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Dem offenen Jugendtreff in Spremberg droht das Ende

Dr. Holger Wahl (links), Personalleiterin Kerstin Nowka und Klaus-Dieter Peters wundern sich über das Konzept des Landkreises.
Dr. Holger Wahl (links), Personalleiterin Kerstin Nowka und Klaus-Dieter Peters wundern sich über das Konzept des Landkreises. FOTO: René Wappler
SpreE-NEisse. Die Existenz des offenen Jugendtreffs in Spremberg ist bedroht: Das geht aus den Unterlagen des Jugendhilfeausschusses hervor, der am nächsten Montag in der Kreisstadt Forst tagen wird. Überrascht zeigen sich die Mitarbeiter des Albert-Schweitzer-Familienwerks, das den offenen Jugendtreff betreut. René Wappler

Auch Spremberger Kommunalpolitiker beteuern, sie hätten nichts vom Plan des Landkreises gewusst, der die zwei Sozialarbeiterstellen auf andere Häuser der Stadt verteilen will.

Als einen derart heftigen Einschnitt versteht der Vorsitzende des Spremberger Bildungsausschusses das Konzept vom Spree-Neiße-Kreis, dass er es kurzfristig auf die Tagesordnung für den Mittwochabend gehoben hat. Klaus-Dieter Peters erklärt: "Ich wusste bislang nicht, dass damit die faktische Schließung des offenen Jugendtreffs bevorstehen würde." Er spricht von einer "absoluten Unverschämtheit": Das Konzept des Landkreises schaffe Tatsachen, "ohne dass die betroffenen Träger involviert sind".

Der Plan dient dem Ziel, mehr Sozialarbeit in den Schulen von Spremberg anzubieten. Allerdings sieht er dafür keinen Zuwachs an Stellen vor. Vielmehr teilt er die vorhandenen Fachkräfte neu ein - wobei der offene Jugendtreff vom Albert-Schweitzer-Familienwerk künftig gar nicht mehr existieren würde. Dessen Geschäftsführer Holger Wahl sagt: "Grundsätzlich gehen wir mit dem Gedanken mit, dass die Schulen mehr Sozialarbeit brauchen. Wir verstehen nur nicht, wieso der Jugendtreff künftig gar nicht mehr berücksichtigt wird."

Auch der Jugendclub Erebos müsste demnach auf eine Stelle verzichten. Im Konzept heißt es dazu: "Die Ämter, Gemeinden und Städte des Landkreises haben der zukünftigen Angebots- und Personalförderung für ihren Sozialraum zugestimmt." Doch eine Stellungnahme aus dem Spremberger Rathaus widerspricht dieser Aussage. Zur Verteilung der Stellen im Bereich der Jugendarbeit sei "ausdrücklich kein Konsens mit der Stadt Spremberg hergestellt", erklärt Fachbereichsleiter Frank Kulik. Es sei "sehr verwunderlich, dass mit dieser Beschlussvorlage möglicherweise vollendete Tatsachen geschaffen werden" - und das, ohne die betroffenen Träger einzubeziehen. So schreibt Frank Kulik: "Eine Verstärkung der Sozialarbeit an Schulen wird ausdrücklich begrüßt. Diese Förderung geht jedoch teilweise zulasten der offenen Treffpunkt- und Streetworkarbeit."

Eine positive Erkenntnis gewinnt der Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Familienwerks aus dem Ärger, den das Konzept in Spremberg auslöst: "Ich staune darüber, wie viele Leute uns ihre Hilfe anbieten", sagt Dr. Holger Wahl. So bedauert auch der Sozialarbeiter Markus Weiß vom Jugendklub Erebos, "dass sich die Bereiche der Sozialarbeit so zum Nachteil der offenen Arbeit verschieben". Bedarf gebe es auf beiden Gebieten.