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| 14:28 Uhr

Lesung mit Hartmut König
DDR-Liedermacher singt aus der Vergangenheit

 Hartmut König begeisterte bei der Buchlesung mit allerhand Geschichten aus seiner bewegten Vergangenheit.
Hartmut König begeisterte bei der Buchlesung mit allerhand Geschichten aus seiner bewegten Vergangenheit. FOTO: LR / Detlef Bogott
Der Mitinitiator der DDR-Singebewegung und des Oktoberklubs, Sänger, Texter und Gitarrist Hartmut König stellte sein Buch vor und sang auch. Von Detlef Bogott

Der Text des linientreuen Kultsongs „Sag mir, wo du stehst!“ hat noch immer viele Fans. Doch mit dem Namen des Urhebers konnte am Freitagnachmittag in der Berufsorientierenden Oberschule Spremberg vielleicht nicht jeder gleich was anfangen. Hartmut König war Mitbegründer des Oktoberklubs, textete unter anderem die Weltfestspiel-Hymne von 1973 „Wir sind überall“, das kultige „In der Mocca-Milch-Eisbar“ und Songs des DEFA-Klassikers „Heißer Sommer“. In seiner Zeit als FDJ-Kultursekretär holte er später Weststars wie Bruce Springsteen, Joe Cocker und Bryan Adams zu legendären Konzerten an die Radrennbahn Berlin-Weißensee. Die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Spremberg sowie der gesamte Ortsverband ,,Die Linke“ hatten aus Anlass des Internationalen Frauentags zu der Veranstaltung eingeladen. Für Dr. Ilona Schulz (Die Linke) und Hartmut König war es ein Wiedersehen nach vielen Jahren. Beide studierten Ende der 60er Jahre an der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität.

Buch gewährt Einblick in die DDR-Geschichte

,,Warten wir die Zukunft ab“ heißt das Buch von Hartmut König und es ist weit optimistischer gedacht, als es zunächst klingen mag. Er gewährt dem Leser Einblick in interessante Details aus seiner Kindheit und Jugend im geteilten Nachkriegsberlin, seinem Erwachsenwerden in Familie und Gesellschaft. Er berichtet aus einem von ihm als Akteur mitgestalteten Stück Jugend- , Kultur- und Außenpolitik der DDR.

Hartmut König spricht von einem ,,Monolog vor dem Spiegel“ verurteilt nicht, er rechnet nicht ab, er weist hin und übernimmt Verantwortung. Er zeigt auf, was damals ein Gewinn war und was Fehler waren. Lässt seine vielen Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten und seine Reisen in vieler Herren Länder Revue passieren. König lässt gleichzeitig tief in die DDR-Kulturpolitik und in die Vorgänge hinter den Kulissen der Macht blicken und erzählt sein Leben; verzahnt mit den politischen Ereignissen ergibt das eine kleine, informative Geschichte der DDR, insbesondere aus kultureller Perspektive.

König hat eine bewegte Musik-Vergangenheit

Hartmut König, im dritten Nachkriegsherbst geboren, wächst als Schul-, Kirch- und Grenzgänger in Ostberlin auf. In den sechziger Jahren ist er mittendrin in der entstehenden Beatszene. Der Mitinitiator der DDR-Singebewegung und des Oktoberklubs, Sänger, Texter und Gitarrist (1964-1971) war Mitglied der Beatgruppe ,,Team 4“, welche 1967 in Thomas Natschinski und seine Gruppe umbenannt wurde. Er studierte von 1967 bis 1971 an der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität. 1974 erfolgte sein Forschungsstudium und er promovierte zum Doktor der Philosophie.

Beim Vorlesen des Buches kamen den Zuhörern viele eigene Erinnerungen an alte Zeiten auf, auch wenn beileibe nicht jeder so auf der Sonnenseite gelebt haben mag wie Hartmut König. Und als es immer mehr auf das Ende der DDR zuging, desto stärker mischte Hartmut König mit in der zweiten Reihe der Politiker. Und der einstige stellvertretende Kulturminister der DDR erweckt den Anschein, die besseren Wege aus der Staatskrise gewusst zu haben.