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Der Grundstein bleibt vermisst

Heimathistoriker Uwe Kulke präsentiert in der Heimatstube eine Großaufnahme der Welzower Lutherkirche vor dem Brand.
Heimathistoriker Uwe Kulke präsentiert in der Heimatstube eine Großaufnahme der Welzower Lutherkirche vor dem Brand. FOTO: amz1
Welzow. Sie galt einst als Wahrzeichen von Neu-Welzow. Vor rund 110 Jahren ist die Lutherkirche aufgebaut worden, vor einem Dreivierteljahrhundert brannte das Gotteshaus ab. amz1

Anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reformation" präsentiert der Welzower Heimatverein eine Ausstellung über das imposante Gebäude.

Wo einst die Lutherkirche stand, befindet sich heute eine Grünfläche. Lediglich eine kleine Plastik, die 1983 im Zuge der Welzower 700-Jahr-Feier aufgestellt wurde, befindet sich heute auf dem Areal gegenüber der Goethe-Schule. Dieser Maschinenkranz erinnert aber an die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, nicht an die Kirche.

Uwe Kulke hat lange Zeit über die Lutherkirche geforscht. Er hat mithilfe des Heimatvereins, dessen Mitglied er ist, bislang wenig bekanntes Material zusammengetragen, das in der kleinen Heimatstube (Spremberger Straße 81) besichtigt werden kann. Die Bilder zeigen Kirchenansichten vor und nach dem Brand. Insbesondere die Aufnahmen der Ruine wecken bei manchem Gast Gänsehautgefühle. Wie ein zum Himmel strebendes Mahnmal präsentiert sich der markante Turm, dessen Spitze heruntergestürzt war. Am 9. Februar 1942, einem eisigen Montag, hatte, so berichtet Uwe Kulke, ein elektrischer Kurzschluss den Brand ausgelöst. Die Feuerwehr war zwar schnell zur Stelle, doch das Löschwasser gefror bei Temperaturen von minus 20 Grad in den Schläuchen

Am 10. September 1970 wurde die Ruine abgerissen. Zwar sollte die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden, doch der Kreis Spremberg benötigte das ohnehin knappe Material und Personal für den Wiederaufbau der zerstörten Kreisstadt. Ende 1953 gab es eine Baubescheinigung. Doch als ideologischen Gründen wurde der Aufbau nie vollzogen. Ebenso, weil Welzow in dieser Zeit als Vorbehaltsfläche für den Bergbau ausgewiesen war.

Uwe Kulke erzählt, dass er während seiner Kindheit mit Gleichaltrigen in der Kirchenruine öfter gespielt hatte. "Das war immer ziemlich geheimnisvoll", erinnert sich der ehemalige Berufsoffizier. Ihn interessiert, was mit den Überresten passiert ist. Die Glocke befindet sich auf dem Gelände des Gemeindeamtes, der heutigen Diakonie, gleich nebenan. Das Inventar soll verbrannt sein. Die Kirchturmspitze, so wird gemunkelt, befinde sich auf einem Privatgrundstück. Doch wo der Grundstein abgeblieben ist, wisse niemand so genau. Thomas Weise vom Heimatverein berichtet, dass in den 1980er-Jahren Grabungen stattgefunden hätten. Genaueres sei nicht bekannt.

Die Ausstellung in der Heimatstube kann nach Angaben von Vereinschefin Christel Weise nach telefonischer Voranmeldung (035751 10534) noch bis ins Frühjahr 2018 besichtigt werden. Neben den Fotos, die auch Heimathistoriker Martin Weigel beigesteuert hat, wirken die vielen Bilder des örtlichen Mal- und Zeichenzirkels eindrucksvoll. Ein Bild stammt aus der Hand der Proschimerin Andrea Molz: "Meine Federzeichnung mit Aquarellierung habe ich nach alten Fotos angefertigt."

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, auch in die "Katakomben" des City-Hotels hinein zu schnuppern. Dazu lädt das örtliche Filmstudio ein. Im Keller des Gebäudes befindet sich eine Dauerausstellung. Zudem gibt es eine Fotoschau zu verschiedenen Themen.