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Spremberg
Die Angst vor Hochwasser bleibt

Die Wilhelmsthaler Brücke steht in der Brandenburger Maßnahmenliste zum Hochwasserschutz. Doch wann sie angefasst oder gar der neue Deich in Cantdorf gebaut wird, kann noch niemand sagen.
Die Wilhelmsthaler Brücke steht in der Brandenburger Maßnahmenliste zum Hochwasserschutz. Doch wann sie angefasst oder gar der neue Deich in Cantdorf gebaut wird, kann noch niemand sagen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Die Cantdorfer machen sich Sorgen. Die Prioritäten sollen Ende Januar feststehen.

René Nakoinz und Norbert Chichowitz vom Cantdorfer Ortsbeirat machen sich Sorgen. „Das nächste Hochwasser kommt. Und was passiert dann hier?“, fragt Chichowitz. Während im sächsischen Spreewitz der Deich verbessert und ein Querdeich gebaut wurde – die Arbeiten wurden Ende 2017 abgeschlossen, wissen die Cantdorfer nicht, wann ihr neuer Deich entsteht. Sachsen hat früher mit der Planung der Hochwasserschutzmaßnahmen begonnen. „Ab 2002 haben wir uns sämtliche Gewässer erster Ordnung angeschaut, durchgespielt, was  im Unterlauf der Elbe passiert, wenn wir oben etwas ändern, und Konzepte erarbeitet“, so Katrin Schöne, Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates.

830 Meter lang soll der Deich östlich von Cantdorf werden. Die Deichschlitzung und der Rückbau linksseitig der Spree stehen in der Maßnahmenliste wie Sielbauwerke in Höhe Lindenplatz und Wiesental 4. In der Straße Am Bach soll ein Schöpfwerk entstehen. Zu prüfen sei, ob der Bahndamm als Hochwasserschutzanlage taugt und wie der Durchlass am Wilhelmsthaler Weg leistungsfähiger wird. Das hat René Nakoinz im Brief vom Landesamt für Umwelt (LfU) aufgelistet bekommen. Mitte November hatte er geschrieben, kurz vor Weihnachten Antwort bekommen. „Doch die Antwort gibt mir das Gefühl, dass wir hier überhaupt keine Priorität mehr haben.“ Mehr als eine „mittelfristige Umsetzung“ kann LfU-Präsident Dirk Ilgenstein noch nicht versprechen: „Aufgrund der Vielzahl der in Brandenburg erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen wird derzeit eine Priorisierung vorgenommen und vor allem mit Hochdruck an den bereits in Planung und Bauausführung befindlichen Hochwasserschutzmaßnahmen gearbeitet.“

Bis Ende Januar, so Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser und Boden im Umweltministerium, werde noch für eine Priorisierung der Cantdorfer Vorhaben gebraucht. „Wir haben die Cantdorfer im Blick. Aber oben in der Priorität stehen gerade Bad Liebenwerda, Elsterwerda, Herzberg und Lauchhammer. Denn dort sind viel mehr Menschen betroffen. Unsere Ressourcen an Personal und Mitteln sind begrenzt“, so Augustin    

Zum Gewässerverband Spree-Neiße hat René Nakoinz einen gut Draht. Das alte Grabensystems in Cantdorf soll ertüchtigt werden, damit Wasser besser abfließt. „Wir haben Glück, dass es die alten Karten noch gibt, sonst wären die Planungsverfahren komplizierter“, so der Ortsvorsteher. Doch Vertrauen zum Landesumweltamt fehlt noch. Die Sediment-Zunge in der Spree vor der Wilhelmsthaler Brücke bleibt. „Die Zunge zu entfernen, würde keinen Sinn machen. Sediment sammle sich dort immer wieder an. Aber auf die regelmäßige Mahd müssen wir immer drängen“, so Nakoinz.

Der Landtagsabgeordnete Raik Nowka (CDU) will für die Cantdorfer im Landtag nachhaken. Hoffnung, dass die Wilhelmsthaler Brücke wieder Autos befahren, macht er nicht. Aus der Erfahrung mit Plänen für die neuen Brücke in der Wendenstraße sind wenige Pfeiler im Sinne des Hochwasserschutzes. Aber eine hohe Tragfähigkeit bei wenigen Pfeilern ist teurer.

Die Brücke Wilhelmsthal steht wie weitere Spremberger Brücken als Engstelle des Spreeverlaufs in der Maßnahmenliste.