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| 18:35 Uhr

Spremberg
Das schöne Leben mit nicht einfachen Momenten

Mehr als 40 Besucher kamen am Donnerstagabend zur Buchlesung von Doro May (2.v.l.) in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde.
Mehr als 40 Besucher kamen am Donnerstagabend zur Buchlesung von Doro May (2.v.l.) in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde. FOTO: Arlt Martina
Spremberg. Die Autorin Doro May beschreibt die Herausforderungen mit einem „besonderen Kind“. Zur Lesung kamen viele Zuhörer.

Mucksmäuschenstill war es am Donnerstagabend zur Lesung in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Spremberg. Denn Buchautorin Doro May aus Aachen kündigte sich mit einem ganz besonderen Buch an: „Das Leben ist schön – von einfach war nicht die Rede“. Die heute 65-jährige Autorin erzählte von der Herausforderung des Lebens, den Glücksmomenten mit der Familie und dem Erwachsenwerden ihrer „besonderen Tochter“. Sie ist Mutter von drei Töchtern, doch die zweite Tochter Tina kam mit Down-Syndrom und Autismus zur Welt. Diese Diagnose muss von einer Mutter erst einmal verkraftet werden. Sie wurde zwar mit Tina durch die Lebenshilfe unterstützt. Doch welche Herausforderung es ist, mit einem geistig behinderten Kind das Leben zu meistern, schilderte sie in ihrem bewegenden Lebensbericht.

Nun machte sie sich mit ihrem Mann auf den 750 Kilometer langen Weg nach Spremberg, wo sie im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche in Spremberg herzlich empfangen wurde. Andrea Lamm begrüßte die große Gästeschar, denn die Stühle reichten kaum aus. Wie das Leben einer Familie mit einem geistig behinderten Kind aussieht, können nicht Betroffene nur erahnen. Nur ein Bruchteil ihrer Erlebnisse berichtete die Aachenerin aus dem Leben ihrer besonderen Tochter Tina, die heute 29 Jahre alt ist, wie 14 aussieht, seit Jahren in einem Wohnheim lebt und nun in einer Behindertenwerkstatt arbeitet.

„Wir erlebten schwierigste Momente mit Tina, wovon ich heute nur einige Kapriolen erzählen kann. Wir konnten früher kaum im Restaurant essen gehen, da sie oft ein Chaos mit Geschirr oder Gläsern hinterließ. Wir beschlossen damals, in eine kulinarische Abstinenz zu treten. Doch in den Jahren hat sich das Blatt gewendet und wir können inzwischen eine Gaststätte besuchen. Auch am Badestrand erlebten wir schräge Situationen, die uns oft nur peinlich waren“, sagt Doro May, die Germanistik, Musik und Erziehungswissenschaften studierte und früher auch als Gymnasiallehrerin tätig war.

Wie sich durch ein behindertes Kind in der Familie auch die Geschwisterkinder fühlen, auch dazu machte Doro May Ausführungen. Diese Kinder fühlen sich oft als Schattenkinder. Da immer das kranke Kind mehr Zuwendung erhält, eine ganz normale Situation.

Das Leben mit der „besonderen  Tochter“ war bei Doro May der Grund dafür, ihr erstes Buch zu schreiben. Mittlerweile veröffentlichte die Aachenerin mehr als zwölf Bücher.

(mat)