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| 01:07 Uhr

Das letzte Symbol der Kaserne ist gefallen

Spremberg.. Viel steht ohnehin nicht mehr auf dem riesigen 26 Hektar großen Kasernen-Areal an der Forster Landstraße in Spremberg. Seit November letzten Jahres laufen hier Abrissarbeiten. Das markanteste der insgesamt 80 Gebäude blieb bislang stehen – bis gestern. Pünktlich um acht Uhr begann auch der Abriss des zentralen Turmgebäudes. Die Arbeiten an dem Gebäude gestalten sich etwas kompliziert, da vom Heidemuseum eine Gedenktafel aus dem Haus gerettet werden soll. Von Bernd-Volker Brahms

„Der will wohl nicht“ , kommentierte gestern eine am Abriss beteiligte Frau die Widerspenstigkeit des Holzturmes, der als das Symbol der Spremberger Kaserne galt. Die dicken Holzpfeiler des Uhrturmes waren angesägt und der ganze Turm mit einem Drahtseil versehen worden. Ein Bagger sollte den Turm in einem Rutsch vom Dach ziehen. Der Koloss brach aber zunächst entgegen der vorgesehenen Richtung zur Straßenseite und fiel dabei auch nicht ganz runter. Der Bagger musste noch einige Male kräftig zerren, ehe der Turm dann nach dreißig Minuten tatsächlich in Schutt und Asche fiel.
„Der Abriss an diesem Haus ist etwas kompliziert“ , erläutert Bauleiter Michael Hentschel, der allerdings betont, dass sich die Abrissarbeiten insgesamt im Zeitplan bewegen und bis Ende Juli abgeschlossen sein werden.

Aufwand wegen Gedenktafel
Die Komplikation beim Turmgebäude habe sich dadurch ergeben, dass im Treppenaufgang eine Gedenktafel aus Kalksandstein mit einem Spruch des preußischen Generaloberst Helmuth von Moltke (1848-1916) gefunden worden war. Die Gedenkplatte (ein Meter mal 1,55 Meter), die durch eine Holzverkleidung verdeckt war, soll für das Spremberger Heidemuseum gerettet werden.
Ein ehemaliger Offizier der Kaserne habe ihn vor kurzem auf die Existenz der Tafel hingewiesen, sagt Museumsmitarbeiter Eckbert Kwast. Es handele sich bei der Tafel um ein Stück Spremberger Geschichte, wie Kwast sagt. Sie sei deshalb erhaltenswert. Die Tafel enthält folgenden Spruch: „Autorität von oben und Gehorsam von unten, mit einem Wort Disziplin ist die Seele der Armee, Moltke“ .
Ob die Tafel nach dem Abriss des Turmes tatsächlich noch erhalten war, konnte Michael Hentschel gestern nicht sagen. Es müsse jetzt erst einmal der Dachstuhl und die Betondecke abgehoben werden. Die Tafel, die vierzig Zentimeter dick ist, soll später mit einem Kran aus dem Mauerwerk herausgehoben werden. „Die gesamte Last der Decke liegt da noch drauf“ , sagt Eckbert Kwast. Man habe das Gebäude eben für die Ewigkeit gebaut.

Uhr war schon länger abmontiert
Bereits Mitte Februar hatte der Spremberger Uhrmacher Carsten Handrick im Auftrag des Museums die zwei Zifferblätter der Turmuhr sowie die Zeiger abmontiert und in Verwahrung genommen. Das Uhrwerk war ohnehin seit Jahren schon nicht mehr vorhanden. Carsten Handrick ist mit dem Kasernenturm in besonderer Weise verbunden. Schon als Kind hat er seinen Vater auf den Turm begleitet, dieser hat zwanzig Jahre die Uhr gepflegt. „Man musste am Tor seinen Ausweis abgeben und musste immer erst den Küchenmeister finden, um auf den Turm zu steigen, weil dieser im Obergeschoss des Gebäudes sein Küchenlager hatte“ , sagt Carsten Handrick. Er könne nicht begreifen, dass die Gebäude jetzt alle abgerissen werden. „Die hätte man noch sinnvoll nutzen können.“

Hintergrund Kaserne Spremberg
 Die Kaserne in Spremberg wurde zwischen 1936 und 1938 gebaut. Die 80 Gebäude wurden zunächst von der Wehrmacht und später von der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt. Seit 1992 ist das 26 Hektar große Militärgelände verwaist. Eigentümer des Areals ist die Oberfinanzdirektion. Versuche, die Gebäude nach der Wende für zivile Zwecke zu nutzen, scheiterten. Der Abriss des 240 000 Kubikmeter umbauten Raumes und die Entsiegelung von 72 000 Quadratmetern kosten 2,3 Millionen Euro . 35 Arbeiter sind damit bis Ende Juli beschäftigt.