In der Hotel- und Gastronomiebranche sorgt die aktuell grassierende Corona-Pandemie für finanzielle Einbußen sondergleichen. Das Kontaktverbot aufgrund der geltenden Rechtsverordnung verbietet sowohl touristische Übernachtungen als auch gemütliche Restaurantbesuche.

Für Toralf Hasse, Gesellschafter des Spremberger Hotels „Zur Post“, gleich ein doppelter Schlag ins Kontor. Immerhin vereint die „Post“ beides unter einem Dach. Um in diesen unruhigen Zeiten überhaupt etwas Umsatz zu generieren, hat sich Hasse kurzerhand etwas einfallen lassen.

Das Spremberger Hotel „Zur Post“ bietet Essen zum Mitnehmen

„Da speziell das Mittagsangebot bei uns recht gut angenommen wird beziehungsweise wurde, haben wir uns dazu entscheiden, das Essen zum Mitnehmen anzubieten“, erklärt der Gesellschafter. Also keine Tischgäste, sondern vielmehr „Essen To Go“.

Hatte Hasse zu Beginn der Beschränkungen noch die gesamte Karte im Angebot, wurde sie rasch „eingedampft“. Manche Tellergerichte müsse man nämlich sofort essen, weil sie nach dem Heimtransport komplett durchgegart und somit trocken seien. Rumpsteak und Filet also vorerst gestrichen, aber an den Klassikern hält die „Post“ weiterhin fest. „Schnitzelvarianten, Spargelgerichte, Matjes oder Folienkartoffel eignen sich auch gut für den Transport, da sie auch relativ schnell zubereitet sind“, weiß der Gastronom und Hotelier.

Knapp 20 Tellergerichte bereitet das Spremberger Hotel „Zur Post“ zu

Laut eigenem Bekunden verlassen auf diesem Wege bislang zwischen 15 und 20 Gerichte die Küche. Gleichwohl gesteht Hasse aber auch, dass die Gerichte aktuell etwas kleiner ausfallen. „Das liegt an den Einweg-Essensbehältern, die wir zum Mitnehmen verwenden, aber natürlich haben wir in diesem Zusammenhang die Preise auch etwas gesenkt.“

Zubereitet werden die Essen derzeit jedoch nicht vom regulären Küchen-Team der „Post“, sondern vom Familienkreis. Da sämtlich Angestellten sich derzeit in Kurzarbeit befänden, helfe ihm die Familie. Hasse bittet indes, nicht einfach zum Hotel zu kommen und dort das Essen zu ordern, sondern die Bestellung mindestens eine Stunde vorab telefonisch in Auftrag zu geben. „Bestellungen werden täglich von 9 bis 18 aufgenommen, die dann von 11 bis 19 Uhr abgeholt werden können.“

Lieferservice bietet das Spremberger Hotel „Zur Post“ nicht an

Einen Lieferservice gleich mit anzubieten, kam für Hasse nicht infrage. „Aus Kosten- und Kapazitätsgründen haben wir uns klar dagegen ausgesprochen“, heißt es vom Spremberger, der zugleich auch der Vorsitzende des City-Werberings ist. Darüber hinaus hätte man das Warmhalten des Essens während des Transports ja ebenfalls gewährleisten müssen, fügt Hasse hinzu.

Während das „Post“-Geschäft derzeit noch halbwegs läuft, pausiert das Leben im „Hotel Stadt Spremberg“ nahezu vollends. Doch auch dort hat sich der Geschäftsführer mit der Thematik Lieferservice auseinandergesetzt.

Das „Hotel Stadt Spremberg“ pausiert in der Coronakrise

„Natürlich habe ich diese Möglichkeit ebenfalls in Erwägung gezogen, aber eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung hat deutlich gemacht, dass sich dieser Schritt nicht rentiert“, sagt Torsten Linke, der dafür einen täglichen Mindestumsatz von knapp 500 Euro gebraucht hätte. Nur so wären Küche, Einkauf und Verpackung halbwegs rentabel gewesen.

Hatte Linkes Hotel anfangs zumindest noch für einen Mittagstisch geöffnet, wurde auch dieses Angebot recht schnell wieder eingestellt. „Mitunter hatten wir da nur zwei bis drei Leute sitzen und deshalb haben wir auf dieses Angebot verzichtet.“

Die Spremberger Fleischerei Kadach erweitert ihr Angebot

Umgestellt oder vielmehr erweitert hat derweil auch die Fleischerei Kadach ihr Angebot. Obwohl die Filialen in der Region weiterhin geöffnet sind, weil sie aufgrund des Verkaufs von Lebensmitteln von der Rechtsverordnung nur marginal betroffen sind, wird dort ein Lieferservice angeboten. „Wir liefern einen Großteil unseres Warenangebotes zusätzlich nun auch sehr gern nach Haus“, so Fleischerei-Chefin Beate Kadach.

Selbst das vielfach genutzte Mittagsangebot wird bis vor die eigene Tür gebracht – mit einer Einschränkung. Das Essen werde nicht etwa warm geliefert, sondern kalt, hebt Beate Kadach hervor. Wie bei Hasse auch, kann eine warme Anlieferung schlichtweg nicht gewährleistet werden. Weil die bestellte Ware aber mit den Kühltransportern geliefert wird, wird die Kühlkette von Kadach stets eingehalten.

Die Spremberger Fleischerei Kadach liefert auch Milch und Brot

Laut Beate Kadach ist der Service primär dafür gedacht, ältere und geschwächten Personen zu unterstützen. „Schließlich haben manche Senioren keinen mehr im direkten Umfeld, der sie unterstützt, und deshalb unser Angebot.“ Dabei beschränkt sich die Auswahl nicht ausschließlich auf Fleisch- und Wurstwaren. So gebe es auch Milch, Brot, Pasta, Butter und sogar Wein.

Dreh- und Angelpunkt ist das Genusswerk. „Dort werden die Bestellungen zusammengestellt, die fertigen Gerichte in den Styropor-Behältern ‚verschweißt’ und in die Transporter geladen.“ Der Aufwand schlägt sich allerdings in den Kosten nieder – wenn auch minimal. So würden in Spremberg 4,90 Euro und über die Stadtgrenzen hinaus 7,90 Euro „Versandkosten“ hinzukommen, heißt es von Fleischerei-Chefin.

„Allerdings liefern wir erst ab einem Bestellwert von 25 Euro, und bei einer Bestellung von über 50 Euro ist der ‚Versand’ frei.“ Vorteil an dem Service: Die Rechnung für Waren muss nicht sofort beglichen werden, sondern binnen der folgenden vier Wochen.

Obwohl der Lieferservice bislang noch keinen Anklang in der Bevölkerung findet, sieht Beate Kadach die Entscheidung dafür als Erweiterung der Angebotspalette.