In der Kirchengemeinde Klein Döbbern wird Ostern seit Jahren mit einem großen Familiengottesdienst gefeiert. Irina Lüskow, die Gemeindepädagogin, seufzt. „Die Osterlämmchen mit der Siegesfahne, ein Symbol für Jesus, die ich fürs anschließende Ostereiersuchen verstecken wollte, sind in der vergangenen Woche angekommen. Ich habe die Schoko-Lämmchen in Päckchen gepackt.“ Sie hat einen Brief und die Ostergeschichte dazugelegt und ein Ei. „Das können die Kinder bemalen, eine Osterbotschaft drauf schreiben und es einem Menschen schenken, der jetzt in der Coronakrise besonders einsam ist und eine kleine Freude dringend braucht“, sagt Irina Lüskow.

Die Passionszeit und Ostern sind die höchsten Feiertage der Christen. Jesus stirbt am Kreuz – „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld...“ – und dann wird die Auferstehung verkündet. Mit dem Osterblasen in den Dörfern und dem Weihen der Osterkerze ganz früh am Sonntagmorgen. Besinnlich und zum Teil doch in sehr großen Gemeinschaften. Ob Live-Stream-Gottesdienste das ersetzen können?

Spremberger Jugendwart mit sieben Jugendlichen in der Konferenz

Benjamin Rave, der in normalen Zeiten als Jugendwart der evangelischen Gemeinden in und um Spremberg viel unterwegs ist, wird sich Ostern auch so einen Live-Stream-Gottesdienst anschauen, sagt er. Damit die Konfirmandenarbeit und die Treffen seiner verschiedenen Jugendgruppen weiterlaufen, hat er schon zu Beginn der Einschränkungen eine Video-Konferenz entwickelt.

„So war ich am 3. April hier in Spremberg zwei Stunden lang per Video-Chat im Gespräch mit sieben Jugendlichen“, erzählt er. Natürlich war da das Corona-Geschehen Thema, die Konsequenz für die Schule und was so von den einschneidenden Maßnahmen zu halten ist. „Überrascht hat mich“, sagt Benjamin Rave, „wie offen und konzentriert wir in einer Video-Konferenz miteinander reden können.“

Dass jeder zu Ostern so für sich sein muss, hat Irina Lüskow in Klein Döbbern noch nie erlebt. „Es gab mal ein Ostern“, erinnert sie sich, „da hatte ich gerade eine schwere Operation hinter mir. Die Vorbereitung des Familiengottesdienst musste ich deshalb an eine Kollegin abgeben. Aber am Ostersonntag in der Kirche nicht dabei sein, das konnte ich einfach nicht – ich saß ganz hinten und habe so wenigstens alles gut verfolgen können.“

Die Glocken in Klein und Groß Döbbern läuten am Ostersonntag

Dass einige Kinder sofort aktiv wurden und ihr Fotos von den bemalten und beschriebenen Eiern schickten, rührt Irina Lüskow und tröstet vielleicht auch ein wenig an den Feiertagen. Dass am Ostersonntag in den Kirchen Klein Döbbern und Groß Döbbern um 10 Uhr die Glocken läuten und einzelne Musiker vom Bläserchor doch blasen wollen, gefällt ihr. „Ich habe davon auch den Kindern geschrieben“, sagt sie, „und dass sie die Fenster und Türen deshalb um 10 Uhr weit öffnen sollen.“

Benjamin Rave wiederum sieht das „Corona-Zeitfenster“ als Möglichkeit, sich zu besinnen. „Ich verbringe viel Zeit im Gebet und ich genieße es, ganz langsam und intensiv die Bibel zu lesen.“ So haben er das zweite Buch Mose im Alten Testament gerade sehr andächtig geschmökert. „Es passt sehr in die jetzige Jahreszeit, da das jüdische Pasahfest mit dem Passahlamm um diese Zeit stattfindet und wir als Christen hierin auch eine tiefere Bedeutung und Auslegung auf Christus finden können“, erklärt Benjamin Rave.

Spremberger Katechetin schreibt zweiten Brief nach Ostern

Auch Veronika Hahmann, Katechetin für die Spremberger Michaelkriche, für Hornow, Graustein und Groß Luja, empfindet die Zeit jetzt – mit oder ohne Corona – als besonders besinnlich. „Für mich ist es vor allem die Passion“, sagt sie. Also der Leidensweg Jesu Christi und sein Sterben am Kreuz. „Darauf bin ich auch in meinem ersten Brief an meine Christenlehre-Kinder eingegangen“, sagt Veronika Hahmann.

Ähnlich wie Irina Lüskow hat sie Rätsel, kleine Aufgaben, etwas zum Basteln mit den Brief gelegt. „Ich bin nicht so ein Fan von Whatsapp und digitalen Angeboten“, gesteht sie. Und mit viel Respekt vollendet sie gerade die Andacht und den Ablauf für ihren Ostermontags-Live-Stream-Gottesdienst in der Michaelkirche.

So ein Live-Stream in einer leeren Kirche, dieses Gefühl habe sie gerade, müsse irgendwie perfekter durchgeplant werden als ein ganz normaler Gottesdienst mit vertrauten Gottesdienstbesuchern. Aber sobald alles perfekt geplant ist, werde sie am Wochenende wieder ganz bei ihren Christenlehre-Kindern sein. „Ich will Ostern einen zweiten Brief an sie alle schreiben“, sagt Veronika Hahmann.

Es bleibt mehr Zeit für die Familie

Mehr Zeit für ihre Familien haben die Gemeindepädagogin, die Katechetin und der Jugendwart in der Corona-Krise. Irina Lüskows Tochter ist aus Berlin zu ihr „geflohen“, Veronika Hahmann hat sich eine ganze Woche lang ums Enkelkind gekümmert, weil die jungen Eltern arbeiten müssen.

Und Benjamin Rave hat mehr Zeit für Tochter Frieda und seine schwangere Frau. „Offiziell habe ich jetzt Urlaub“, sagt Rave, der aus Holland stammt, „geplant war ursprünglich, zu meinen Eltern und Geschwistern in meine Heimat zu fahren. Am Dienstag schrieb mein Vater, dass er erfahren hat, dass Holland für Deutschland jetzt ein Risiko-Gebiet ist. Bis dahin hatte er noch irgendwie die Hoffnung, dass wir Ostern gemeinsam verbringen können.“

Gottesdienst aus neun Teilen


Für den Ostersonntag plant der Kirchenkreis Cottbus ein kreiskirchliches Angebot. „Dazu fügen sich neun Gemeinden aus den fünf Regionen unseres Kirchenkreises wie kleine Puzzleteile zu einem großen Bild zusammen – einem gemeinsamen Ostergottesdienst“, so Superintendent Georg Thimme. Jede dieser neun Gemeinden beteiligt sich mit einem individuellen Element an der Liturgie. Diese Teile werden zu einem Video zusammengefügt und sowohl am Ostersonntag als auch am Ostermontag jeweils um 10.00 Uhr bei Lausitz-TV ausgestrahlt und auf der Internetseite des Kirchenkreises (www.evkirchenkreis-cottbus.de) veröffentlicht. Darüber hinaus seien auch die Ausstrahlungen im Stadtkanal Forst, in der Neißewelle Guben und im Spremberger Kanal 12 vorgesehen.