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| 02:35 Uhr

Die Heimat wirbt um Rückkehrer

Sebastian Schulz ist nach Spremberg zurückgekehrt. Im Februar will er sein Weingeschäft eröffnen.
Sebastian Schulz ist nach Spremberg zurückgekehrt. Im Februar will er sein Weingeschäft eröffnen. FOTO: René Wappler
Spremberg. Gerade erst hat die Arbeitsagentur in Cottbus bei Fachkräften für die Rückkehr in die Heimat geworben. Ein früherer Spremberger kommt nun aus eigenem Antrieb wieder nach Hause: Der 25-jährige Sebastian Schulz will im Februar sein Geschäft eröffnen. René Wappler

Links neben dem Eingang stehen Kartons, rechts von der Tür ebenfalls, und mittendrin schaut sich Sebastian Schulz um. Im Kopf trägt er bereits das Bild vom voll ausgestatteten Weingeschäft. Hinten entsteht das Büro, vorn am Fenster der Raum für die Verkostung.

Dabei sah es vor acht Jahren noch nach einem Abschied für immer aus. Damals verließ er Spremberg, um sich in Neuruppin zum Hotelfachmann ausbilden zu lassen.

"Es war nie mein Plan, zurückzukehren", sagt Sebastian Schulz. "Ich habe hier in der Heimat keine Perspektive gesehen - zu wenig Jobs, zu niedriges Gehalt."

So wie ihm ging es damals Tausenden Menschen aus der Lausitz.

Nun aber bemühen sich sowohl Politiker als auch Fachleute aus der regionalen Wirtschaft um solche Leute: Es müsste doch möglich sein, ihnen die frühere Heimat wieder schmackhaft zu machen. Erst am 28. Dezember berieten die Mitarbeiter der Arbeitsagentur in Cottbus potenzielle Rückkehrer. Geschäftsführer Heinz Wilhelm Müller erklärte dazu: "Das passende Arbeitsangebot ist der wichtigste Grundstein."

Beim Spremberger Heimatfest warb Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) im Sommer 2015 gemeinsam mit vier Firmen um Fachkräfte, die für einen Job wieder in die Heimat kommen würden. Die Unternehmen der Region melden gerade jetzt zahlreiche Stellenangebote: Das berichteten die Mitarbeiter der Arbeitsagentur am Dienstag dieser Woche. 4300 Stellen seien derzeit im Angebot. In den letzten zwölf Monaten sank die Arbeitslosenquote in Spremberg sogar stärker als in jeder anderen Stadt Südbrandenburgs. Sie liegt nun bei 9,1 Prozent. Ein starker Kontrast zum Wert von 10,6 Prozent im Dezember 2014.

Trotzdem gestaltet sich das Werben um potenzielle Rückkehrer nach wie vor mühsam. Einen möglichen Grund dafür nennt der "Verbund Rück- und Zuwanderung" in einer 120-Seiten-Analyse: Demnach wandern viele Menschen "nicht unbedingt freiwillig" ab. Oft resultiere dieser Schritt aus ökonomischen Zwängen und Bedürfnissen.

So ging es im Jahr 2007 auch Sebastian Schulz, der momentan sein Weingeschäft in der Spremberger Karl-Marx-Straße einrichtet. In Neuruppin, seinem neuen Wohnort, fühlte er sich aber nicht heimisch. "Sobald ich nur nach Spremberg reinfuhr, kam diese Ahnung vom Zuhausesein in mir hoch", erinnert er sich. "Das hat sich nie geändert."

Auch dann blieb dieses Gefühl, als er nebenbei ein eigenes Online-Unternehmen aufbaute, als er eine berufsbegleitende Ausbildung zum Sommelier absolvierte. Immer wieder kam Sebastian Schulz für ein paar Tage nach Spremberg zurück - zum Gespräch mit Gastronomen, zum Brandenburgtag und nun, um sein Geschäft zu eröffnen. Anhand seiner Verkaufsstatistik stellte er fest: Es könnte sich lohnen, Wein direkt in seiner Heimatstadt anzubieten. Der junge Unternehmer glaubt, ein ungefähres Profil der typischen Lausitzer zu kennen: "Sie mögen Wein vor allem halbtrocken bis lieblich, gern weiß, und auch Sekt wird hier oft gekauft."

Mit seinem Beschluss, nach Hause heimzukehren, bleibt er allerdings noch eine Ausnahme. Von den Menschen, die sich für einen Umzug nach Westdeutschland entschieden haben, kommen sogar nur weniger als zwei Prozent wieder in den Spree-Neiße-Kreis zurück. Nach Angaben des Leibniz-Institutes für Länderkunde bildet die Region damit das Schlusslicht in der Statistik - neben Städten wie Cottbus und dem Kreis Oberspreewald-Lausitz.