Die meisten Absagen hat laut Gerald Boese, stellvertretender Leiter des Cottbuser Schulamtes, das Leichhardt-Gymnasium erteilen müssen. Mit 150 Bewerbern sei es aber auch das Beliebteste gewesen. Trotz der Erweiterung auf fünf Züge konnten hier 19 Wünsche nicht berücksichtigt werden. Von den abgelehnten Schülern hätten zwölf als Zweitwunsch das Pückler-Gymnasium angegeben. Hier sieht Boese auch keine Probleme, denn „die Schule hat noch Kapazitäten und dient in diesem Jahr gewissermaßen als Puffer.“ Für die anderen Zweitwünsche (Steenbeck, Fontane-Gesamtschule, Gymnasium Luckau, Niedersorbisches Gymnasium) würde derzeit das Verfahren laufen.

Oberschulzweig als Alternative
Ablehnungen hat auch das Niedersorbische Gymnasium (NSG) aussprechen müssen. Von den 95 Anmeldungen könnten elf nicht berücksichtigt werden, so Boese. Drei Klassen sollen hier gebildet werden. Als eine Alternative biete sich in diesem Fall der am NSG eingerichtete Oberschulzweig an.
Ein Problem sei, dass sowohl am Niedersorbischen Gymnasium als auch am Steenbeck die Züge nicht beliebig hochgefahren werden könnten. „Das geben die räumlichen Verhältnisse nicht her und würde sich auch nicht mit dem ganz besonderen Profil der Einrichtungen vertragen“ , sagt Boese. Demgegenüber verfüge das vom Landkreis Spree-Neiße betriebene Pückler-Gymnasium noch über Kapazitäten. „Es sind lediglich Einzelfälle, in denen sowohl Erst- als auch Zweitwunsch nicht berücksichtigt werden können“ , so der stellvertretende Schulamtschef.
Mit dem bisherigen Ergebnis des Ü 7-Verfahrens zeigt sich der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) zufrieden. „Wir haben in diesem Jahr rund 95 Prozent der Erstwünsche erfüllen können, das ist ein Wert, der sich sehen lassen kann“ , sagt der Rathaus-Chef.
Die Cottbuser Stadtverordnete Marianne Spring (Frauenliste) hingegen bewertet die Quote aus einem anderen Blickwinkel. „Im Vorfeld ist durch die Nichtaufnahme von neuen siebenten Klassen am Humboldt-Gymnasium massiv in das Verfahren eingegriffen worden“ , sagt sie. Mit dem Leichhardt- und dem Pückler-Gymnasium seien deshalb nur zwei „normale“ Einrichtungen, die nicht spezielle Zugangsvoraussetzungen wie das Steenbeck- oder das Niedersorbische Gymnasium verlangen, übrig geblieben. Die von der Verwaltung herausgestellte „Punktlandung“ sei deshalb zu relativieren, so Marianne Spring.
Im kommenden Jahr soll es in der Stadt Cottbus dann auch wieder die Möglichkeit geben, Schüler für das Humboldt-Gymnasium anzumelden. Ein von den Fraktionen Frauenliste, FDP, CDU/DSU und AUB vorbereiteter Antrag soll in der kommenden Woche von den Stadtverordneten beschlossen werden. „Wir haben die Vorlage noch einmal etwas modifiziert“ , erklärt Hagen Strese (CDU). So soll als Entgegenkommen an den Landkreis Spree-Neiße die Zügigkeit in den Cottbuser Gymnasien Leichhardt, NSG und Humboldt auf maximal drei begrenzt werden. Im Jahr 2012 soll dann erneut über die Zukunft des Humboldt-Gymnasiums befunden werden, so die Antragsteller.

Landrat fordert Verlässlichkeit
In einem Brief an Oberbürgermeister Frank Szymanski hat Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD) „eine verlässliche Standortplanung für Lehrer, Eltern und Schüler“ gefordert, damit für Investitionen Planungssicherheit geschaffen werden könne. Durch die Wiedereinrichtung von siebenten Klassen am Humboldt-Gymnasium und der damit verbundenen Bestandssicherheit sei eine „Sogwirkung zu Lasten des Landkreises Spree-Neiße“ zu erwarten, so Friese. Dies führe zur „Benachteiligung und Verödung des ländlichen Raumes“ . Ohne eine verlässliche und unumkehrbare Beschlusslage zur verabredeten Schullandschaft werde der Landkreis seine für das Pückler-Gymnasium geplanten Investitionen in Höhe von 2,5 Millionen Euro „zurückstellen beziehungsweise ganz aufgeben“ .
Davor warnt in einem offenen Brief an die Stadtverordnetenversammlung auch die Schulkonferenz des Cottbuser Pückler-Gymnasiums. „Zum derzeitigen Zeitpunkt bedingungslos aktuellen Elternwünschen zum Erhalt aller Gymnasien in der Stadt nachzugeben, hieße, eine langfristige, bereits in der Umsetzung befindliche Planung der Schullandschaft empfindlich zu beeinträchtigen . . . und später Abstriche im Bildungsangebot machen zu müssen“ , heißt es in dem Schreiben.