ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:33 Uhr

Bergbau hebt Eisenwasser an
Fünf verschiedene Rohwasser

Klaus-Peter Schulze, Raik Nowka und Steffen Garbsch im Maschinenraum der Grubenwasserbehandlungsanlage im Industriepark Schwarze Pumpe. Die Anlage wird gerade bei laufendem Betrieb erneuert.
Klaus-Peter Schulze, Raik Nowka und Steffen Garbsch im Maschinenraum der Grubenwasserbehandlungsanlage im Industriepark Schwarze Pumpe. Die Anlage wird gerade bei laufendem Betrieb erneuert. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Die Grubenwasserbehandlungsanlage in Schwarze Pumpe reinigt weiter, während sie erneuert wird.

Die Kiesfilter stehen wie eine himmelblaue Armee hinter dem Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze und dem Landtagsabgeordneten Raik Nowka. Es ist einer der Unternehmensbesuche, zu denen die beiden CDU-Abgeordneten regelmäßig in ihrer Heimatregion einladen. Aber vor allem geht es auch um die Spree. Die Grubenwasserbehandlungsanlage auf der sächsisch-brandenburgische Grenze des Industrieparks Schwarze Pumpe wird seit mehr als einem Jahr erneuert. Sie hilft, den Schadstoffeintrag in den Fluss zu reduzieren. Seit 1959 produziert sie Brauchwasser für den Industriepark, seit 1963 Trinkwasser für mehrere Kommunen.

Für die Fertigstellung im Sommer 2019 sieht es gut aus, sagt Steffen Garbsch, Leiter des Entwässerungsbetriebes der Leag. „Wir liegen im Zeitplan.“ Bei laufendem Betrieb zu erneuern, sei die besondere Herausforderung.

Wie sehr die Grubenwasserbehandlung gebraucht wird, zeigt Garbsch  in der Schaltzentrale. Auf alle Brunnen der  Lausitzer Tagebaue kann René Marx, Steiger in der Zentralen Betriebsüberwachung, zugreifen. Auch die Brunnen des geschlossenen Tagesbaus Cottbus-Nord sind noch in Betrieb, erklärt Marx.

Rotiert wird gegen Eisenhydroxid, Sulfate und Humine.  Rund 370 Millionen Kubikmeter Wasser, so Garbsch, hebt der Bergbaubetreiber Leag in der Lausitz. 230 Millionen Kubikmeter davon werden aufbereitet, 100 davon in der Grubenwasserbehandlungsanlage Schwarze Pumpe. Sie gehört mit die GWBA Jänschwalde und Kringelsdorf zu den großen Anlagen. Sie ist aber die einzige Anlage, die das gereinigte Wasser nicht nur in den Vorfluter abgibt, sondern im Industriepark auch Trink- und Brauchwasser produziert. Die kleineren Anlagen  „Am Weinberg“, Tzschelln, Briesnig und Trebendorf fallen mit 1,2 bis 29 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr deutlich kleiner aus.

Vier Stunden, so Steffen Garbsch, bleibt das Wasser in den Absetzbecken. Kalkmilch und Flockungsmittel werden auch nach Abschluss der Erneuerung weiter zum Einsatz kommen. Aber da Kohlendioxid in der neuen zweistufigen Entgasung noch effizienter ausgetragen werden kann, muss künftig weniger Kalkhydrat eingesetzt werden, um das Absetzen des Eisenhydroxids zu befördern. Und wenn weniger Kalkhydrat drin ist, ist das Wasser auch nicht so hart.  Die Produktions- und Umweltservice GmbH Lauta nutzt den  Eisenhydroxidschlamm, der als Rest in der Grubenwasserbehandlungsanlage anfällt, und verarbeitet ihn zu Filterkuchen.

Die Humine wiederum, so erklärt Garbsch, kommen verstärkt aus dem Tagebau Nochten. Seit einigen Jahren wird zu ihnen intensiv geforscht. Sie sind natürliche Abbauprodukte bei der Humusbildung und für den Menschen unbedenklich. Aber sie beeinflussen viele Prozesse im Wasser, können für eine Braunfärbung sorgen, weshalb auch in Schwarze Pumpe versucht wird, sie aus dem Wasser herauszulösen.

 Während der Kran über der Großbaustelle der Grubenwasserbehandlungsanlage still steht, zeigt Steffen Garbsch abwechselnd nach Ost und West. Der neue Sammelzubringer Ost, der das Grubenwasser aus dem Tagebau Nochten und den Zulauf aus Groß Luja bringt, ist vor zehn Monaten in Angriff genommen worden, die Arbeiten am  Sammelzubringer West für das Grubenwasser aus dem Tagebau Welzow-Süd und dem Bergbausanierer LMBV im Juni. Eine weiße Plane deckt den Neubau fürs Welzower Wasser ab.  Noch in diesem Jahr im Herbst sollen die ersten Umbindungen erfolgen. Faszinierend bleibt, wie viel unterschiedliche Sorten Wasser in der GWBA ankommen und wie viel unterschiedliche Wasser wiederum produziert wird. Und mit dem neuen Bauwerk fünf Rohwasserteilströme, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen, deutlich besser getrennt werden.

  Nur um  die Kochsa, dem kleinen Bach im Spremberger Ortsteil Cantdorf, muss sich der Landtagsabgeordnete Nowka weiter Sorgen machen. Während für andere solche Fließe und Bäche – wie das Petershainer Fließ, das Hühnerwasser und das Steinitzer Wasser – die Quellgebiete erhalten beziehungsweise in die Kippenflächen eingebaut werden konnten, ist das Quellgebiet der Kochsa defintiv weg – verschwunden mit dem Dorf Roitz. Der Tagebaubetreiber füllt das Kochsabett mit ziemlich klarem Wasser, Tiere und Pflanzen fühlen sich wohl. Aber wie lange fließt die Kochsa noch?