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LR vor Ort
Die Camper fürchten um ihr Idyll

Zu den Gästen des RUNDSCHAU-Abends zählten Ortsvorsteher Ronny Schiele, Bürgermeister Dieter Perko und Tourismus-Fachmann Marco Wentworth (von links). Redakteurin Annett Igel-Allzeit (rechts) moderierte das Gespräch im Dorfkrug.
Zu den Gästen des RUNDSCHAU-Abends zählten Ortsvorsteher Ronny Schiele, Bürgermeister Dieter Perko und Tourismus-Fachmann Marco Wentworth (von links). Redakteurin Annett Igel-Allzeit (rechts) moderierte das Gespräch im Dorfkrug. FOTO: René Wappler
Bagenz. Irgendwann reicht es Karin Näcke. "Wie geht es nun mit unserem Campingplatz weiter?", ruft sie in die Runde. Von RENÈ Wappler

"Wir Dauercamper haben die Kündigung bekommen."

Wie die meisten der knapp 60 Besucher im Bagenzer Dorfkrug fürchtet Karin Näcke, dass sie zum Jahresende ihr kleines Urlaubsparadies aufgeben muss. Denn der Vertrag der Spreecamp GmbH mit dem Eigentümer mehrerer Grundstücke, Günther Michael von Rhein, läuft nach aktuellem Stand zum 31. Dezember 2017 aus. Bürgermeister Dieter Perko sagt: "Wir wollten einen Folgevertrag schließen, aber das ist uns bis heute nicht gelungen."

Für den Tourismus am Spremberger Stausee käme ein Ende von Teilen des Bagenzer Campingplatzes einem Fiasko gleich. Dabei berappelt sich die Branche gerade erst wieder, nachdem sie aufgrund der Sanierung des Staudamms einen herben Rückschlag erlitten hatte. Auf der Bagenzer Seite fanden sich seit Beginn des Jahres 2017 insgesamt 3800 Urlaubsgäste ein. Zum Vergleich: In den "komplizierten Jahren", wie der Bürgermeister sagt, waren es nur um die 2700 Urlauber.

Inzwischen liegt der Gemeinde zwar der Entwurf für einen neuen Pachtvertrag vor. Doch nach den Worten von Dieter Perko wäre die Pachtsumme um ein Vielfaches höher als bisher. Diese Gebühr betrug im Jahr 2017 für einen Wohnwagen auf dem Zeltplatz samt Auto-Jahreskarte noch 835 Euro, wie aus der Rechnung einer Familie hervorgeht.

Heike Henschel aus Bagenz beteuert, selbst Gespräche mit dem Eigentümer geführt zu haben, die jedoch zu einem anderen Ergebnis führten: Ein neuer Vertrag sei "auf gutem Weg", er solle noch vor dem 19. Oktober unterschriftsreif werden. Allerdings zweifelt der Bürgermeister nach wie vor daran. Er wiederholt seine Aussage: "Was da aufgerufen wird, ist ein Vielfaches des aktuellen Preises."

Dabei wird die Gemeinde Neuhausen/Spree künftig im Herzen des Lausitzer Seenlands liegen: Darauf weist Marco Wentworth von der Spremberger Touristinformation hin. "Somit erfüllt auch die Talsperre eine wichtige Funktion", sagt er. "Bei uns gehen regelmäßig Anfragen von Touristen ein, die sich für einen Ausflug zum Stausee interessieren."

Zwar kann sich Ortsvorsteher Ronny Schiele nicht die Namen aller Dauercamper in Bagenz merken. Doch stolz zeigt er sich schon darauf, wie der kleine Ort seinen guten Ruf behauptet - vor allem bei den Wochenend-Ausflüglern. Zu ihnen zählt ein älterer Herr, der regelmäßig aus dem Süden des Bundeslandes Sachsen an den Stausee reist. Rainer Gieseke verbringt gemeinsam mit seiner Frau viele Wochenenden auf einem gepachteten Grundstück in Bagenz. Obwohl ihn der Streit um die Dauercamper nicht direkt betrifft, sorgt er sich: "Wenn der Vertrag nicht verlängert wird, verwahrlost doch das Gelände - und am Ende müssen wir Nachbarn fürchten, dass der Vandalismus um sich greift."