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Den Kleingärten droht Leerstand

Kleingärtner in Spree-Neiße sollen künftig Abfallgebühren zahlen. Viele sähen das ein, rund 20 Prozent der Gärtner aber wehren sich.
Kleingärtner in Spree-Neiße sollen künftig Abfallgebühren zahlen. Viele sähen das ein, rund 20 Prozent der Gärtner aber wehren sich. FOTO: dpa
Spremberg. Bis zum Jahr 2030 könnte Gras über 350 von fast 1700 Kleingarten-Parzellen in Spremberg wachsen: Vor einem Leerstand in den Anlagen warnen die Mitarbeiter des Rathauses – obwohl momentan viele junge Leute das Schrebergarten-Konzept für sich entdecken. Floristmeister Jens-Uwe Winkler arbeitet im Spremberger Bauausschuss mit. René Wappler

Er erlebt, dass der Trend gerade zum Urban Gardening geht, was sich auf Deutsch ungefähr als städtisches Gärtnern übersetzen lässt. "Leute graben Brachflächen um, bauen Pflanzen an, richten Dachgärten ein, in denen sie Obst und Gemüse züchten", sagt Jens-Uwe Winkler. "Dabei geht es ihnen nicht nur um das reine Gärtnern, sondern auch darum, neue Formen der Begegnung zu finden."

Vielleicht liegt darin auch eine Chance für die Spremberger Kleingärten, wie der Floristmeister glaubt. Denn die Rathaus-Mitarbeiter schlagen vor, den künftigen Bedarf an solchen Anlagen zu ermitteln - und so zu einer genaueren Prognose zu finden. Erste Daten haben sie bereits ermittelt. Wie Erik Höhne vom zuständigen Fachbereich mitteilt, existierten im Jahr 2015 genau 1673 Kleingärten in 49 Vereinen der Stadt. Der Leerstand belief sich auf sieben Prozent, wobei vor allem der Wiesengrund betroffen ist, außerdem der Wiesenweg, die Slamener Wiese, die Spreewiese und die Anlage namens Einigkeit.

Die aktuelle Bedarfsprognose deutet noch nicht darauf hin, dass junge Leute dem Kleingarten zu einer Renaissance verhelfen werden. Eher sinkt demnach bis zum Jahr 2030 die Zahl der Menschen unter 50 Jahren in Spremberg, die eine eigene Parzelle unterhalten. Jetzt finden sich noch ungefähr 800 Kleingärtner in dieser Altersgruppe. In 13 Jahren werden es lediglich um die 500 Personen sein.

Der Fachbereichsleiter für Bauen und Wohnen im Rathaus, Gerd Schmiedel, beschreibt das Problem: "Die sinkende Einwohnerzahl schlägt sich eben in allen Bereichen des Lebens nieder." Darüber hinaus sinkt langfristig der Anteil der Mieterhaushalte in Spremberg, während das Wohneigentum zunimmt, das oft mit eigenen Gärten der Bewohner auf dem Grundstück einhergeht. Zugleich steht der Kleingarten heutzutage in Konkurrenz zu einer Vielzahl anderer Freizeitangebote.

Deshalb regt Floristmeister Jens-Uwe Winkler an, das Gärtnern stärker im Lehrplan der Schulen zu verankern. "Ich habe ja den Eindruck, dass sich junge Leute doch wieder mehr für dieses Hobby interessieren", sagt er. "Das sollte man nutzen." Als sachkundiger Bürger nimmt Peter Teschner an den Konferenzen des Bauausschusses teil. Er berichtet aus der Anlage namens Fichtengrund: "Bei uns herrscht kein Leerstand - vielmehr kommen zu uns auch junge Leute." Das Problem bestehe eher in der Geldnot potenzieller Pächter, die es sich nicht leisten können, einen Kleingarten zu unterhalten. "So etwas erleben wir tatsächlich öfter", sagt Peter Teschner.