ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:55 Uhr

Der März hat ein böses Herz

Spremberg. Was Harri Piel beim Blättern in den Ausgaben des "Spremberger Anzeigers" in der Zeit vom 9. bis 15. März des Jahres 1914 entdeckte, berichtet er hier: hpl1

Zum Beginn dieser Woche schockte der Redakteur seine Leser mit der Bemerkung: "Von allen Monaten hat der März im Volksglauben den schlechtesten Ruf." Dann legte er mit internationalen Vergleichen los, die wir auch gern wiedergeben. In Deutschland - "Der März hat ein böses Herz" oder "Unbeständig wie der März." Im Baskenland - "Der März kennt keine Treue, bald lacht er, bald weint er." In England - "Der März hat viele Wetter" und in Italien - "Der März hat neun Farben, also noch zwei mehr als der Regenbogen". Derartig vorbereitet stopfte er nun seine Leser mit 31 Bauernregeln voll. Wir haben die lustigsten ausgesucht: "Auf März folgt stets April, das ist Kalenderwill. (. . .) Wenn im Märzen fallen die Flocken, wird sich der Hopfen bestocken. (. . .) Brau uns im März gut Bier, mein lieber Brauer: es ist gesund und wird nicht sauer." Einen guten Rat gegen die Frühjahrsmüdigkeit gab uns der Meister dann noch - als Zugabe. "Schwächliche Menschen sollten sich jetzt vor allem Überhasten besonders hüten und ab und zu ein paar Minuten zwischen der Arbeit ausruhen." Nun kann der März des Jahres 2014 ruhig kommen, wir sind gut vorbereitet.

Am 13. März fand die "mündliche Reifeprüfung am hiesigen Realgymnasium statt". Das Ergebnis lautete: "Sämtlichen neun Prüflingen (. . .) wurde die Reife zuerkannt." Wegen der geringen Anzahl wurden sie sogar namentlich erwähnt. Einen Tag später gab es einen großen Bahnhof im in der Loge auch "Abiturienten=Kommers" genannt. Alles was Rang und Namen hatte - vom Landrat bis zum Bürgermeister - hielt dazu eine Rede. Prof. Karge, der Direktor, steuerte sogar einen selbstgedichteten fünfstrophigen Chorgesang bei. Den ersten Vers geben wir gern wieder, weil wir ihn gut finden:

"Wir nennen stolz uns Sprembergs Jungen,

Der Lausitz frisches Blut,

Es ragt am Strand der Spree

Das neue Heim zur Höh´;

Ihm sei ein frohes Lied gesungen!"

Der Rest war weniger gut, weil stark national-preußisch. Das zitieren wir lieber nicht.

Langsam ging es auf das 50-jährige Düppel-Fest am 18. April zu. Zur Einstimmung gab es den Bericht "Als Kriegskorrespondent vor Düppel." eines Herrn Hans Wachenhusen, "einer der berühmtesten Kriegsberichterstatter des vergangenen Jahrhunderts". Eine räumliche Lageskizze der Düppel-Schanze und eine Notiz, dass der Pionierverein von Cottbus am Sonntag, den 19. April, in Bohsdorf Vorwerk einen Gedenkstein setzen wird, folgten. So, so . "An dem Geburtshause des heimatlichen Helden von Düppel befindet sich schon seit Jahren eine Gedenktafel für Pionier Klinke."