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| 02:39 Uhr

Der Georgenkapelle ganz nah

Wie ein Kreuz hat die Grabungsstätte zur Georgenkapelle auf der Wiese im Stadtpark gelegen.
Wie ein Kreuz hat die Grabungsstätte zur Georgenkapelle auf der Wiese im Stadtpark gelegen. FOTO: Igel-Allzeit
Spremberg. Durch hauchdünnes Glas blinzeln sie. Auch Keramikscherben haben sie gefunden. Der geschliffene helle Stein wird zur Innenwand gehören, der dicke dunkelgraue Feldstein zur Außenwand. Annett Igel-Allzeit

Die freischaffende Archäologin Elisabeth Ida Faulstich-Schilling ist mit der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Annett Schulz und Ralf-Dieter Drews vom Spremberger Laga-Verein der Georgenkapelle in dieser Woche ganz nahe gekommen.

Die TSL Baugesellschaft hat kostenfrei einen Minibagger zur Verfügung gestellt. Mit ihm wurde die Oberfläche abgetragen. Wie ein großes Kreuz grub sich der Graben in die Wiese.

Im Westen lag der Eingang der Kapelle, hier verblieb noch ein Stück Grundmauer. Auch im Süden und Osten liegen Fundament reste, mittendrin Ziegel. "Mit dem Panzer soll die Kapelle damals zusammengeschoben worden sein. Viele Steine wurden gleich abtransportiert", so Elisabeth Ida Faulstich-Schilling. Ein Mann - um die 90 Jahre alt - stand plötzlich vorm Graben und erzählte ihnen davon. Der Sage nach stiftete Jutta von Kittlitz eine Kapelle auf dem Georgenberg, weil ihr Geliebter Seyfried von Loeben vom Dritten Kreuzzug 1189 zurückgekehrt war. Vermutlich war die Stiftung aus Holz. Die Kapelle aus Stein wurde Ende des 15. Jahrhunderts gebaut. Ihre Ersterwähnung steht in der Meißner Bistumsmatrikel von 1495.

Ein Stahlseil ragt aus der Erde. "Es ist gerissen", sagt Drews. Die Kapelle sollte 1974 wohl erst mit dem Seil eingerissen werden.

Ob die dünnen Glassplitter von den letzen Scheiben der Kapelle stammen, weiß die Archäologin noch nicht. Keramik, die Annett Schulz mit Holzleim aneinanderfügte, datiert sie auf das 12./13. Jahrhundert. "Das ist harte Grauware, die schon auf der Drehscheibe entstand. Die anderen kleine Tonstücke könnten dagegen von der Erstbesiedlung stammen. Das ist ein schöner Platz hier oben, man hat alles im Blick", so Elisabeth Ida Faulstich-Schilling. Alle Fundstücke gehen nach Wünsdorf zum Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Sie werden untersucht, datiert, eingelagert.

Mit Kamera und einem 3-D-Laserscanning hält die Archäologin die Fundamentreste fest, bevor sie Geotextil und Erde wieder zudecken. "Ich finde es toll, dass der Laga-Verein sich so engagiert", sagt sie. Die Untere Denkmalbehörde prüft nun, ob der Umriss der Kapelle zu ebener Erde oder in Sockelhöhe angedeutet werden kann. "Wir rechnen im Sommer mit einem Ergebnis", sagt Frank Meisel, Vorstandvorsitzender des Laga-Vereins. Für die Grabungen und die Suche nach einer Erinnerungsform hat der Verein 38 972 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes bewilligt bekommen.