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| 21:14 Uhr

Gesundheit spezial: Der Lausitzer ist, was er isst
Alles Glück in der Schokolade 

Tina Sammulat (l.) und Marie Bienstman dürfen als Mitarbeiterinnen der Confiserie Felicitas GmbH zwischendurch gern zugreifen. Schokolade soll schließlich glücklich machen. 71 Mitarbeiter beschäftigt das Hornower Unternehmen, 60 arbeiten am Stammsitz, elf in Potsdam und Dresden.
Tina Sammulat (l.) und Marie Bienstman dürfen als Mitarbeiterinnen der Confiserie Felicitas GmbH zwischendurch gern zugreifen. Schokolade soll schließlich glücklich machen. 71 Mitarbeiter beschäftigt das Hornower Unternehmen, 60 arbeiten am Stammsitz, elf in Potsdam und Dresden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Goedele Matthyssen und Simone Vatter denken beim Naschen an Paracelsus. Von Annett Igel-Allzeit

Es ist das dritte Stück. Leise knackt die Schokolade. Die Zunge drückt die Splitter gegen den Gaumen. Dann schmelzen 71,5 Prozent Kakaomasse, 21,5 Prozent Zucker, Kakaobutter, Sojalecithin, Vanillearomen. Die neue Kreation aus der Confiserie Felicitas, der belgischen Schokoladenmanufaktur in Hornow, rinnt in den Rachen – und beginnt, glücklich zu machen. Goedele Matthyssen, Choclatier und mit ihrem Mann Peter Bienstman Inhaber der Confiserie Felicitas, lacht: Ja, Schokolade mache sie in ihrem Leben rundum glücklich. Und nein, sie bereut nicht, nach viereinhalb Jahren in Nigeria mit belgischer Schokolade in die Lausitz gegangen zu sein. „Ich esse gern Schokolade – bewusst Zartbitter, unbewusst weiße Schokolade, Vollmilch und  – bis mittags – Pralinen. Dann ist mein Körper noch lange genug in Bewegung.“ Marie Bienstman, die Tochter, die im Unternehmen mitarbeitet, versichert: „Dunkle Schokolade regt sogar den Stoffwechsel an.“

Das Problem bei handelsüblicher Schokoladen sei der hohe Zuckeranteil, erklärt Goedele Matthyssen. „Was im Supermarktregal als belgische Praline liegt, ist viel süßer als unsere Schokoladen. Zucker ist die billigste Zutat und verlängert die Haltbarkeit.“ Die Rohschokolade für Felicitas in Hornow kommt aus Ostflandern von Callebaut in Wiezen. „Vor 25 Jahren haben wir dort unsere drei Basis-Rezepturen ausgesucht.“ Schnell dazugekommen sind Rezepturen mit 70 und 80 Prozent Kakao und die hundertprozentigen Schokopillen. Jüngste Kreationen sind Gold-Karamell, Felicitas-Ruby und die Schokolade mit nur 21,5 Prozent Zucker, die noch einen Namen braucht. Acht Rezepturen, die in Hornow von den Chocolatiers mit regionalen Zutaten wie Eierlikör, Berliner Marzipan, Eberesche, Rispenhirse und Erdbeersalz aus dem Spreewald zu Pralinen, Tafeln, und Hohlkörpern verfeinert werden. Nur die Nüsse, Ingwer und Meersalz haben etwas weitere Anreisen. „Wie die Butter verwenden wir die Sahne ganz frisch“, sagt Goedele Matthyssen und vergleicht die Arbeit der Chocolatiers mit der Arbeit der Konditoren. Oft werde sie nach der Haltbarkeit gefragt. Natürlich sei das Datum zu beachten, und offiziell wird kühle und dunkle Lagerung empfohlen. „Aber persönlich“, gesteht sie augenzwinkernd, „setze ich auf dunkel und 37 Grad Celsius“. Und klopft sich auf ihren kleinen Bauch.

Simone Vatter, Ernährungsmedizinerin und Diabetologin im Spremberger Krankenhaus: „Klar, habe ich die neue Schokolade mit weniger Zucker schon probiert“, sagt sie und erinnert an ein Zitat des Schweizer Arztes Paracelsus (1493 bis 1541): „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.“ Schokolade dürfen auch Diabetiker genießen. Toll ist, wenn die Angabe auf der Verpackung genau ist, damit sie berechnen können, wie viel Insulin sie vorm Genuss spritzen müssen. Felicitas-Schokolade mit weniger Zucker habe immerhin noch fünf Broteinheiten. Das Glücksgefühl nach dem Genuss lässt sie den Patienten. „Aber das Glück nach dem Joggen hält deutlich länger an.“

Nicht zu unterschätzen ist das Glück des Schenkens und Beschenkt­werdens. Kunden können sich eine Schokoladenkatze aussuchen und sie individuell beschriften lassen:   „Danke, Tante Frieda, fürs Katzefüttern“, zitiert Goedele Matthyssen. Auch von glücklichen Hühnern in Nigeria weiß sie: „Ihnen werden zerkleinerte Schalen der Kakaobohnen unters Futter gemischt.“

Aber Schokoladenbrunnen im Stall? Eine alte Dame vermutetet das jüngst in Hornow. Von ihrem Platz im Café aus hatte sie einen ausgezeichneten Blick auf Gehege und Stalleingang der Esel August und Felicitas. Energisch winkte sie Goedele Matthyssen zu sich. „Sagen Sie mal, haben Sie da Schokobrunnen im Stall?“ Goedele Matthyssen schaute verdutzt in das ernste Gesicht. Die Seniorin schilderte: „Ein heller Esel ist vorhin in den Stall gelaufen. Wenig später sehe ich doch den Esel braun wieder herauskommen!“ Wie viel Schokolade diese Dame an jenem Tag in Hornow genossen hat? Goedele Matthyssen weiß es leider nicht.