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Spremberg
Damit Radtouristen wiederkommen

Bei Wurzelaufbrüchen wie hier auf der Niederlausitzer Bergbautour kommen Radfahrer in Bedrängnis. Um das üppige Radwegenetz, das in Spree-Neiße zur Verfügung steht, muss sich auch gekommert werden.
Bei Wurzelaufbrüchen wie hier auf der Niederlausitzer Bergbautour kommen Radfahrer in Bedrängnis. Um das üppige Radwegenetz, das in Spree-Neiße zur Verfügung steht, muss sich auch gekommert werden. FOTO: Jan Augustin
Spremberg. Warum in Spree-Neiße der Asphalt aufreißt und in Polen Radwege leuchten. Annett Igel-Allzeit

Die Spremberger können stolz sein auf ihr Radwegenetz. Marco Wentworth, Bereichsleiter für Tourismus in der Spremberger Land GmbH, zeigte im Bauausschuss, dass die Region mehr Radwanderwege hat als Ostsachsen oder der Spreewald. Auf dem 410 Kilometer langen Spreeradweg ist Spremberg 70 Kilometer nach Bautzen für viele Radtouristen ein Teiletappen-Ziel, an dem sie übernachten. Auch auf der 1111 Kilometer langen Tour Brandenburg versucht Spremberg, mit seinen Vorzügen zu werben. Der Fürst-Pückler-Weg und der Radweg „Sorbische Impressionen“ tangieren Spremberg, die Niederlausitzer Bergbautour und die junge Energie-Route erfüllen das steigende Interesse am Industrie-Tourismus. „Unser Zugpferd“, so Wentworth, „ist immer noch die Talsperre. Schade nur, dass die Staumauer für Radfahrer nach wie vor geschlossen bleibt.“

Der touristische Markt sei da. Neben Radtouristen aus ganz Deutschland erkunden Touristen aus Tschechien und Polen die Niederlausitz. Auch der Oder-Neiße-Radweg und der Muskauer Faltenbogen – als Unesco Global Geopark – werden zunehmend entdeckt und seien so attraktiv wie die Landschaft an der Elbe.  

Doch um dieses üppige Radwegenetz muss sich gekümmert werden. Über ein Förderprogramm wird der Landkreis Spree-Neiße gemeinsam mit den Kommunen erste Reparaturen realisieren können. Doch die ersten Vorhaben beziehen sich auf die Fernradwege und sind wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Robert Hänchen aus dem Ortsteil Wadelsdorf: „Wir sind in diesem Paket leider wieder nicht dabei. Es muss ein zweites Paket geschnürt und den Kreistagsabgeordneten mitgegeben werden.“

Bäume haben mit ihrem Wurzelwerk den Asphalt aufgebrochen, aber auch Fahrzeuge verschmutzen oder beschädigen die Wege. „Radtouristen sind in der Regel einen ganzen Tag im Sattel, da kann so ein Stück Holperpiste schmerzhaft sein“, weiß Wentworth. Er ist dankbar, wenn die Gäste ihrem Ärger in der Spremberger Touristinformation Luft machen. „Oft aber geben sie ihre Erfahrungen gleich ins Netz an andere Radler weiter. Das spüren wir dann auch, allerdings erst später, und wir haben dann ein Image-Problem“, erklärt Wentworth.

Ein Fahrrad-Guide, der viel in der Spremberger Region unterwegs ist, melde der Touristinformation inzwischen kritische Stellen – wenn Radler hilflos vor Sperrschranken oder abgerissenen Brücken stehen oder der Asphalt zur Gefahr wird. Während für die Autofahrer die Umleitung zur Straßenbaustelle gehört, ist eine Umleitung für oft völlig ortsunkundige Radtouristen gar nicht vorgesehen. Dafür musste die Stadtverwaltung nach Brückenabrissen und den großen Umleitungen in der Innenstadt in diesem Jahr ordentlich Kritik einstecken. „Wir haben dann zwar gemeinsam mit der Stadt einen Umleitungszettel entwickelt – da hatten sich aber schon so einige Radler über die Probleme in Spremberg geärgert“, so Wentworth.  

Auch über schöne Ideen konnte der Touristiker mit den Bauauschussmitgliedern sprechen. So hat Robert Hänchen vorgeschlagen, den kleineren Radwegen zwischen den Fernradwegen spannendere Namen zu geben: Schokoladen-Radweg zum Beispiel oder Erwin-Strittmatter-Radweg. Wentworth seufzte: „Ich weiß auch nicht, warum Strittmatter in Spremberg so unterbewertet wird. Von außen wird das ganz anders gesehen.“ Immerhin – einen Tourvorschlag „Mit Rad wie Bäckersch Esau“ gibt es schon. Und begeistert hat Wentworth einige Bauausschussmitglieder mit den Fotos von leuchtenden Radwegen. Der holländische Designer Daan Roosegaarde hat sie mit leuchtenden Partikeln entwickelt. Nach Cambridge und Eindhoven leuchten inzwischen auch in Polen Radwege nachts blau. Mit Schablonen können Bilder und Texte lesbar gemacht werden – die Andeutung von Schokoladensplittern oder ein Strittmatter-Zitat zum Beispiel. Zudem sei eine nächtliche Radwanderung eine besondere Attraktion. Und vor allem die Sicherheit erhöht die holländische Idee.