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Die Bekalkung der Spree ist ein Anfang

Auf der Wilhelmsthaler Brücke haben sich viele Kommunalpolitiker mit Staatssekretär Jens Spahn (3. v. l.) und Vertretern der LMBV getroffen.
Auf der Wilhelmsthaler Brücke haben sich viele Kommunalpolitiker mit Staatssekretär Jens Spahn (3. v. l.) und Vertretern der LMBV getroffen. FOTO: ani
Spremberg. Seit März 2016 ist die Wilhelmsthaler Brücke für sämtliche Autos gesperrt. Am Dienstag aber musste sie viele Menschen tragen. Annett Igel-Allzeit

Jens Spahn, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, und Vertreter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hatten zur Besichtigung der Bekalkungsanlage in Wilhelmsthal, zu der der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU) eingeladen hatte, viele Kommunalpolitiker um sich. Kerstin Schenker, Justiziarin in der Spremberger Stadtverwaltung,, übergab Spahn ein Schreiben der Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos), in der sie sämtliche Folgen der "braunen Brühe" in der Spree aufzählt. Neben den Schäden fürs Image, für die Natur, für die touristische Entwicklung und die kommunale In frastruktur habe sogar die Feuerwehr Ärger mit dem Eisenhydroxidschlamm. Die Spree ist eine natürliche Löschwasserentnahmestelle. "Werden Löschfahrzeuge befüllt, kommt es zu Eisenschlammablagerungen in den Tanks der Fahrzeuge, die Schäden an den Armaturen der Pumptechnik verursachen", schreibt Christine Herntier. Hohe Reparaturkosten seien die Folge.

Bekommt Spremberg die Landesgartenschau 2022, werden die Spremberger und ihre Gäste noch nicht auf den Grund der Spree schauen können, so Jens Spahn. Aber dass das 6. Verwaltungsabkommen zur Finanzierung der Braunkohlesanierung für 2018 bis 2022 nach den nicht ganz einfachen Debatten endlich unterschrieben werden konnte, sei wichtig. Spahn schmunzelte nachträglich über die "theoretische Aufregung" der Berliner im Vorjahr. Hier sehe er nun praktisch, worum sich die Spremberger seit Jahren Sorgen machen. Die Bundesregierung fühle sich verantwortlich. Aber sie habe das Problem nicht verursacht. "Sie sehen, was die Abwicklung des Sozialismus uns heute noch kostet", sagte Spahn.

Im Frühjahr 2018 soll die Vorsperre beräumt werden. Um Platz für den Schlamm zu schaffen, werde jetzt eins der Absetzbecken geleert, so Thomas Avermann vom Landesamt für Umwelt. Wann auch die zwei übrigen Becken an die Reihe kommen? Die Beräumung sei sehr teuer. Die Entsorgung des Eisenhydroxidschlamms gehöre zur vierten Stufe des Konzepts, so LMBV-Geschäftsführer Klaus Zschiedrich. Eine Option sei ein Tagebaurestloch, auch eine Deponie sei geplant, und zur Rückführung in die Wertstoffkette laufen Studien. Es gebe Ansätze, es zur Filterung von Wasser einzusetzen, in der chemischen und in der Baustoffindustrie. Aber, so Zschiedrich: "Der Eisenhydroxidschlamm, den wir hier herausbaggern, hat einen hohen organischen Anteil."

Winfried Böhmer, Vorsitzender des Aktionsbündnisses "Klare Spree", betonte noch einmal, wie wichtig auch die Beräumung der Hauptsperre sei. Mit dem nächsten Hochwasser werde das Eisenhydroxid, was bereits in der Talsperre liegt, ausgespült und wieder Richtung Spreewald geschickt. Der Cantdorfer Frank Jannack erzählte Spahn, was die Hochwasser im Ort anrichten. Und Manfred Heine, der Spreetaler Bürgermeister, forderte, dass die Bundesregierung der Lausitz beim zweiten Strukturwandel, der mit dem Rückzug des Braunkohlenbergbaus kommt, hilft. Durch die Bekalkungsanlage laufen an der Wilhelmsthaler Brücke pro Tag 5,7 Tonnen Kalk - gemischt mit Wasser - in die Spree. Nach der Mischstrecke bis Bühlow kommen 180 Kilo Flockungshilfsmittel pro Tag dazu. Gemeinsam halten Vorsperre und Hauptsperre so laut LMBV etwa 75 Prozent der Eisenfracht zurück.