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| 16:36 Uhr

Spremberg
Spremberg holt Geschichte zurück

Nur mit Handschuhen greifen sich Stephanie Tonke (l.) und Bürgermeisterin Christine Herntier die Akte mit dem Stadtplan von 1835.
Nur mit Handschuhen greifen sich Stephanie Tonke (l.) und Bürgermeisterin Christine Herntier die Akte mit dem Stadtplan von 1835. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Stadtarchivarin Stephanie Tonke hat 80 laufende Meter mehr zu bieten.

Stadtarchivarin Stephanie Tonke hat den Ratsaal mit Schätzen gefüllt: eine Bauzeichnung vom Markt-Brunnen, neben den der Zeichner oder ein Spaßvogel eine Dame mit Fuchspelz geklebt hat, der kolorierte Altstadt-Plan von 1835, die Badeordnung von 1921, als Spremberger noch in der Spree badeten – Herren vormittags von 7 bis 1 Uhr, Damen von 1 bis nachmittags 4 Uhr.

Im Oktober 2017 kehrten die alten Akten, die seit 1986 in der Lübbener  Außenstelle des Landeshauptarchives Potsdam gelagert hatten, zurück. „Das war ein Wunsch vieler Spremberger“, so Bürgermeisterin Christine Herntier. Dass Stephanie Tonke studierte Archivarin ist, war fürs Landeshauptarchiv ebenso Voraussetzung für die Rückführung wie die Bedingungen im Stadtarchiv im Bürgerhaus-Keller, der vom ehemaligen Arbeiterwohnheim geblieben ist.

Die Klimaanlage regelt Temperatur und Luftfeuchtigkeit, erklärt Sachgebietsleiter Jan Degen. Eine Nebellöschanlage ersetzt im Brandfall die sonst übliche und nasse Sprinklertechnik. Ein zweiter Archivraum ist hergerichtet. Die rollenden Regale bieten Platz und sind trotzdem leicht zu handhaben.

Am 10. Oktober 2017 stand der Lkw im Bürgergarten. Von ihm aus konnten die zehn Paletten mit den 3400 Akten zum Fahrstuhl gerollt werden. Dass sie überhaupt in Lübben gestrandet waren,  muss daran gelegen haben, dass Spremberg Ende der 80er-Jahren keine ausreichenden Lagermöglichkeiten hatte. Bis 1972, so Stephanie Tonke, kam das Archivgut auf den Dachboden des Rathauses. Bis Juni 1982 lag es in einer längst verschwundenen Fabrik an der Ecke Georgenstraße/Wiesengasse. Ab 1982 kamen aussortierte Akten ins Wohnhaus in der Georgenstraße, wo heute die Volkssolidarität sitzt. Mit der Unterzeichnung des Deposital-Vertrages, der der Stadt den Besitz weiter sicherte, die Unterbringung und Nutzung aber dem damaligen Staatsarchiv zuschrieb, kamen die Schätze nach Lübben. „Das ging damals vielen Städten so“, weiß Stephanie Tonke.

Die 3400 Akten erhöhen Sprembergs Archivbestand um 80 auf 350 laufende Meter. Zeitungen ab dem Jahr 1945 sind in 130 Zeitungsbänden zu finden, 3000 Fotografien, 350 Pläne. „Und Personenstandsunterlagen, die seit 1874 gesammelt werden“, sagt Stephanie Tonke. Vereine können hier fündig werden, Firmen. Familienforscher rufen an, Bürger, die die Geschichte ihres Hauses interessiert. „Wissenschaftler und Studenten melden sich, über Schüler freuen wir uns besonders“, so Stephanie Tonke.

Die Leseplätze, die sich in ihrem Büro gleich hinterm Bürgerbüro befinden, sind auf drei begrenzt. „Sind die Akten groß, reicht der Tisch nur für zwei.“ Nutzergebühren erhebe sie nicht. Und Unterschiede zwischen neugierigen Sprembergern und Fremden mache sie auch nicht.

Das war nicht immer so. Wollte beispielsweise ein fremder Tuchmacher im Jahr 1673 Spremberger werden, musste er fünf Taler zahlen. Für Söhne von Sprembergern reichte ein Böhmischer Groschen und der Eid, um ins Bürgerbuch aufgenommen zu werden.

Dieses Bürgerbuch von 1541 geht demnächst noch einmal ins Landeshauptarchiv in Potsdam. „Aber nur zu Forschungszwecken“, verspricht Stephanie Tonke, Mit Forschungsergebnissen komme es zurück nach Spremberg.
Dieses Bürgerbuch von 1541 geht demnächst noch einmal ins Landeshauptarchiv in Potsdam. „Aber nur zu Forschungszwecken“, verspricht Stephanie Tonke, Mit Forschungsergebnissen komme es zurück nach Spremberg. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR