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| 01:24 Uhr

Das neue Hornow am Kilimandscharo

Auf afrikanischen Spuren folgte Andreas Kottwitz dem einstigen Hornower Ritterhutsbesitzer Erwin Wilkins.
Auf afrikanischen Spuren folgte Andreas Kottwitz dem einstigen Hornower Ritterhutsbesitzer Erwin Wilkins. FOTO: André Kurtas
Alte Niederlausitzer Heimatgeschichte wurde Freitagabend im Schloss Hornow wieder lebendig. Auf dem Programm stand ein Vortrag des Spremberger Heimatchronisten Andreas Kottwitz, der über seine Nachforschungen zum früheren Ort Neu-Hornow in der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika berichtete. Von André Kurtas

„Ich freue mich, dass unsere Veranstaltung heute so eine guter Resonanz findet“ , so Irene Nitschke vom Heimatverein Hornow-Wadelsdorf, der zu diesem Vortrag eingeladen hatte. Der Saal platzte vor Besuchern fast aus allen Nähten. „Es ist ja hier heute so eng wie in einem afrikanischen Bus, in dem man dicht an dicht wie Sardinen gedrängt steht“ , freute sich Andreas Kottwitz über die große Zuhörerkulisse. Der Spremberger recherchierte über den Aufenthalt des ehemaligen Regierungsreferendar und Hornower Rittergutsbesitzer Erwin Wilkins, der im Jahr 1889 in den Usambarabergen am Fuße des Kilimandscharo Land kaufte, den Ort Neu-Hornow gründete und mit viel Ideenreichtum ein bedeutendes Sägewerk betrieb. „Mein Vortrag ist das Ergebnis einer acht Jahre langen Recherche und einer abenteuerlichen Reise, die ich im Jahre 2005 zusammen mit meiner Frau unternahm“ , sagte Kott witz, der das Unternehmen von Erwin Wilkins als kühn bezeichnete. „Rittergutsbesitzern sagt man zwar immer nach, dass sie viel feierten, doch Erwin Wilkins war ein ganz fleißiger und strebsamer Mann. In seinem Buch ,Meine Reise um die Erde', das in der damaligen Firma Sämisch erschien, schrieb er auch diese Erlebnisse von Neu-Hor now nieder“ , erzählte Kottwitz. „Die damalige Idee des Hor nower Rittergutsbesitzers war: ,Wir bauen in Afrika Kaffee an'“ , so der Chronist. Mit Mühe sei die Firma Wilkins und Wiese, Westusambara, Deutsch-Ostafrika gegründet und 3000 Hektar Land von der Deutsch-Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft erworben worden. „Das Land war anfangs noch ein undurchdringlicher Urwald. Es musste viel gerodet werden. Wilkins ersann, ein Sägewerk zu bauen“ , so Kottwitz. In den Kolonien sei bis dahin nur aus Norwegen verschifftes Holz verbaut worden, während das gerodete Tropenholz einfach verbrannt wurde, so Kott witz. „Das Neu-Hornower Sägewerk war eines der ersten, das mit der umfassenden Nutzung von afrikanischen Holz begann. So könnte man Erwin Wilkins heute auch als einen der ersten Umweltschützer in Afrika bezeichnen“ , lachte Kottwitz. Im Jahr 1901 sei mit dem Bau des Sägewerks begonnen worden, in dem zwei Europäer und rund 100 Einheimische arbeiteten. „Kurz nach der Jahrhundertwende sollten die ersten Pflanzungen erfolgen, Javakaffee war damals der Renner. Doch Erwin Wilkins hatte Pech, die erste Ladung Kaffeesaatgut kam im Hafen von Tanga an und war bereits geröstet, da sie zu nah an der Maschine gelagert war“ , berichtete Kottwitz. Die zweite Saat sei aber sehr gut aufgegangen. „Wilkins Plan war es, dass die Investition nach fünf Jahren Gewinn abwarf. Doch ein altes deutsch-Kolonialsprichwort sagt: Erstens kommt es anders, als man zweitens in Afrika denkt“ , so Kottwitz. Große Erträge blieben aus, der Boden war nur bedingt geeignet und die Kaffeepreise sanken auf grund der südamerikanischen Überproduktion. Im Jahr 1905 begann die große Zeit für den Rittergutsbesitzer aus Hornow. Er erhielt die Konzession für einen großflächigen Einschlag von Holz auf dem Shumeplateau. Doch da der Bahnhof zum Abtransport des Holzes 1500 Meter tiefer als das Sägewerk Neu-Hornow lag, habe Wilkins die kühne Idee zum Bau der ersten Seilbahn in Ostafrika und der einzigen in allen deutschen Kolonien gehabt, erzählt Kottwitz. Mit der Seilbahn expandierte Neu-Hornow. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag 1920 mussten alle Deutschen die Kolonien verlassen. Ein langjähriger Entschädigungsstreit entbrannte. „Da der Krieg ausbrach, bevor die Unternehmung ausreichend Gewinn machte, gehört das Abenteuer Neu Hornow sicherlich zu den größten Verlustgeschäften, die Wilkins in seinem Leben machte“ , ist sich Andreas Kottwitz sicher. Mit seiner Frau war er selbst in Afrika, legte zu Fuß zahlreiche Kilometer zurück und fand noch einige Behausungen und Spuren des einstigen Ortes.
Die Besucher waren begeistert vom Vortrag. Zu ihnen Inge Enke, die schon andere Vorträge von Kott witz verfolgt hatte und ihn „sehr spannend“ fand. Norbert Lehmann „interessiert sich einfach für die Geschichte der deutschen Kolonien“ und hat nach eigenen Angaben sehr viele Details erfahren.