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| 02:44 Uhr

Die heimliche Umleitungsstrecke

Proschim ist inoffizielle Umleitungsstrecke, weil die offizielle Umleitung zu lang ist. Wenigstens bis zum Ende dieser Situation wünschen sich Anwohner der schmalen Hauptstraße Tempo 30 für Lkw.
Proschim ist inoffizielle Umleitungsstrecke, weil die offizielle Umleitung zu lang ist. Wenigstens bis zum Ende dieser Situation wünschen sich Anwohner der schmalen Hauptstraße Tempo 30 für Lkw. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Proschim. Unter den wachrüttelnden Nebenwirkungen der großräumigen Umleitung für den Einbau der neuen Deckschicht auf der B 156 zwischen Sabrodt und Bluno leiden seit Wochen viele Proschimer. Die offiziell ausgeschilderte Umleitung über Schwarze Pumpe, Hoyerswerda, Bergen und Klein Partwitz ist ganze 30 Kilometer länger und wird deshalb von vielen Autofahrern ignoriert. Annett Igel-Allzeit

"Unsere schmale Hauptstraße durch Proschim und Karlsfeld wurde nie für diesen Schwerlastverkehr ausgelegt", sagt der Anwohner Alexander Tetsch.

Besonders schlimm sei es morgens zwischen 6 und 7 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr am Nachmittag, aber vereinzelt werden die Anwohner der Hauptstraße auch nachts wachgerüttelt. Besonders laut seien die Muldenkipper. "Freiwillig langsam fährt nur der Laster, der morgens zwischen 4 und 5 Uhr sowie noch einmal gegen 19 Uhr den Norma-Markt in Welzow beliefert - wohl aufgrund des Straßenzustands", hat Alexander Tetsch beobachtet. Auf großen Teilen der Strecke sei das alte Kopfsteinpflaster nur mit einer Asphaltschicht überzogen. "Die zerfahrenen Straßenränder zeigen, wie überlastet die Straße ist", erklärt er. Wie im Jahr 2016 während der Sperrung der B 156 in Bluno sollten auch diesmal wieder Tempo-30-Schilder in Proschim aufgestellt werden. Das beantragen zu wollen, habe die Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) dem Proschimer Ortsbeirat im April versprochen. Doch die Schilder stehen bis heute nicht.

Inzwischen haben die Proschimer herausgefunden, dass für ihre Hauptstraße zwei unterschiedliche Behörden zuständig sind: Die Strecke von Lieske in die Proschimer Dorfmitte ist als Kreisstraße 7121 der Kreisstraßenmeisterei zugeordnet, während der Abschnitt vom Dorfzentrum durch Karlsfeld bis zur alten Ortslage Haidemühl als L 522 dem Landesbetrieb Straßenwesen zugeordnet wird.

Doch Zuständigkeiten hin oder her, Reiner Ohm von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Spree-Neiße hatte Mitte Juni 20 Minuten lang den Verkehr in Karlsfeld beobachtet. "Nach seiner Verkehrszählung fahren tatsächlich mehr Fahrzeuge durch unseren Ort, aber nicht genug, um Tempo 30 zu rechtfertigen", sagt Alexander Tetsch. Obwohl Ohms Zählzeit gegen 11 Uhr nicht zu dem Problem der Proschimer passte, habe er immerhin festgestellt, dass ein großer Anteil der Verkehrsteilnehmer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch den Ort fährt. Besteht damit die Chance, dass wenigstens mal öfter Geschwindigkeitskontrollen stattfinden?

In den vergangenen Tagen hat Sybille Tetsch mit drei weiteren Proschimerinnen Unterschriften für Tempo 30 für Lkw gesammelt. Von den rund 100 unterschriftberechtigen Anwohnern hatten bis zum gestrigen Mittag 95 unterschrieben. "Das Problem teilen alle, egal ob sie für oder gegen Braunkohlenabbau sind", sagt Sybille Tetsch. Bei vielen wackeln die Gläser in den Vitrinen, die Betten, das ganze Haus. "Zudem denken wir, dass die Erschütterungen hier, wo das Grundwasser durch den Tagebau fehlt, heftiger sind", so Alexander Tetsch. Auch wurde die Hauptstraße immer nur geflickt - weil noch niemand weiß, ob sich der Bergbaubetreiber Proschim noch holt.

In der kommenden Woche wollen die Proschimer ihre Unterschriftenlisten zur Kreisverwaltung in Forst bringen. Aufgehoben werden soll die Sperrung der B 156 im Herbst am 11. November.