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| 20:09 Uhr

Industriepark Schwarze Pumpe
Der Industriepark im Wandel

 Die Baustelle vor Hamburger Rieger: Im Jahr 2020 soll der Probelauf der zweiten Papiermaschine starten, 2021 die Produktion.
Die Baustelle vor Hamburger Rieger: Im Jahr 2020 soll der Probelauf der zweiten Papiermaschine starten, 2021 die Produktion. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Schwarze Pumpe. Politiker waren auf Bustour zwischen Kaue, Papierfabrik und möglichem Verkehrsterminal. Von Annett Igel-Allzeit

Hoch wird die Halle für die zweite Papiermaschine der Hamburger Rieger im Industriepark Schwarze Pumpe. Kräne drehen sich auch über den Grundmauern des Kompetenzzentrums für Gründer und Gewerbe. Im Februar 2020 soll der Komplex mit 23 Büroräumen und einer Werkhalle im sächsischen Teil des Industrieparks eröffnet werden. Ebenfalls 2020 soll das Projekt Big Battery Lausitz umgesetzt sein. Mit diesem Stromspeicher aus Lithium-Ionen-Batterien in 13 Containern können Schwankungen bei erneuerbaren Energien besser ausgeglichen und sekundengenau auf den Bedarf der Netzbetreiber reagiert werden. Eschen biegen sich noch im Wind, wo der Terminal für den kombinierten Verkehr errichtet werden könnte. „Derzeit wird geprüft, ob sich der Standort dafür eignet“, sagt  Enrico Rein, Pressesprecher der Wirtschaftsförderung Spremberg-Spreetal in der ASG Spremberg.

Frank Meisel vom CDU-Stadtverband hat zu eine Industriepark-Tour eingeladen. Im Bus mit den 40 Sprembergern, die sich die Entwicklung im Industriepark Schwarze Pumpe anschauen wollen, sitzt Klaus-Peter Schulze (CDU), einst Bürgermeister von Spremberg, jetzt Bundestagsabgeordneter. Unter dem Industrieparkmanagament der ASG ist die Zahl der Firmenadressen wieder leicht gestiegen: 125 Unternehmen und Niederlassungen sind hier aktuell erreichbar – mit rund 5050 Mitarbeitern.

Viele Beschäftigte hat der Bergbaubetreiber Leag: Im Kraftwerk arbeiten 260 Mitarbeiter, über 800 Mitarbeiter der Tagesanlagen des Tagebaus Welzow-Süd sind erst im Vorjahr in den Industriepark umgezogen.   Aber es gibt  auch kleine Unternehmen wie die Tischlerei Lausitz mit neun Mitarbeitern, die Rheinbraun Brennstoff GmbH mit zwölf Mitarbeitern – während das Logistik- und Transportunternehmen TSS 200 Menschen und Hamburger Rieger mit der Papiermaschine 1, Ersatzbrennstoffkraftwerk und Dunapack 500 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Papiermaschine 2 soll der Spremberger Region weitere 220 Arbeitsplätze bringen. Die 370 Millionen Euro teure Investition soll 2020 den Probelauf und ab 2021 die Produktion starten. Aber auch Dunapack will laut Enrico Rein bis 2030 die Produktion um 20 Prozent steigern und sucht Fachkräfte.

Nicht überall brummt es: Die Lindegas Produktionsgesellschaft hat ihren Standort in Schwarze Pumpe stillgelegt und produziert Gase und Gasgemische nun in Eisenhüttenstadt. Die Schmid Silicon Technology GmbH, die hier bis zum Zusammenbruch des Solarmarktes 2008 Polysilizium und Monosalin produzierte, führt auf ihrem Pumpschen Gelände derzeit nur Versuche durch. Und die Sustec auf dem Gelände des ehemaligen Sekundärrohstoffverwertungszentrums steckt seit 2010 im Insolvenzverfahren.

Klaus-Peter Schulze sorgt sich um das Knauf-Gipswerk in Schwarze Pumpe. Es bezieht, wie andere bandenburgische und ostsächsische Gipswerke, seinen Rohstoff aus dem Kohlekraftwerk.  Wovon sie nach dem Kohleausstieg Gipsbetonplatten produzieren sollen, versucht Schulze gerade in einer „Brieffreundschaft“ mit Umweltbundesministerin Svenja Schulze (SPD) herauszufiden. Die Freude über ein natürliches Gipsvorkommen bei Nordhausen in Thüringen dauerte nur kurz: Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hatte es im Vorjahr zum Naturschutzgebiet erklärt.

Auch das Thema Wasser, so der Spremberger Bundestagsabgeordnete, sei nach dem trockenen Sommer 2018 in Berlin „salonfähig“. Ohne den großen Anteil an Grubenwasser, mit dem es die Spree bis nach Berlin schafft, drohe der Fluss noch in der Lausitz zu versickern. Und dann, so Schulze, seien da auch noch einige Restlöcher zu füllen.

Das Strukturstärkungsgesetz für Kohleregionen, das in dieser Woche von der Bundesregierung beschlossen wurde, ist mit all den Maßnahmen das erste wichtige Gesetz. Das zweite wichtige Gesetz zum Kohleausstieg, so erklärt Schulze,  müsse sich unter anderem mit dem Wasser, mit dem Wegfall von Fernwärme und Rohgips und mit dem Teil der Rekultivierung beschäftigen, der dann nicht mehr mit der Produktion der Kohle finanziert werden kann – mit „einem ganzen Rattenschwanz also“.

Die meisten Tour-Teilnehmer sind schon im Seniorenalter, aber neugierig auf die nächsten Jahrzehnte. Der 81-jährige Klaus John, der 1979 nach Spremberg kam, um hier die Kupferförderung mit vorzubereiten, hofft, dass mit dem Kohleausstieg in die Kupferförderung eingestiegen wird. „In der DDR hatten wir einen Vorlauf von zehn Jahren, jetzt wäre es ein Vorlauf von 20 Jahre. Und der Bergmann in unserer Region könnte Bergmann bleiben“, so John. Tatsächlich kann ihm Schulze etwas Hoffnung machen: Es soll Ende des Jahres Gespräche mit der Minera-Tochter KSL Kupferschiefer Lausitz geben. „Aber“, so Schulze, „es wäre noch immer eine teure Förderstätte“.