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Der Bürgermeisterin platzt der Kragen

Die öffentlichen Mülleimer in Spremberg zu leeren, ist kein leichter Job. Die Behälter sind schwer und manchmal voller Hausmüll.
Die öffentlichen Mülleimer in Spremberg zu leeren, ist kein leichter Job. Die Behälter sind schwer und manchmal voller Hausmüll. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Flink schiebt er den Schlüssel hinter die Mülleimer an den Bushaltestellen in der Karl-Marx-Straße. So lässt sich der Behälter unter dem orangefarbenen Deckeln leichter abnehmen. Annett Igel-Allzeit

"Heben Sie ihn ruhig mal an", ermuntert der Mitarbeiter eines Gebäudeservicedienstes, der für die Stadt unterwegs ist. Nein, aus Alu ist der Müllbehälter nicht, das sind schon einige Kilo, die er da stemmt. Montags, mittwochs und freitags ist er in Spremberg unterwegs, um die öffentlichen Mülleimer entlang der Straßen, an Haltestellen, an Spielplätzen und Bänken zu leeren - mit Handschuhen, blauem Sack und Platz für viel Müll auf dem kleinen Transporter. "Ärgerlich ist, dass oft Hausmüll in den öffentlichen Papierkörben entsorgt wird", sagt er und fährt weiter zu den Haltestellen am Krankenhaus.

Die öffentlichen Müllbehälter sind seit Monaten ein Reizthema. Als in dieser Woche erneut Stadtverordnete nach Gesprächen mit Bürgern über fehlende Müllbehälter in der Innenstadt klagten, platzte der Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) der Kragen. Mag sein, dass die Georgenstraße eins, zwei Müllbehälter mehr gebrauchen könnte, aber in der Bahnhofstraße, die mit als kritische Strecke benannt wurde, gibt es fünf Behälter: Wer am Marktplatz mit seinem Taschentuch einen Mülleimer verpasst hat, findet den ersten rechts auf der Bahnhofstraße gegenüber vom Freilichtbühnen-Eingang, der zweite steht an der Pergola, der dritte am linken Fußweg an einer Bank, der vierte an der Treppe zum Hotel Georgenberg, der fünfte ist etwa in Höhe des Fußgängerüberweges nach der Kreuzung Slamener Höhe/Goetheplatz zu finden, und dann ist auch schon der Bahnhof mit weiteren öffentlichen Müllbehältern in Sicht.

"Wir haben derzeit 291 Abfallbehälter in Spremberg. Und es kostet uns 23 000 Euro im Jahr, sie zu warten und den Müll darin zu entsorgen", erklärt Bürgermeisterin Christine Herntier. Mit Fertigstellung der Ortsdurchfahrt B 156 einschließlich Kreisverkehr und verkehrsberuhigter Zone in der Kleinen Karl-Marx-Straße kommen weitere Behälter dazu. Sie sind nicht alle quietschorange, sondern es gibt blaue, rote, graue Behälter, manche haben einen Holzmantel, manche DDR-Charme. "Ein Rückbau von Behältern, das wissen wir, ist kein Heilmittel. Wenn wir sie an manchen Stellen rückbauen mussten, war Vandalismus oder Diebstahl der Grund. Oder wir haben beobachtet, dass an diesem Standort ständig Hausmüll entsorgt wird."

Christine Herntier zeigte ein Foto von herrenlosem Müll und appelliert an die Bürger. Auch sie schüttelt oft den Kopf. Zum Beispiel am Einkaufzentrum am ehemaligen Vordruckverlag. "Dort hat ein junger Mann unmittelbar vor einem Papierkorb eine leere Zigarettenschachtel plattgetreten. Meinen Sie, der hat die Schachtel aufgehoben und in den Behälter geworfen? Nö." Oder in Karl-Marx-Straße: "Bei laufender Fahrt öffnete ein Autofahrer vor mir seine Scheibe und entleerte den Aschenbecher. Warum bilden sich Bürger ein, dass die Reste ihrer Silvesterknallerei auf der öffentlichen Straße unsere Mitarbeiter wegräumen? Es gibt Spremberger, die lassen ihre Hunde mitten auf den Spielplatz sch …"

Viele Abgeordnete klopften nach diesen Emotionen ihre Zustimmung auf den Tisch. Und es gab Tipps. Andreas Bränzel (CDU) schlug die Prüfung eines Ordnungsgeldes von 35 Euro vor für Leute, die Zigarettenkippen aus dem Auto werfen.

Trotz des Ärgers prüft die Stadt auch künftig, wenn Einwohnern im Stadtgebiet ein Müllbehälter fehlt. "Für Hinweise sind wir immer dankbar", so die Bürgermeisterin. Erste kritisierte Standorte bekommen jetzt einen Behälter.