ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:25 Uhr

Stadt tauscht falsche Schilder aus
Der Teufel steckt im Detail

Mehrere Tage standen falsch beschriftete Schilder an Spremberger Straßen.
Mehrere Tage standen falsch beschriftete Schilder an Spremberger Straßen. FOTO: Rene Wappler / LR
Spremberg. Warum Zusatzzeichen in Spremberger Tempo-30-Zonen einen Fehler enthielten.

Noch haben die Maschinen nicht völlig die Kontrolle über die Arbeitswelt ergriffen. Darauf deutet ein Fehler hin, der in der vergangenen Woche auf neuen Straßenschildern in Spremberg prangte.

Auf seinem Weg durch die Stadt, vor dem Erwin-Strittmatter-Gymnasium, stutzte Ralf Karl. Da haut doch was nicht hin, dachte er. Er schaute noch einmal auf das Schild. Tatsächlich. Da stand „werkstags“ unter dem Symbol für die Tempo-30-Zone, nicht „werktags“, wie es korrekt wäre.

Auch die Pädagogen des Gymnasiums bemerkten den Fehler. Lehrerin Ingrid Michel berichtet: „Wir sind ja täglich an den Schildern vorbei gegangen.“ Das gleiche Bild bot sich in der benachbarten Kesselstraße.

Den Passanten fiel der Schriftzug eher ins Auge als den Autofahrern. Jene nehmen solche Zeichen meistens nur kurz wahr, passen ihr Tempo an und lassen sie im nächsten Moment hinter sich. Inzwischen wurden die Schilder zwar ausgetauscht. Nun blieb aber die Frage, ob es sich nur um eine Version für Spremberg handelte – oder ob mehrere Städte falsch ausgestattet wurden.

Eine Frau aus Spremberg wies den zuständigen Fachbereich der Kreisverwaltung Spree-Neiße auf den kleinen Makel hin. Das berichtet Matthias Händler von der Pressestelle der Landkreisverwaltung. Die Mitarbeiter des Fachbereichs reagierten demnach „umgehend mit der Anweisung, besagte Fehler zu korrigieren“, erläutert er. Sie informierten den Betriebshof in Spremberg: Die Zusatzzeichen müssten berichtigt werden. Ihm obliegt das Umsetzen „verkehrsrechtlicher Anordnungen“, wie es in der Amtssprache heißt, ebenso wie das Beschaffen der Zeichen. Die neuen Tempo-30-Zusatzschilder für Spremberg wurden laut Pressestelle einzeln bei den Produzenten bestellt. Matthias Händler erklärt: „Dort wurde auch der Fehler gemacht, was keinem sofort auffiel.“

Über die Anordnung zum Aufstellen der Schilder sagt Gerd Schmiedel vom Fachbereich im Spremberger Rathaus: „Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten.“ Die erste Variante sieht so aus, dass die Mitarbeiter des Rathauses solche Zeichen bestellen. Die zweite Variante läuft darauf hinaus, dass Fachleute die Grundkörper für die Zeichen selbst beschriften. Dann versehen sie das Material mit einer Klebefolie. „Wenn man die Schilder vom Band in großer Menge bestellt, entsteht in aller Regel kein Problem“, erläutert Gerd Schmiedel. „Aber gerade bei den Zusatzschildern wissen wir oft nicht vorher, wie viele über das Jahr hinweg angeordnet werden.“ Eine Stadt wie Spremberg könne es sich nicht leisten, einfach mal Zeichen auf Verdacht zu bestellen.

Zudem spart sich das Rathaus den Mindermengenzuschlag, wenn seine Mitarbeiter die Grundkörper für die Schilder je nach Bedarf beschriften lassen. Diesen Zuschlag erheben Hersteller oft, wenn sie Aufträge für eine kleine Zahl von Produkten annehmen. Denn der finanzielle Aufwand gestaltet sich proportional höher als bei großen Aufträgen. Darüber hinaus gibt Gerd Schmiedel zu bedenken: „Da die Schilder nicht verschickt werden müssen, wenn wir uns darum kümmern, sparen wir iam Ausstoß von Kohlendioxid.“ Nun hätten sich zwar die Mitarbeiter der beauftragten Firma aus Spremberg bei den Zusatzzeichen verschrieben. Doch den Fehler korrigierten sie auf eigene Kosten, wie Gerd Schmiedel anmerkt. „Ich finde es gut, dass es aufmerksame Leute gibt, denen so etwas auffällt“, sagt er.

Derartige Fehler lassen sich wahrscheinlich ohnehin erst ganz vermeiden, wenn Menschen aus dem Prozess der Produktion verschwinden. Vor diesem Szenario warnte allerdings der berühmte Physiker Stephen Hawking, der in dieser Woche gestorben ist. In einem Gespräch mit dem Magazin „Wired“ erklärte er: „Ich fürchte, dass künstliche Intelligenz die Menschen eines Tages völlig ersetzt.“

Falls das passiert, wird es aber auch keine Leute in Spremberg mehr geben, die einen Fehler sehen – ob nun im Stadtbild oder in der Zeitung.