einstau-Erscheinungen führen und den schadlosen Wasserabfluss behindern kann, wurde der Handlungsbedarf abgeleitet, die Engstelle zu beseitigen“, heißt es in der Planung. Auch der Rückbau der alten Wehranlage Wilhelmsthal soll helfen. Und die Erneuerung und Vergrößerung des Durchlasses für den Graben vor der Brücke, den auch Ortsvorsteher Rene Nakoinz für viel zu klein hält.

Wodurch die aktuelle „Engstelle Wilhelmsthaler Brücke“ ersetzt wird, weil die Einwohner und Radtouristen die Brücke brauchen, darüber muss sich nun die Stadt Spremberg einen Kopf machen: Eine Beschlussvorlage hat die CDU-Fraktion für die nächste Stadtverordnetenversammlung am 26. September vorbereitet. In der Begründung weist der Fraktionsvorsitzende Andreas Bränzel darauf hin, dass der Ersatzbau im Sinne des Hochwasserschutzes möglichst keine Pfeiler im Fluss haben sollte. Wegen des Hochwasserschutzes, so die CDU, solle die Verwaltung aber auch nach Fördermitteln Ausschau halten.

Falls es die Brücke in den Haushalt 2019/2020 schafft, würde das Brückenjahr, wie 2018 in Spremberg bereits bezeichnet wird, weitergehen. Für die Pulsberger Brücke über die Kohlebahn sollen dem Rathaus Ende dieses Jahres die Untersuchungsergebnisse zu einer wirtschaftlichen Lösung vorliegen.