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| 20:34 Uhr

Friedrichshain
Kondition für 120 Kugeln

Stefan Mitrenga (l.) und Lukas Rosenberg kegeln seit ihrer Kindheit. Vor großen Spielen wie gegen die Amberger aus der 1. Bundesliga wird nicht nur fleißig trainiert, sondern auch mal geputzt.
Stefan Mitrenga (l.) und Lukas Rosenberg kegeln seit ihrer Kindheit. Vor großen Spielen wie gegen die Amberger aus der 1. Bundesliga wird nicht nur fleißig trainiert, sondern auch mal geputzt. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Friedrichshain. Die Friedrichshainer trainieren, damit es gegen Amberg lange spannend bleibt.

Mit 2134 Holz haben die Friedrichshainer Kegler des BSV Grün-Weiß sich im April den Kreis-Pokal gesichert, mit 2148 Holz den Landes-Pokal im Mai. Stefan Mitrenger, der Kapitän der 1. Männermannschaft, kegelt seit seinem siebten Lebensjahr und weiß, wie wichtig Erfolge in diesem Sport sind. „Sie sorgen dafür, dass es uns immer wieder auf die Bahn zieht, auch wenn wir die ganze Woche auf Montage sind“, sagt er.

Als Zerspannungsmechaniker und Dreher hat der 27-Jährige Arbeit in Döbern. Lassen die Schichten es zu, ist er zu den Trainingszeiten am Montag und Donnerstag in der Friedrichshainer Kegelhalle. Auch Lukas Rosenberg (19) hat eine Ausbildung als Industriemechaniker in der Region. „Das Glück haben nicht alle. Aber notfalls können wir zu anderen Zeiten trainieren, treffen uns am Sonntagvormittag“, so Lukas Rosenberg. Einige Spieler haben sich zudem Kegelbahnen an ihren Montage-Orten gesucht.

In den nächsten Wochen ist Trainieren  besonders wichtig. Stefan Mitrenga hat mit Christoph Scholta, Dennis Schulz, Marcel Schminke, Silvio Kurtz und Sven Blechstein am 6. Oktober das wichtigste Heimspiel des Jahres: Der Sportkegelklub FEB Amberg, der in der 1. Bundesliga zu Hause ist, kommt. Im K.O.-System geht es um den Pokal des Deutschen Keglerbundes Classic. „Dass die großen Klubs zu den niedrigklassigen Vereinen fahren und wir damit wenigstens Heimvorteil haben, ist in diesem bundesweiten Pokal die Regel“, sagt Bruno Roggenkamp, der die Kegler technisch betreut. Bernd Marko, Lukas Rosenberg, Marco Maruschke und Thomas Cwiertnia will Kapitän Mitrenga als Ersatzspieler einsetzen: „Mal sehen, wer alles kann.“

Dass er zum Kegelsport fand, verdankt Stefan Mitrenga den Frauen seiner Familie: „Meine Mutter und meine Schwester kegeln.“ Wie Lukas Rosenberg spielt er auch Fußball in Tschernitz. Eine Rundum-Fitness sei wichtig. „Da ich in einem Spiel 120 Kugeln über die Bahn bringen muss, brauche ich Kondition.“ 2,85 Kilogramm wiegt die Kugel. Da helfen auch Kraft und eine hohe Konzentrationsfähigkeit. „Und Nervenstärke“, sagt Stefan Mitrenga. Es gibt Spieler, die Ruhe brauchen, und Spieler, die aufs Anfeuern setzen.  Und es gibt Kegelhallen, wo hinter den Wettkampfbahnen die Tür zum Zuschauerraum geschlossen werden kann, und Hallen, wo alles offen ist. Dass eine Halle beben kann, Zuschauer sehr laut werden, wissen die Friedrichshainer.

Sie kennen sich gut. Die Mehrzahl kommt aus Friedrichshain, zwei sind aus Groß Kölzig. Hat ein Kegler einen schlechten Tag und wird mit jeder Kugel nervöser, setzt sich ein Teamkollege hinter ihn und versucht zu beruhigen. Bruno Roggenkamp zeigt mit den Holzzahlen in den Spiellisten, wo ein schlechter Start alle anderen Spieler über sich hinaus wachsen ließ – Teamgeist.

Stefan Mitrenga war mehrfach Landesmeister. Sein bisheriger größter Erfolg war 2013 der 7. Platz bei den Deutschen Einzelmeisterschaften. Und er hält mit 603 Holz den Bahnrekord in Friedrichshain. Eine Dreiviertelstunde vorm Spielbeginn am 6. Oktober wird er die Aufstellung präsentieren müssen. Danach haben die Gäste Zeit, ihre Spieler  dagegen zu setzen. Zudem wird nicht nach der einfachen Holzzahl gewertet, sondern in einem ausgeklügelten Punktsystem. Das gibt es seit zwei Jahren, erklärt Bruno Roggenkamp, und anfangs war der Aufschrei groß. „Inzwischen finde ich, dass das Punktsystem das Spiel viel spannender macht“, sagt Stefan Mitrenga. Auch für die Zuschauer – und die sind am 6. Oktober zahlreich willkommen.