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Die Kruken sind wieder gut gefüllt

Spaß bei Groß und Klein herrschte beim Sauerkrautfest in Terpe.
Spaß bei Groß und Klein herrschte beim Sauerkrautfest in Terpe. FOTO: Bogott/dbo1
Terpe. Das war ein Fest der Superlative: Erst vor einigen Wochen war das traditionelle Oktoberfest ein Highlight, und nun wurde auch das 10. Jubiläumsfest um das Sauerkraut in Terpe wieder ein voller Erfolg. Detlef Bogott / dbo1

Der Heimatverein Terpe hatte am Samstagabend abermals in sein Vereinsdomizil "Alter Konsum" eingeladen, und Gäste und Freunde aus der Umgebung kamen. Nicht nur Gemütlichkeit stand auf dem Programm. Denn auch die Gäste waren aufgeforgert, sich bei der Sauerkrautherstellung aktiv zu beteiligen. Das Terpsche Sauerkraut ist weit über die Ortsgrenzen wegen seiner hohen Qualität bekannt. So schnell konnte teilweise gar nicht gestampft werden, denn an der Ausgabe standen die Leute mit ihren Gefäßen Schlange.

Krautmeister Dieter Unger hatte wieder alle Hände voll zu tun. Sagenhafte 510 Kilogramm Kohl wurden per Hand verarbeitet. Zuerst, erzählt der Krautmeister, trennen die Frauen lose Blätter ab und vierteln die Kohlköpfe. Der Strunk werde ebenso entfernt, dann kommen die geviertelten Stücke in den alten Sauerkrauthobel von 1938. Dietmar Unger hatte auf früheren Festen einen noch älteren Hobel, aber der hatte irgendwann ausgedient. Nach dem Hobeln kommt das Kraut in die Holzbottiche und es kann los gehen. Wie viel Wasser und Salz auf einen Eimer kommen, ist Ungers Geheimnis. "Schon vor 38 Jahren begann unsere Familie, Sauerkraut selber herzustellen", erzählt er.

Mit 200 Krautköpfen fing alles vor zehn Jahren an, in den Jahren steigerte sich dann die Menge, bis heute wurden etwa vier Tonnen Kohl verarbeitet. "Wir stellten einst rotes und weißes Sauerkraut her, doch das rote war nicht der Geschmack der Gäste und so wird seitdem nur weißes in dieser Runde hergestellt." Das Stampfen, welches überwiegend von Männern übernommen wurde, machte durstig.

An der Hobelmaschine zeigten auch die Frauen, dass sie den Männern in nichts nachstehen. Aber auch das Kurbeln war anstrengend. Für die hartarbeitenden Sauerkrauthersteller und für die Gäste waren wie gewohnt kulinarische Schmankerl im Angebot. Der Renner wie schon seit Jahren war der Schlesische Weißkohleintopf, gefolgt von den Terpschen Grillhaxen und Weißwürsten. Für viele der Gäste schon alleine ein Grund, das Sauerkrautfest zu besuchen. Und besucht war das Jubiläumsfest super, so Vereinschef Lothar Hopka.

Als kultureller Höhepunkt zeigte sich in diesem Jahr eine Modenschau mit sorbischen Trachten und Schürzen, die eher zum Schmunzeln gedacht waren. Dorothea Tschöke aus Elsterheide-Sabrodt hatte die Idee. Sie brachte auch ihre Models mit. In eine Hoyerswerdaer Festtagstracht, wie sie auch in Terpe getragen wurde und wird, schlüpfte Sophia Klammer. Wiebke Schütze steckte in einer Brautjungferntracht. Sorbisch-Katholische Trachten demonstrierten Andrea Paulik aus Radibor und Birgit Pattoka aus Bergen. Spaßig wurde es dann, als die Schürzen gezeigt wurden. Bei so manch einem "Vorhängelatz" steckte der Schalk tief im Nacken.

Die Krautkopp-Wette durfte natürlich nicht fehlen. Ein vorab durch die Gästereihen gegangener Krautkopf, dessen Gewicht erraten werden musste, war der Gegenstand der Wette, die Dieter Freißler moderierte. So gut wie alle im Saal beteiligten sich an dem Gaudi. Fast, aber nicht ganz genau getippt und somit Platz drei sicherte sich Nicki, die amtierende Miss Dirndl 2016 aus Terpe. Ein Kürbis war der Preis. Siegfried Wierich hatte sich um wenige Gramm vertan und kam somit auf den zweiten Platz. Ein Zentner gute Kartoffeln aus Terpe darf er sein eigen nennen. Joana "Püppi" aus Terpe schätzte von allen am besten. Nur zehn Gramm lag sie daneben. Ein Schinken war ihr Preis.

Bis gegen 21 Uhr wurden dann jeweils eine Stunde lang die Krautbottiche gestampft, die etwa 15 Kilogramm Kraut zum Inhalt hatten. Fast jeder Besucher kam so auf seine Kosten. Nun kann das Kraut mit Wacholderbeeren, Kümmel, Nelken, sauren Apfelstücken oder geraspelten Möhren verfeinert werden. Auch die Kinder hatten wie jedes Jahr große Freude, denn sie konnten mit ihren Füßen Kraut stampfen. "Eine Kinderbelustigung, die nicht oft angeboten wird. Der Inhalt sind die entfernten Blätter, die nicht verarbeitet werden. Dieses Kraut wird natürlich nicht verzehrt, doch die Kinder hatten großen Spaß dabei", so Dieter Freißler. Die Sprembergerin Ute Kekert vom Seniorenkabarett "Sati(e)rchen" trug zudem ein Gedicht zum "Guten alten Sauerkraut" vor.