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Spremberg
Das Schloss wächst zu

Das Schloss in Spremberg wächst zu. Eingang zum Schlosshof.
Das Schloss in Spremberg wächst zu. Eingang zum Schlosshof. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Landschaftsarchitekt will in Spremberg zwischen Schwanenteich und Schlossgraben aufräumen.

Nein, im Schloss in Spremberg schlummert kein Dornröschen. Als Kulturschloss Spree-Neiße wird es von vielen Leseratten, jungen Musikern und Geschichtshungrigen besucht. Trotzdem droht es zuzuwachsen. Diesen Eindruck hat der Cottbuser Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann.

Er ist in diesem Jahr mehrmals ums Wasserschloss gestiefelt. Denn der Spree-Neiße-Kreis, dem das Schloss samt Kräutergarten und Bauernhaus gehört, will nach den Stürmen nicht nur seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen, sondern Struktur ins Grün bringen.

Obwohl Engelmann noch nicht ausgerechnet hat, was die neue Gestaltung den Landkreis kosten würde, hat Grit Gottschling, Sachbearbeiterin für Hochbau im Bau- und Planungsamt Spree-Neiße, ihn das Konzept jetzt im Spremberger Bauausschuss vorstellen lassen: Damit die Stadt mit ins Boot kommt, denn einbezogen werden soll in die Gestaltung auch der städtische Schwanenteich. Und damit die Abgeordneten und Bürger nicht über Fällungen erschrecken. Mit einem einzigen Klick kann Engelmann vom baumreichen Iststand ins neue Umfeld mit vielen Lichtblicken versetzen. So manche Abgeordneten kommentierten den Wandel am Montag mit einem leisen „Huch“, neigten den Kopf und versuchten sich an den freien Blick zu gewöhnen. Eine alte Ansichtskarte aus der Zeit kurz nach Fertigstellung des Schwanenteiches 1933 zeigt, wie majestätisch das Spremberger Schloss frei wirkt.

Engelmann lobt das Wasserschloss mit seinem Graben und den verschiedenen Bauepochen. „Aber diese unterschiedlichen Stile und den feinteiligen Barockgiebel sieht man im Sommer gar nicht“, sagt Engelmann. Mehrere Bäumen seien zudem tot und die Kastanie am Museumseingang mehr als hohl. Zugleich habe er festgestellt, dass die Erlen, die wohl nie bewusst gesetzt wurden, sondern als Wildanflug ans Schloss kamen, sehr eng stehen, aber ein Herausnehmen einzelner Bäume aus den Gruppe die Standfestigkeit der übrigen Erlen gefährde. Und ihn überraschen die vielen Trauerweiden am Schwanenteich. „Sind die Spremberger so traurig? Mal eine Trauerweide, ja, das ist schön, aber 20?“, fragte er. Auch ein paar unmoderne Sträucher müssten entnommen werden, obgleich Sträucher, da sie nicht so hoch wachsen, bei der Neugestaltung wieder eine Rolle spielen werden.

Verliebt in so manchen Baum habe sich Engelmann aber auch: „Hier habe ich zum ersten Mal eine rot austreibende Kastanie gesehen.“ Die große Pappel wirke wie ein „würdiger Recke“. Die mächtige Eiche vorm Eingang zum Schlosshof sei prächtig, obwohl an ihr bereits der Zahn der Zeit genagt hat. Solchen kräftigen Einzelbäumen wieder Raum zu geben, sie ins Blickfeld zu rücken, tue auch dem Schlossbau gut, erklärt der Landschaftsarchitekt. Und Engelmann weiß, wovon er spricht. Seinem Landschaftsarchitekturbüro verdanken die Kollerberg-Grundschüler nicht nur ihre Pausenbereiche, sondern am Lübbenauer Schlosspark hat Engelmann ebenfalls gewirkt, sich um die Wege und den Außenpark des Branitzer Parks in Cottbus gekümmert.

Auch wenn im Jahr 2018 bereits Maßnahmen zur Verkehrssicherungspflicht am Schloss laufen, werde sich die sonstige Umgestaltung über vier bis sechs Jahre und in Stufen hinziehen, versichert Engelmann. „Die Vögel bekommen erst alternative Nistmöglichkeiten, bevor wir Bäume und Sträucher herausnehmen“, erklärt er. Mit den Naturschutz- und Denkmalbehörden sei erst noch zu sprechen. Und ob die Stadt Spremberg ihren Teil der Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2022 zuordnen kann, muss geprüft werden, wenn sich Spremberg tatsächlich gegen den Mitbewerber Beelitz durchsetzt.

Das Schloss in Spremberg wächst zu. Von der Muskauer Straße aus.
Das Schloss in Spremberg wächst zu. Von der Muskauer Straße aus. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Das Schloss in Spremberg wächst zu. Von der Straße Am Schweizergarten aus.
Das Schloss in Spremberg wächst zu. Von der Straße Am Schweizergarten aus. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Das Schloss in Spremberg versteckt sich hinter vielen Bäumen.
Das Schloss in Spremberg versteckt sich hinter vielen Bäumen. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
(Von Annett Igel-Allzeit)