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| 17:52 Uhr

Arbeiten mit Holz
Sie können hämmern und singen

Das Archäotechnische Zentrum macht es möglich: Die 13-jährige Lourdes schlägt schwungvoll Nägel ins Kiefernholz.
Das Archäotechnische Zentrum macht es möglich: Die 13-jährige Lourdes schlägt schwungvoll Nägel ins Kiefernholz. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Welzow. Holzprojekt im Archäotechnischen Zentrum in Welzow hilft bei der Berufswahl. Von Annett Igel-Allzeit

Mutig schwingt die 13-jährige Lourdes den Hammer. Nicht immer trifft sie den Nagel auf den Kopf. Lachend wischt sie sich den Schweiß von der Stirn. Aber zwei Drittel des Nagels stecken schon fest im Kiefernholz.

Zehn Jungen und acht Mädchen der Klasse 8 a der Sachsendorfer Oberschule aus Cottbus verbringen derzeit eine Projektwoche in Welzow. Das Archäotechnische Zentrum (ATZ) hatte sich darum beworben, mit den Schülern im Rahmen des Förderprogramms Initiative Sekundarstufe I (Inisek I) berufsvorbereitend werkeln zu können und mit dem Thema „Arbeiten mit Holz“ prompt den Zuschlag bekommen. Der Historiker und Archäologe Hans Joachim Behnke, seit 2011 Leiter des ATZ, zeigt eine technische Zeichnung zu einem Naturbeobachtungssitz. Drei davon entstehen in diesen Tagen und sollen im Wald um Greifenhain ihren Platz finden. Zuerst vorgestellt hat er den Mädchen und Jungen Sägen, Hammer, Schrauben, Nägel und verschiedene Messwerkzeuge. Dann erklärte er die Statik – mit Dreiecken und Vierecken, die den Schülern aus dem Mathematikunterricht vertraut sind.

„Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine technische Zeichnung versucht und dann über mich selbst gestaunt, dass ich so gut darin bin“, erzählt Anna. Immer mal wieder rollt sie mit ihren Schultern: „Am Morgen nach dem ersten Tag bin ich mit einem ordentlichen Muskelkater aufgewacht“, erzählt sie. Der 15-jährige Leon genießt das Projekt: „Arbeiten mit Holz und in der Natur und dass wir hier alle so zusammen etwas schaffen, das gefällt mir“, sagt er. Hans Joachim Behnke, der ihn bei seinen Holzarbeiten beobachtet hat, ermuntert ihn, mal über den Beruf Tischler nachzudenken. Der 13-jährige Fabrice aus Drebkau denkt über den Beruf Verkäufer nach – „in einem Drogeriefachhandel oder in einem Bau- und Gartenmarkt“. Ihm macht im großen grünen Klassenzimmer des ATZ das Sägen Spaß. „Aber auch die Tour in den Wald war ein Erlebnis“, sagt er.

Verschiedene Vögel, Fledermäuse, Füchse, Rehe und auch Katzen sahen die Schüler im Wald – aufgeteilt in mehrere kleine Gruppen. „Und die Wildschweine“, erzählen die beiden Klassenlehrerinnen Heike Rittel und Grit Duschka, „haben wir gehört.“ Einige Mädchen bekamen dann doch Angst in der Dämmerung und begannen einfach zu singen. „Mit dem Singen waren wir ein bisschen zu laut“, seufzt Anna. Den Sternenhimmel über dem Wald haben sie aber trotzdem noch erklärt bekommen. Wie auf dem Energiehof Terpe dicke Stämme geschnitten werden, hat sie beeindruckt. Sie haben Nistkästen gebaut. Und in den Tagebau guckten sie auch.  

An jedem Abend füllen die Achtklässler ihre Projekttagebücher. „Selbst Schüler, die im Unterricht nicht gern schreiben, sind hier mit Eifer dabei“, erzählt Grit Duschka. Überhaupt überrascht die Lehrerinnen, dass in der Natur und mit den gemeinsam gesteckten Zielen alles wie „am Schnürchen“ klappt. Klaus-Dieter Rascheck, einer der erfahrenen Holzhandwerker, die im ATZ helfen, bekommt auf der obersten Sprosse schnell einen jungen Schrauber an die Seite. Volkmar Küch schaut sich mit den Schülern das dreidimensionale Modell aus kleinen Stöcken noch einmal an, bevor sie die Längen ausmessen und die Säge ansetzen. Und Denise Füßlein baut mit den Mädchen einen eigenen Naturbeobachtungssitz – in aller Ruhe und etwas fernab der Kommentare der Jungen.  

„Wenn das Mittagessen geliefert wird, sprinten zwei Schüler los, um die schwere Kiste zu holen“, sagt Heike Rittel. Gegessen wird an großen Tischen draußen auf dem Freigelände. Tee mit frischer Pfefferminze aus dem ATZ-Garten steht immer bereit. Nicht nur auf Berufe wie Tischler, Waldarbeiter oder Förster wird den Mädchen und Jungen an den Projekttagen Lust gemacht, so Hans Joachim Behnke: „Sie fotografieren auch, filmen, und sie schreiben über ihre Erlebnisse auf unserer Internetseite.“

Die Sachsendorfer Oberschule ist eine der „Schulen mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung“ im Land Brandenburg. Am 19. September wollen die Schüler ihre Projektergebnisse den Eltern vorstellen. Anna ist gespannt, was ihre Mutter sagt: „Sie ist auch so eine Bastlerin“, sagt Anna, „denn wir haben viele Tiere, für die etwas hergerichtet werden muss. Sie bohrt öfter und schraubt etwas  zusammen. Vielleicht kann ich ihr jetzt besser helfen.“

Volkmar Küch baut mit Schülern in Welzow Naturbeobachtungssitze.
Volkmar Küch baut mit Schülern in Welzow Naturbeobachtungssitze. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit