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Die Förderrichtlinie schrumpft

Spremberg. Weltweit sind Spremberger Sportler erfolgreich: Nach seinem WM-Gold im Canadier-Vierer hat sich der Spremberger Stefan Kiraj am vergangenen Wochenende drei Titel bei den deutschen Meisterschaften der Rennkanuten gesichert. Carolin Haase kehrte mit Silber von den Europameisterschaften im Apnoe-Tauchen zurück. Annett Igel-Allzeit

Und die Judoka Stefan Niesecke und Sebastian Bähr holten Gold und Silber bei den 17. World Police and Fire Games in Los Angeles. Die Liste der tollen Spremberger Sportler, die der stellvertretende Bürgermeister Frank Kulik am Mittwoch im Bildungsausschuss verlas, war noch länger und wurde von Ausschussmitgliedern ergänzt. Sprembergs Vereine - und zwar quer durch alle Sportarten - machen also eine ganze Menge richtig. Doch ob auch die "Neiddebatte" unter den Spremberger Sportvereinen im Jahr 2016 in die Spremberger Sportgeschichte eingeht, bleibt abzuwarten. Bislang ist unklar, ob die durch die Debatte ausgelöste Überarbeitung der Sportförderrichtlinie der Stadt den Vereinen das Beantragen von Fördermitteln tatsächlich erleichtert.

2016 hatten die Sportvereine insgesamt eine Unterstützung über 178 500 Euro beantragt, 88 000 Euro, etwa die Hälfte, waren ihnen bewilligt worden. Für das Haushaltsjahr 2018 rechnet die Verwaltung mit einer Fördermittelausschüttung von 86 000 Euro. Auch wenn die Stadt stolz ist auf ihre Sportler, die Erfolgreichsten mit Anerkennungen auszeichnet, ziehen am Spremberger Haushalt bekanntlich alle, wie an einem eingelaufenen Tischtuch - immer fühlt sich mindestens eine Ecke nackt.

Die Sportförderrichtlinie der Stadt wird ganz sicher kürzer. Zuschüsse für Betriebskosten sollen nicht mehr gewährt werden. Sämtlicher Fördermöglichkeiten zur Nutzung kommunaler Sportobjekte könnten durch separate Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung geregelt werden. Und bei Sportveranstaltungen mit überregionalem Charakter kann die Stadt höchstens 150 Euro beisteuern - für Pokale, Urkunden, Kampfrichter und eine medizinische Betreuung. Schließlich bieten auch der Landkreis Spree-Neiße und der Landessportbund Fördermittel an.

Es wird für den Nachwuchs weiterhin eine jährliche Pauschale im Trainings- und Wettkampfbetrieb geben. Aber der Bildungsausschuss lehnte einstimmig ab, dass sie in der Richtlinie auf 15 oder maximal 15 Euro pro Kind und Jugendlicher festgesetzt wird. Die Stadt soll Spielraum nach unten wie oben haben - je nach Haushaltslage.

Umstritten war am Mittwoch der Passus, dass die anerkannten Landesleistungsstützpunkte durch anteilsmäßige Personalkostenzuschüsse für eine Trainerstelle mit maximal 20 000 Euro pro gefördert werden. Zwar kritisierte das niemand im Grundsatz, die Stützpunkte werden auf vier Jahre festgelegt. Aber gehört der Passus in diese Richtlinie, fragte Göran Richter (SPD)? Frank Kulik hob die Schultern: "Es ist der selbe Fördertopf!?" Tatsächlich ist die besondere Förderung der Leistungsstützpunkte auch nicht der Stachel in der Neiddebatte gewesen.

Für viel mehr Ärger sorgte vor einem Jahr der CDU-Vorschlag, in der Förderrichtlinie den Vereinen einen Mindestbeitrag von zehn Euro pro Mitglied und Monat aufzuerlegen. Eine Beitragshöhe steht im aktuellen Entwurf nicht drin, sondern lediglich, dass vom Verein ein Mitgliedsbeitrag zu erheben ist.

Ob nicht nur die Richtlinie kürzer wird, sondern sich im Gegenzug die Verwendungsnachweise der Vereine für die Fördermittel auch einfacher gestalten lassen, das soll die Verwaltung noch einmal prüfen. Peter Reininger (CDU) würde den Vereinen gerne vermitteln, dass Abgeordnete und Verwaltung ihnen vertrauen. "Die Vereine dürfen nicht mit Bürokratie kaputtgemacht werden", sagt er. Schließlich seien es für kleine Vereine oft nur zweistellige Fördersummen. Spätestens im Dezember muss die neue Richtlinie von den Stadtverordneten beschlossen werden. Ab 1. Januar 2018 soll sie gelten und die Vereine bis 28. Februar Förderanträge stellen. Der Landkreis lässt ihnen dafür bis zum 31. März Zeit.