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| 02:54 Uhr

Der echte Spremberger sagt "Kocksa"

Spremberg. Das Antlitz der Stadt Spremberg wird nicht nur durch die Spree und den Lausitzer Landrücken geprägt. Auch kleine Wasserläufe geben manchen Ecken ihren eigenen Charakter. Beispielsweise die Kochsa, die durch den Spremberger Westen fließt. Eine Quelle hat das Bächlein aber schon lange nicht mehr. Torsten Richter-Zippack / trt1

Wer die Kochsa sehen will, braucht gute Augen: Denn das Bächlein schlängelt sich auf verschwiegenen Pfaden durch Teile von Spremberg. Oft ist der Wasserlauf eher zu erahnen, als tatsächlich zu sehen. Kein Wunder, präsentiert sich die Kochsa meist nur wenige Dutzend Zentimeter breit. Erst in Cantdorf schwillt sie zu einem "richtigen" Flüsschen an. Ein paar Meter hinter dem dortigen Lindenplatz hat der Wasserlauf schließlich sein Ziel erreicht, nämlich "Mütterchen Spree". Im Gegensatz zur großen Schwester bringt das Flüsschen fast klares, sauberes Wasser mit. Die Sichttiefe reicht eigenen Recherchen zufolge durchweg zum Grund.

Vattenfall speist Wasser ein

Dass die Kochsa heute überhaupt noch Wasser führt, gleicht einem Wunder. Schließlich ist der Bach nicht nur seiner Quelle beraubt worden, sondern ebenso mehrerer Kilometer seines einstigen Bettes. Dank der Einspeisung von Vattenfall-Wasser fühlen sich inzwischen wieder verschiedene Lebewesen in und an der Kochsa wohl.

Die Quelle des Baches befand sich ursprünglich in einem kleinen Teich unmittelbar südlich des Roitzer Gutshauses. Der erste Zuflussgraben nahm rund 500 Meter vom Quellteich entfernt seinen Anfang. So ist es auf einer alten topografischen Karte aus dem Jahr 1955 festgehalten. Anschließend verließ die junge Kochsa, rund einen Meter breit und 30 Zentimeter tief, den Ort Roitz und floss gen Osten nach Kochsdorf. Dieses westliche Teilstück existiert heute nicht mehr. Denn der Tagebau Welzow-Süd grub die Gegend Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre komplett um. So verschwand das komplette Dorf Roitz einschließlich des Gutshauses samt Quellteich. Wo der Ort einst stand, erinnert heute auf der Pulsberger Hochkippe ein markanter Findling. Von Wasser ist dort allerdings weit und breit nichts zu sehen.

Wo heute die Kochsa ihren Anfang nimmt, ist nicht eindeutig bestimmbar. Denn nicht nur der Tagebau einschließlich der Bergbaufolgelandschaft hat das Profil der Gegend gänzlich verändert, sondern ebenso das Straßennetz. Selbst die aktuellen topografischen Karten sind sich bezüglich des Bachbeginns nicht wirklich einig. Auf manchen Blättern soll der Wasserlauf in unmittelbarer Nähe des Reiterhofes Wuttke in Pulsberg anfangen. Doch im Gelände ist dort nichts zu sehen.

Auf anderen Karten wiederum beginnt die blaue Linie östlich der neuen Ortsumfahrung, etwa im Bereich zwischen der Roitzer Straße und der Straße Am Tagebau. Die Vor-Ort-Gegebenheiten erinnern tatsächlich ein wenig an ein altes Bachtälchen. Fast unmittelbar nördlich der dort verlaufenden Stromtrasse erstreckt sich in einer fast unscheinbaren Senke ein relativ feuchter Streifen, auf dem zahlreiche Weiden- und Holunderbüsche wachsen.

Kein fließendes Wasser

Nur einen Steinwurf entfernt findet sich ein mit Betonplatten verkleideter Graben. Möglicherweise handelt es sich dabei um den Kochsa-Lauf. Inzwischen fallen die Betonplatten in sich zusammen, und im alten Bett wächst ein neuer Wald heran. Fließendes Wasser ist dort jedenfalls nicht zu finden.

Im nahen Kochsdorf wird der namensgebende Bach jedenfalls wieder sichtbar, dann sogar mit Wasser. Er durchströmt mehrere Privatgrundstücke, bevor es anschließend in den Kochsagrund geht, der heute als Standort des gleichnamigen Erlebnisbades bekannt ist. Anschließend schlängelt sich die Kochsa durch mehrere Teiche entlang der Stadtrandsiedlung nach Unter teschnitz, um dann die Berliner Straße in Cantorf zu unterqueren. Dort befindet sich, unweit der einstigen Naturbadestelle, die alte Mühle. Anschließend fließt der Wasserlauf der nahen Spree entgegen.

Übrigens lässt sich an der Aussprache des Bachnamens feststellen, wer ein echter Spremberger ist. Denn der sagt zu seiner Kochsa "Kocksa".