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| 13:17 Uhr

Kino in Spremberg
Die deutschen Filme überraschen

 „Drachenzähmen leicht gemacht“ gehört zum beliebten Ferienprogramm des Spremberger Spreekinos. In Szene setzen den Film die Techniker Nico Hartenstein, Markus Deeng und Christian Wolff.
„Drachenzähmen leicht gemacht“ gehört zum beliebten Ferienprogramm des Spremberger Spreekinos. In Szene setzen den Film die Techniker Nico Hartenstein, Markus Deeng und Christian Wolff. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Das Spreekino in Spremberg zieht viele Sachsen an. Montagearbeiter sind Stammkunden. Von Annett Igel-Allzeit

Im Spreekino riecht es nach Popcorn. Ein kleiner Lockenkopf atmet ganz tief Kinoluft ein. Er trägt den bis über den Rand gefüllten Pappeimer wie eine Trophäe vor sich her. Oma wartet vorm Kinosaal. In den brandenburgischen und sächsischen Winterferien laufen viele Filme für Kinder in Spremberg: 15 sind im Spreekino im Angebot, darunter  „Immenhof“, der dritte Teil „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Mia und der weiße Löwe“.

„Am Morgen hatten wir 300 Kinder hier. Sie durften sich vorab entscheiden, welche Filme sie sehen wollen. Die Horte nutzen uns in den Ferienspielen“, sagt Katja Frank, die Theaterleiterin. Wenn dann noch die Spremberger Feuerwehr auf „Feuerwehrmann Sam“ ganz groß reagiert, ist die Welt in Ordnung. Stadtwehrführer Frank Balkow lobte das Zusammenspiel mit dem Spreekino jüngst in seiner Jahreshauptversammlung.

Knapp 50 000 Besucher hatte das Spreekino 2018. „Es hätten mehr sein können, aber wir hatten die Fußball-Weltmeisterschaft, einen heißen Sommer, und  es liefen gar nicht so viele gute Filme an“, sagt Markus Deeng. Er ist einer drei Techniker, die Katja Frank „meine Jungs“ nennt. Alle drei hatten ganz persönliche Lieblingsfilme. Peter Hase sei toll gewesen, sagt Christian Wolff, „und zwar für alle Generationen“. Michael Herbigs deutscher Thriller „Ballon“ überzeugte Nico Hartenstein. Der Film erzählt die Flucht der DDR-Familien Strelzyk und Wetzel nach Westdeutschland im selbstgebauten Heißluftballon. Überhaupt seien die deutschen Filme im Vorjahr besonders beliebt gewesen. „Til Schweiger zieht, und Matthias Schweighöfer zieht noch viel mehr“, sagt Christian Wolff. „Der Gundermann-Film hat uns alle überrascht“, sagt Katja Frank. Für Markus Deeng war „Bohemian Rhapsody“ der absolute Höhepunkt – die Biografie des Musikers Freddie Mercury. Deeng will das gar nicht breit reden, sondern nickt einfach bedächtig im Takt von „Love of My Life“.

Das Spreekino hat vier moderne Kinosäle. Betreiber ist die Projektgesellschaft Am Markt mbH, eine Tochter der Gesellschaft für Wohnungsbau mbH Spremberg (Gewoba). Zwei der Säle sind behindertengerecht. Alle vier Säle werden in Dolby Digital beschallt und haben einen 3D-Projektor. Nicht nur Spremberger wissen das zu schätzen. Aus Weißwasser, Bad Muskau und Hoyerswerda kommen die Gäste. „Auch Cottbuser sind dabei, weil sie es bei uns familiärer finden“, sagt die Katja Frank. Mit den Preisen versuchen sie unter denen der großen Kino-Ketten zu bleiben. Projekte wie das „Spatzenkino“ für die Jünsten ab vier Jahre und „Filmernst“ für die Schulen haben Tradition.

„Während die Kindergärten das intensiv nutzen, ist es mit den Schulen nicht so einfach“, so die Theaterleiterin. Um so mehr hat sie die Besucherzahl der Vorstellung „Schindlers Liste“ am Holocaust-Gedenktag überrascht. „Die Anfragen von Universal Pictures zur Ausstrahlung der Sonderveranstaltung ging an fast alle Kinos in Deutschland. Jedes Kino konnte individuell entscheiden. Am Ende saßen in 444 Kinos 19 748 Zuschauer“, sagt Katja Frank. Auch die Vorstellung im Spreekino sei mit 90 Zuschauern richtig gut besucht gewesen. „Zwei Schulklassen aus Weißwasser und Umgebung haben einen Schultag auf den Sonntag in unserem Spreekino verlegt“.

Und es ist nicht das letzte Mal, dass „Schindlers Liste“ im Spreekino läuft. Dass einzelne Gruppen einen Film sehen wollen, der längst nicht mehr im aktuellen Programm steht, kommt öfter vor. Katja Frank und die Techniker bemühen sich, ihn schnell heran zu bekommen. Das Kino lebt davon, dass Menschen einen Film gemeinsam und auf einer großen Wand sehen wollen. 3D scheint dabei längst nicht mehr für alle so wichtig wie am Anfang, sagt Markus Deeng. „Manche wollen es unbedingt, andere gar nicht. Für Familien ist das auch eine Preisfrage“, sagt Katja Frank.

Das Spreekino wird immer mal wieder Fotostudio. „Manchmal ist es der Regen, der den Fotografen mit einem frisch getrauten Paar zu uns treibt, manchmal ist da auch eine Liebesgeschichte, die in unserem Kino begann.“ Ganz besonders stolz ist Katja Frank auf die Montagearbeiter, die echte Stammgäste im Spreekino sind. „Zwischen ihrer Arbeit und der Nacht im Hotel kommen sie zu uns, um sich einen Film anzuschauen. Wir wissen schon, was sie am liebsten trinken oder essen“, sagt die Theaterleiterin.

Snacks und Getränke sind eine wichtige Einnahmequelle. „Wir ersetzen hier ein Süßwarengeschäft. Wenn die Kindergärtnerinnen die Kleinen lieber schnell weiter zu den Sälen schieben, ist ihr Argument oft, dass die Kinder so viel kleckern“, erzählt Katja Frank schmunzelnd. „Aber auch das Saubermachen gehört zu unserem Job.“ Inzwischen gebe es für Kinosessel Schlimmeres als breit gedrückte Schokolade. Nacho-Käse-Dips zum Beispiel oder das Slushy-Trinkeis, das wirklich alles verfärbe.

Kleckern darf passieren, wenn plötzlich der König der Löwen dreidimensional in den Kinosaal springt. Die Realverfilmung „Der König der Löwen“ im Sommer gehört neben einem neuen „Star Wars“­Film, Teil 2 der „Eiskönigin“, dem nächsten Abenteuer von „Hobbs & Shaw“ und einer Fortsetzung von „Jumanji“ zu den vielversprechende Ankündigungen im Kino-Jahr 2019.

Und noch etwas bleibt für Katja Frank und ihr Team spannend: „Wir hoffen, dass wir es in diesem Jahr schaffen, Kinosaal 2 und 3 zu renovieren.“ Die Aufsichtsgremien der Gesellschaft haben dazu in der vergangenen Woche beraten und die Weichen gestellt. Roger Preußmann, Geschäftsführer der Gewoba und der Projektgesellschaft Am Markt, weiß die Spremberger Stadtverordneten und die Stadtverwaltung hinter sich. „Gemeinsam“, so Preußmann,  „werden zur Zeit alle Bemühungen gebündelt, um den Kinostandort Spremberg auch in Zukunft erhalten zu können.“