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Die Glasmanufaktur in Tschernitz schaut gespannt nach Belgien

Bei der Glasmanufaktur in Tschernitz (GMB) hofft man nun auf fairere Marktbedingungen.
Bei der Glasmanufaktur in Tschernitz (GMB) hofft man nun auf fairere Marktbedingungen. FOTO: Catrin Würz
Tschernitz. Die Mitarbeiter der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz schauen wieder gespannt nach Liechtenstein und Belgien. Drei Jahre ist es jetzt her, dass die Liechtensteiner Interfloat, deren Tochterfirma die GMB in Tschernitz ist, den belgischen Staat wegen Wettbewerbsverzerrung verklagte. Annett Igel-Allzeit

Belgien soll den Solarglashersteller Ducatt über Jahre stark subventioniert haben. Ducatt habe durch diese Unterstützung seine Produkte um bis 35 Prozent günstiger anbieten können, als Konkurrenten wie die Interfloat. Nun ist Ducatt, das zu 90 Prozent dem belgischen Staat gehört, pleite. Wie die Tageszeitung "Liechtensteiner Vaterland" am Wochenende berichtete, fordern im flämischen wie im belgischen Parlament Abgeordnete quer durch die Fraktionen Erklärungen dazu. Der Stuhl des flämischen Ministers für Arbeit, Wirtschaft, Innovation und Sport, Philippe Muyters, soll demnach wackeln. Die Abgeordneten fragen, wie man zusehen konnte, dass das flämische Unternehmen Ducatt in den sechs Jahren seines Betstehens rund 110 Millionen Euro Verlust anhäufen konnte. Vermutlich seien auch rund 40 Millionen Euro öffentliche Förderungen zurückzugeben. Und der Schadensersatz der Interfloat belaufe sich auf 70 Millionen Euro.

Wie Josef Weikinger, der Interfloat-Inhaber, nun der RUNDSCHAU erklärte, hofft er sehr, dass mit dem Ausscheiden des Konkurrenten der erhebliche Druck auf seine Unternehmensgruppe nachlässt. "Ducatt hat seit seiner Gründung im November 2010 bis zur Pleite in der vergangenen Woche in jedem einzelnen Monat mindestens eine Million Euro Verlust gemacht. Wir als GMB/Interfloat konnten im Gegensatz zu Ducatt nicht mit der Hilfe der öffentlichen Hand rechnen. Um den Betrieb überhaupt finanziell am Leben zu halten, musste ich den Banken alles, was ich habe, verpfänden - bis aufs letzte Hemd - und beinharte Auflagen akzeptieren."

Am Schwarzen Brett in Tschernitz konnten die Mitarbeiter die Informationen der Geschäftsleitung und der Presseberichte verfolgen. "Und ich habe spüren dürfen, dass es die Belegschaft wohl zu schätzen weiß, wie sehr Eigentümer und Geschäftsleitung für den Fortbestand des Unternehmens kämpfen."

Am 23. Mai sollte um 9 Uhr vorm Handelsgericht Hasselt in Belgien die erste mündliche Verhandlung im Verfahren Interfloat/GMB gegen Ducatt/Staat Belgien wegen unlauterem Wettbewerb stattfinden. "Am 22. Mai gegen 17 Uhr rief der Präsident des Handelsgerichtes unseren Anwalt an: Der Termin entfalle, weil die Herren von Ducatt im Gericht gerade Konkurs anmelden würden", so Weikinger. Er wolle nun abwarten, wer alles seinen Hut nehmen muss. "Die Chance auf Schadensersatz besteht von dem Moment an, wenn die EU-Kommission die Ducatt gewährten Beihilfen als unvereinbar mit den Europäischen Verträgen wertet - und davon dürfen wir ausgehen", sagt Weikinger.

Von der Pleite bei Ducatt sollen 144 Mitarbeiter betroffen sein. 300 Mitarbeiter - einschließlich der Leiharbeiter - sind derzeit in Tschernitz mit der Glasproduktion für Solarmodule beschäftigt. Auch als Ausbilder wird die GMB zunehmend entdeckt. "Wir sind inzwischen auf mehreren Ausbildungsmessen vertreten, um künftige Elektriker und Mechaniker zu finden. Schließlich brauchen wir junge Fachkräfte. Wir haben damals einen großen Teil unserer Mitarbeiter von Samsung Corning übernommen. Aber von ihnen gehen nun viel auf die Rente zu", sagt Weikinger. Vier junge Leute absolvieren gerade ihre Lehre in der GMB in Tschernitz. "So diese wollen", sagt Weikinger, "werden alle nach dem Ende ihrer Ausbildung auch übernommen. Im neuen Ausbildungsjahr sollen nach Möglichkeit fünf weitere junge Leute bei uns in Tschernitz ihre Ausbildung beginnen." Die GMB will am 19. und 20. August auch noch feiern. "Wir sind jetzt zehn Jahre an diesem Standort", so Josef Weikinger.