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Spremberg
Der Streit um die Krautwürste

Zur Gewässerschau ging es auch an die Grenze Haidemühl-Sellessen. Der Graben am der Sportplatzstraße soll ins Kataster aufgenommen werden. Michael Gäbel von der Stadtverwaltung (l.), der Sellessener Ortsvorsteher Hardy Kordian und Silvio Alich, Geschäftsführer des Gewässerverbandes Spree-Neiße, reinigen dabei gleich den Korb unterm Deckel des Grabeneinlaufs.
Zur Gewässerschau ging es auch an die Grenze Haidemühl-Sellessen. Der Graben am der Sportplatzstraße soll ins Kataster aufgenommen werden. Michael Gäbel von der Stadtverwaltung (l.), der Sellessener Ortsvorsteher Hardy Kordian und Silvio Alich, Geschäftsführer des Gewässerverbandes Spree-Neiße, reinigen dabei gleich den Korb unterm Deckel des Grabeneinlaufs. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg . Zur Gewässerschau ging es von Cantdorf über Sellessen und Weskow nach Hornow. Annett Igel-Allzeit

Der Wassergraben ist gesäubert, aber das Kraut bleibt auf der Böschung liegen? Über die Hinterlassenschaften nach den Grabenreinigungen diskutiert der Gewässerverband Spree-Neiße seit einigen Jahren mit Verbandmitgliedern. Anders als der Sediment-Aushub oder die Rasenmahd bleibt das Kraut aus dem Graben samt Wurzel liegen. Doch nicht überall kann sich die bis zu 3,50 Meter langen Krautwürste ein Landwirt greifen und flink unterpflügen. Mitten im Ortsteil und an Grundstückseinfahrten seien sie ein Problem, schildert René Nakoinz, Ortsvorsteher in Cantdorf. Auch auf Wegen sind sie nicht gewollt. Legt sie der Baggerführer auf der Böschungskante ab, befürchten die Ortsvorsteher, dass das Kraut gleich wieder in den Graben rutscht.

Würde der Gewässerverband die Krautablagerungen abtransportieren und entsorgen lassen, so Verbandsingenieur Ulrich Fehlig, verdoppeln sich die Unterhaltungskosten. „Wir bräuchten dafür weitere Technik und zusätzliche Mitarbeiter“, sagt er. Dass wie andere Kommunen auch die Stadt Spremberg keine Möglichkeit sehe, das Kraut nach einer Grabenreinigung wegzuräumen, bestätigt Gerd Schmiedel, Sprembergs Baufachbereichsleiter. Und er wisse aus den Verbandsversammlungen, dass sich unter den Mitgliedern des Gewässerverbandes keine Mehrheit für höhere Beiträge wegen der Krautbeseitigung findet.

Dieter Freißler, Ortsvorsteher in Terpe, schüttelt den Kopf: „Das ist ja wie Licht ins Rathaus tragen.“ Zugleich befürchten mehrere Ortsvorsteher, dass die Böschungskanten durch das Kraut mit den Jahren wachsen. Silvio Alich, der Geschäftsführer des Gewässerverbandes, räumt daraufhin ein, dass alle zwei, drei Jahre solche Krautwülste schon von der Kante geräumt werden – aber eben nicht nach jeder Grabenreinigung. Alich gibt zu bedenken, dass die Naturschützer nicht so traurig über das Kraut an der Böschung sind. „Es verhindere wohl“, so Alich, „dass Düngemittel in die Gräben gelangen.“

Grundsätzlich wird dem Gewässerverband Spree-Neiße im Spremberger Raum eine gute Arbeit bescheinigt. Doch für einige Probleme gibt es nicht mehr als Hoffnung. Der Ortsteil Wadelsdorf wartet seit 2015 auf die Sanierung seiner Teiche. Das Vorhaben ist aus Sicht aller Seiten sinnvoll. Aber eine entsprechende Förderrichtlinie war 2014 ausgelaufen. 30 Prozent könnten aus dem Naturschutzfonds kommen, 70 Prozent vom Land. Doch starten kann der Gewässerverband erst, wenn  das Geld da ist.

Auch zum Anschluss des Terper Grabensystems an den Vorfluter – es fehlen etwa 100 Meter – ist weiter Geduld gefragt. „Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg führt durch, das Landesamt für Umwelt und wir stimmen zu“, erklärt Marion Schulze-Hanisch von der Unteren Wasserbehörde Spree-Neiße. Sie will nachhaken, wie weit die Abstimmungen sind. Derweil hat sie Briefe an alle Terper geschickt, auf deren Grundstücke Grabendurchlässe liegen, die erneuert werden müssen. Auch die Stadt Spremberg sei mit Grundstücken betroffen.

Am Grabensystem im vom Hochwasser geplagten Cantdorf wird gearbeitet. Der Grabenabschnitt im Erlenbruch soll ertüchtigt werden, dafür laufen in diesem Jahr Planungen. Der Graben, der vom Binnensee zum Silo der Spree-Bekalkung führt, sei bereits freigeschnitten, so dass nun das Grabenprofil nachgeformt werden kann. Der Binnensee, den die Cantdorfer Wiesen- oder Karpfenteich nennen, ist ein Nebengewässer der Spree und I. Ordnung. An ihm müssen noch Baumaßnahmen abgeschlossen werden, was aber Sache des Ministeriums ist. Der Gewässerverband kümmert sich um Gewässer II. Ordnung.

Lob gab es während der Grabenschau für Wolfgang Brünsch in Sellessen. Seine Kompostieranlage ist auf drei Seiten von Gräben umgeben. Die fünf Meter Freiraum für Arbeiten zur Grabenreinigung zu schaffen, war ein Kraftakt, ist aber erledigt. Den Wasserstand des Mutzoka-Teiches in Weskow schauten sich die Experten an. Das Stauwerk ist seit Jahren kaputt. Doch da ein Biotop entstanden ist, sollte der nicht gestört werden, so lange es keine Anwohner stört. Ähnlich wird das auch beim Mühlgraben mitten im Wald gesehen, um den sich Harry Krause, der Lieskauer Ortsvorsteher Sorgen macht. Für die Cantdorfer wiederum, die an der Kochsa, bevor sie in die Spree mündet, nach einer Rohdung gern wieder ein paar Bäume hätten, sieht die Untere Wasserbehörde wenig Chancen. Die Stadtwerke wollen in diesem Bereich noch eine KV-Leitung verlegen.

Am Mutzoka-Teich sucht Ulrich Fehlig nach dem Einlauf.
Am Mutzoka-Teich sucht Ulrich Fehlig nach dem Einlauf. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR