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Tradition
Die Gosdschen sagen, der Winter wird mild

Zur Gosdschen Kirmes gab es natürlich Gänsebraten. Traditionell werden die Tiere mit Äpfel ausgestattet, die dem Fleisch einen besonderen Geschmack verleihen.
Zur Gosdschen Kirmes gab es natürlich Gänsebraten. Traditionell werden die Tiere mit Äpfel ausgestattet, die dem Fleisch einen besonderen Geschmack verleihen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Spremberg. Ehemalige Einwohner treffen sich in Spremberg zu ihrer Kirmes. Auf den Tisch kommen Gans und Kuchen.

Rund 30 ehemalige Einwohner von Gosda haben sich in Spremberg zu ihrer traditionellen Kirmes getroffen. Dabei ging es auch um eine Prognose für den kommenden Winter. Der Grundtenor: Die nächsten Monate werden wahrscheinlich zu mild. Wie die Gosdschen darauf kommen? Sie haben die Knochen der verspeisten Kirmesgänse unter die Lupe genommen. Die präsentieren sich in Weiß. „Das bedeutet, wir bekommen keinen richtigen Winter“, erklärt Elsbeth Schreier, mit fast 90 Jahren eine der ältesten Gosdschen. Wären die Knochen dagegen dunkelblau, müssten sich die Lausitzer auf Kälte und Schnee einrichten. „Das hat jedes Jahr gestimmt“, so Schreier.

Natürlich werden in der Gaststätte „Georgenberg“ auch viele Erinnerungen an die Kirmesfeiern im eigenen Dorf lebendig. Beispielsweise bei Horst Mitrach. Der mittlerweile 82-jährige gebürtige Gosdaer berichtet von den Tanzabenden in der Gaststätte Kossack. Zudem hätten sich die meisten Familien Gänse gehalten, von denen zur Kirmes, traditionell zwei Wochen vor dem Totensonntag, ein bis zwei Tiere auf den Tisch kamen. „Einmal sollte bei uns ein alter Gänserich geschlachtet werden“, erinnert sich Mitrach. „Doch meine Großmutter wollte das nicht. So hat Mutter das Tier zum Futtermittelhandel in die Berliner Straße nach Spremberg gebracht und dort gegen Tierfutter eingetauscht. Derjenige, der den Gänserich dann tatsächlich geschlachtet hat, dürfte das Fleisch wohl nicht weich bekommen haben“, mutmaßt der heute in Welzow lebende ehemalige Polizist. Viele ehemalige Gosdsche schwärmen bis heute vom Kirmeskuchen. Der Blechkuchen wurde extra zum Fest gebacken.

In diesem Jahr hat sich die Umsiedlung der letzten Einwohner von Gosda zum 50. Mal gejährt. Diese mussten den Ort zu Pfingsten 1967 verlassen. Insgesamt verloren über 300 Einwohner ihre Heimat für immer. Gosda war der erste Ort, der dem Tagebau Welzow-Süd weichen musste. Weitere zehn Dörfer folgten bis zur Jahrtausendwende. Im Jahr 2005 hob Brigitte Kröger, die in Gosda geboren wurde, den Heimatverein aus der Taufe, der aktuell rund 40 Mitglieder zählt.

(amz)