Es hat Zeiten gegeben, so Harald Peschel, Sprecher des Nabu-Regionalverbandes Spremberg, da wuchsen in den Slamener Kuthen, auf dem Georgenberg, im Kochsagrund und in den Cantdorfer Wiesen Lungen enzian und Türkenbund, Teufelsabbiss und Sumpf-Herzblatt. "Heute dürfte es vielen Sprembergern schwerfallen, diese Pflanzenarten noch zu erkennen - einfach weil sie aus der Übung sind und diese blühenden Pflanzen gar nicht mehr finden." Waldböden voller Frühlingsboten, blühende Heide sind selten geworden. Harald Peschel hat eine lange Liste vor sich liegen. "Das sind Wiesenblumen, die noch bei uns vorkommen - 29 sind mir spontan eingefallen." Die Liste reicht von der Akelei, Bärenklau und Blutweiderich über Gänseblümchen, Klatschmohn - Wildblume des Jahres 2017, verschiedenen Nelken und Kleearten bis zur Wiesenglockenblume. Der Hang am Schwanenteich könnte eine wunderschöne Wiese werden, die Grünstreifen zwischen Fuß- oder Radwegen und den Fahrbahnen, der Stadtpark. Das Ehepaar Lehmann aus Schwarze Pumpe erinnern sich noch an eine Wiese voller Blüten neben dem Spielplatz in der Clara-Zetkin-Straße in ihrem Ortsteil. "Das war richtig schön - bis alles abgemäht wurde und die Fläche nur noch grau wirkte."

Bei Doritha Drews im Rathaus rennt der Nabu mit seiner Idee offen Türen ein. Wildblumen auf den Wiesen, das mag sie auch. Doch bei ihr rufen nicht nur Naturfreunde an, sondern auch Bürger, für die eine Wiese, die mehr als zehn Zentimeter hoch ist, ein Ärgernis ist. "Deshalb ist es nicht so einfach, Orte für das Vorhaben zu finden. Am Schwanenteich ist es schwierig, weil dort regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Aber im Stadtpark ist es denkbar - man könnte ja Flächen dafür auswählen, sie eingrenzen. Und auch der Schomberg, wo durch den Abriss der Wohnblöcke große freie Flächen entstanden sind, könnte ich mir das gut vorstellen", zählt Doritha Drews auf. Einmal im Jahr mähen müsste man auch diese Flächen - "aber dann wirklich erst im Herbst, wenn alles abgeblüht ist", erklärt Doritha. Aber um das zu schaffen, müssen die Bürger und die Ortsbeiräte und die Stadtverordneten sensibilisiert werden - das wissen Doritha Drews, Sprembergrs Nabu-Chef Wieland Böttger und auch Imker wie Uwe Tzscheppan. "Zukunft ist, was blüht", erklärt der Gubener, der sich nicht nur um die Bienen, sondern um alle Insekten sorgt. "Sobald die Obstbaumblüte vorbei ist, beginnen unsere Insekten schon zu hungern", weiß er. Solche Wiesen am Feldrand, an Wegen und auch mitten in der Stadt würden da sehr helfen.

In Guben versucht Uwe Tzscheppan die Stadtverwaltung seit Jahren davon zu überzeugen. Vergeblich. Die Stadt sei sich ihrer Verantwortung für die Förderung der Biodiversität bewusst, sagt Uwe Schulz, Leiter des Fachbereichs Ordnung bei der Stadtverwaltung Guben. "Aber aus Gründen der Verkehrssicherheit und der allgemeinen öffentliche Erwartungshaltung ist es nicht möglich, an Hauptverkehrsstraßen die Vegetation ihrem Zyklus uneingeschränkt zu überlassen." Aber an "weniger öffentlichkeitswirksamen Standorten" habe es auch Guben schon mit der "naturgerechten Bewirtschaftung" versucht und etwas seltener gemäht.

Einen Vorteil hätten diese Wiesen für die Kommunen durchaus, findet Harald Peschel: "Sie benötigen keinen großen Aufwand bei der Erhaltungspflege. Ein- bis zweimal mähen im Jahr reicht vollkommen, um einen langfristigen Bestand der Flächen sicherzustellen. Und um eine solche blühende Wiese zu schaffen, muss nur die Mahd einer Blumenwiese auf einer Fläche verteilt werden. Das samt von allein aus." Ein Konzept dazu, so Peschel, liege der Stadt Spremberg längst vor. "Und auch wenn die Landesgartenschau 2019 nicht nach Spremberg kommt, sollte ein solches Konzept weiter beachtet werden."

Zum Thema:
Gut Beispiele gibt es nicht nur in Österreich, in der Schweiz oder in Polen, sondern auch die Deutschen besinnen sich. Auf der Schwäbischen Alb sind Wiesenbauern verpflichtet, einen etwa ein Meter breiten Wiesenstreifen zu lassen, um Insekten und Vögeln eine Chance zu geben. Erst bei der nächsten Mahd wird er mit gemäht und ein neuer Streifen stehen gelassen.Der Elsterwerdaer Imkerverein hat 2015 in Richtung Saathain gemeinsam mit der Landwirtschaft und einem Sponsor einen bunten Blühstreifen aus 18 Pflanzensorten geschaffen.Im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft haben neun Landwirte auf rund 80 Hektar Nutzfläche Blühmischungen ausgesät. 56 Bienen- und zwölf Hummelarten konnten in den Blühstreifen 2013 festgestellt werden. Die Südzucker AG, die inzwischen neun Zuckerfabriken in Deutschland betreibt, hat den Anteil der Blühstreifen im Zuckerrübenanbau von 150 auf 200 Streifen erhöht.