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| 02:44 Uhr

Der sprechende Hansi

Ella Fritsche mit dem sprechenden Hansi.
Ella Fritsche mit dem sprechenden Hansi. FOTO: Detlef Bogott/dbo1
Spremberg. An sich lernen Wellensittiche vor allem Laute zu imitieren, weil sie sich langweilen. Ob sich der sieben Jahre alte Hansi von Elsa Fritsche langweilt? Die 77-jährige Sprembergerin hat jedenfalls keine Langeweile. Dafür sorgt ihr gefiederter Mitbewohner. Detlef Bogott

Hansi ist nun schon der dritte Wellensittich, den Ella Fritsche beherbergt und der Zweite, der sprechen kann. Hansi ist ein richtiger ,,Plapperschnabel", der fast den ganzen Tag erzählt. Ganz jung hat Ella den Vogel von Hobbyzüchter Manfred Teuft bekommen. Er war drei Monate, da begann die frühere Mitarbeiterin der Bezirksfilmdirektion in Cottbus mit Hansi zu sprechen. Und es dauerte nicht lange, bis sich das Talent des Vogels zeigte. Aus ersten Lauten Silbe, dann Worte und inzwischen kleine Sätze. Wenn Ella Fritsche das Haus verlassen will, sagt Hansi des Öfteren schon mal ,,Oma geht einkaufen", aber auch "Wo bist Du" oder ,,Alles Gut". Alles ist klar zu verstehen. Wenn die Enkelin bei Oma Mittagsschlaf macht. kommt prompt die Ansage: ,,Pia schläft, Pia schläft." Dass die Katze von Tochter Roswitha Sissi heißt, auch das verrät der Wellensittich jedem Besucher. Hansi erzählt im Vogelbauer wie auch auf dem Wohnzimmertisch seine Geschichten. Zu gerne sitzt er vor dem kleinen Spiegel und unterhält sich selber. Wenn Hansi gefüttert wird, weiß er auch etwas zu sagen: ,,Ganz feine Körnchen" ist dann zu hören. Und wenn Ella Fritsche mal in Ruhe fernsehen möchte, geht es für Hansi in den Käfig. Selbstverständlich geht das auch nicht ohne Kommentar, hier kommt dann ,,Hansi macht husch, husch".

Auch ,,Hansi ganz lieb" ist nicht nur Versprechen, denn lieb ist der Vogel allemal. Nur fliegen kann Hansi nicht mehr. Der Tierarzt konnte keine Ursachen für irgendwelche Verletzungen finden. Vielleicht aber hat er auch schlicht keine Lust dazu. Dieser Bewegungsmangel sorgte dafür, dass die exotischen Tiere als Sprachkünstler berühmt wurden.

Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurden exotische Tiere nach Europa gebracht - darunter auch Papageien und diverse Sittiche. Die Tiere galten eher als eine Art Statussymbol. Man befasste sich weniger mit den Bedürfnissen der Tiere und deren optimaler, naturnaher oder gar artgerechter Haltung, sondern hielt sie meist als Einzelvögel in mehr oder minder großen, verzierten Schmuckkäfigen. Diese Käfige waren häufig so klein, dass die Vögel nur allein gehalten wurden, sie nur wenig Bewegungsfreiraum und wenig Beschäftigung hatten. Schnell wurde dann klar, dass Papageienvögel eine besondere Fähigkeit besitzen; das Nachahmen von Tönen, Melodien und menschlichen Lauten oder gar deren Sprache. Früher gehörte es praktisch zum "guten Ton", dass ein Papageienvogel oder auch Wellensittich menschliche Laute nachahmen können musste. Heute weiß man, dass sich ein Wellensittich, wenn er keine Gesellschaft hat und nur eine Person der Familie die einzigen Ansprechpartner sind, sich ganz demjenigen annimmt. Und so werden Ella Fritsche und Hansi noch genügend Gesprächsstoff finden.