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Umwelt
Der Müll stapelt sich bei Cantdorf

Die Mitglieder des Anglervereins haben am Dienstag illegalen Müll nördlich von Cantdorf eingesammelt.
Die Mitglieder des Anglervereins haben am Dienstag illegalen Müll nördlich von Cantdorf eingesammelt. FOTO: René Wappler
Spremberg. Den Hang hinab steigt Ralf Bröse, zum Ufer der Spree, wo das Anglerpaar sitzt. "Haben Sie eine Angelberechtigung?", fragt Ralf Bröse. René Wappler

Haben sie.

"Und Ihren Müll nehmen Sie nachher wieder mit?"

Die Frau deutet auf zwei Tüten voller Utensilien.

"Wir hinterlassen den Platz immer sauber", sagt sie. "Uns ärgern die Angler ja auch, die ihren Abfall einfach am Ufer wegwerfen."

Beate Warschau und ihr Partner stammen aus Heilbronn, sie schauen sich die Spremberger Region an, übernachten in Bagenz, und mitunter suchen sie sich einen stillen Platz zum Angeln. Leider achten viele Leute nicht so sehr wie sie darauf, ihren Abfall einzusammeln und wieder mitzunehmen: Das stellt Ralf Bröse vom Spremberger Anglerverein mit Bedauern fest. Deshalb trifft er sich mit anderen Mitgliedern im Norden von Cantdorf, um nach dem Müll zu fahnden, den Besucher illegal entlang der Spree entsorgen.

Nicht mal eine Stunde dauert es am Dienstagmorgen, bis sie ein Bettgestell auf die Ladefläche ihres Transporters gehievt haben, eine Kühlschranktür, Dachrinnen, Abwasserrohre und einen Grill. Alles am Radweg von Cantdorf nach Bühlow eingesammelt, in den Waldstücken links und rechts von der Strecke, am Ufer der Spree.

Zwar haben die Mitarbeiter des Spremberger Rathauses auch in den Randregionen von Spremberg Müllkübel aufgestellt. Doch das scheint viele Leute kaum zu kümmern. "Die lassen ihren Dreck irgendwo in der Natur fallen", sagt Hubert Zell vom Anglerverein. "Sobald du jemanden dabei erwischst und zur Rede stellst, kann es passieren, dass er dir was über die Rübe haut."

Ähnliche Erfahrungen sammelte Günther Chlod aus Bühlow, der im Winter des vergangenen Jahres vor dem Heranwachsen einer illegalen Mülldeponie am Vorstaubecken warnte. "Es hat hier sogar schon Schlägereien gegeben", sagte er. "Auf so was habe ich keine Lust."

Die Sorge vor Müllbergen, die allmählich die Größe einer Deponie erreichen, scheint berechtigt zu sein. Nach Angaben der Landesregierung gibt es in Brandenburg bereits 148 solcher illegaler Müllflächen. Dies geht aus der Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Benjamin Raschke von Bündnis 90/Die Grünen hervor. Für das Sichern und Sanieren dieser Deponien stehen dem Land für das Jahr 2017 ungefähr 4,23 Millionen Euro zur Verfügung - und 4,73 Millionen Euro für das Jahr 2018. Allerdings sind für die 148 illegalen Deponien verschiedene Behörden zuständig.

Nun wollen die Mitglieder des Anglervereins nicht so lange warten, bis sich der Norden von Cantdorf in ein Gebiet voller Abfallhalden verwandelt hat. Deshalb säubern sie die Gegend regelmäßig. Außerdem wollen sie mit den Einwohnern des Spremberger Stadtteils darüber beraten, ob sich im nächsten Jahr eine gemeinsame Aktion organisieren lässt: Das kündigt Eberhard Brünsch vom Verein an.

"Wir haben hier echt schon alles gefunden, was man sich vorstellen kann", sagt er. "Vom Fernseher bis zur Waschmaschine, Hausmüll ohne Grenzen."

Dabei gilt der Spremberger Stausee samt seiner näheren Umgebung als Naturschutzgebiet. Laut Gesetz sind dort "alle Handlungen verboten, die das Gebiet, seinen Naturhaushalt oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, verändern oder nachhaltig stören können". Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro rechnen.

Die Touristin Beate Warschau aus Heilbronn, die sich mit ihrem Partner zum Angeln an der Spree niedergelassen, führt statt des Geldes ein emotionales Argument zum Naturschutz ins Feld. "Wenn ich mir die Fernsehdokumentationen anschaue, in denen gezeigt wird, wie der Plastikmüll die Gewässer und die Tierwelt beeinträchtigt - das tut mir in der Seele weh."