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| 21:01 Uhr

Christine Herntier geht ins Rathaus

Die Kandidaten für die Spremberger Bürgermeisterwahl: Dieter Freißler, Hartmut Höhna, Sabine Kucher, Christine Herntier und Jens-Uwe Winkler (von links).
Die Kandidaten für die Spremberger Bürgermeisterwahl: Dieter Freißler, Hartmut Höhna, Sabine Kucher, Christine Herntier und Jens-Uwe Winkler (von links). FOTO: Martina Arlt
Spremberg. Eine deutliche Mehrheit der Spremberger Wähler hat sich für die parteilose Christine Herntier als neue Bürgermeisterin entschieden. Auf die frühere Chefin der Spremberger Tuche entfielen am Sonntagabend 61,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. CDU-Fraktionschef Hartmut Höhna unterlag ihr mit 38,2, Prozent. Von Torsten Richter und René Wappler

Sonntagabend, kurz vor 19 Uhr in der Spremberger Gaststätte "Burglehn": Als feststeht, dass Christine Herntier ins Rathaus einziehen wird, jubilieren die Gäste: "Hoch soll sie leben, hoch soll sie leben, drei Mal hoch!" Viele von ihnen zählen zum Kreis der SPD und der Linken, deren Mehrheit sich im vergangenen Jahr für die 56-jährige Sprembergerin als Kandidatin entschieden hatte.
Christine Herntier nimmt Blumensträuße entgegen, unter anderem von den früheren Bürgermeisterkandidaten Sabine Kucher und Jens-Uwe Winkler, die im ersten Wahlgang gescheitert waren. Sie bedankt sich bei den Bürgern der Stadt, die sie gewählt haben, bei den Wahlhelfern und bei ihrem Team - "das hier hätte eine Person allein gar nicht geschafft". Das hier: Damit meint sie den Wahlkampf der vergangenen Wochen. Der SPD-Ortsvereinschef Dirk Süßmilch erklärt: "Die SPD ist mit dieser Entscheidung einen schwierigen Weg gegangen, und es ist gut, dass sich dieser Weg gelohnt hat."

Erst am Sonnabend hatte SPD-Fraktionschef Andreas Lemke erklärt, dass er den CDU-Bewerber Hartmut Höhna wählen werde, "damit Spremberg im Konkurrenzkampf mit den anderen Lausitzer Städten nicht auf der Strecke bleibt". Trotz oder gerade wegen ihrer Unkenntnis, so Andreas Lemke, verspreche Christine Herntier vielen Menschen Dinge, die sie als Bürgermeisterin nicht einhalten könne.

Christine Herntier sagt dazu: "Die Angriffe im Wahlkampf haben mich nicht berührt. Ich besitze genügend Lebenserfahrung, um so etwas wegzudrücken." Sie werde so schnell wie möglich Kontakt zum ehemaligen CDU-Bürgermeister Klaus-Peter Schulze knüpfen, der nun als Bundestagsabgeordneter in Berlin arbeitet. "Außerdem besuche ich die Sitzung des Hauptausschusses am Montagabend." Ihren Platz im Rathaus will sie spätestens Anfang Februar einnehmen.

Im "Dudelsack" kurz vor 18.30 Uhr: Altbürgermeister Egon Wochatz sitzt gedankenversunken an seinem Tisch. Allmählich füllt sich die Gaststätte. Kurz vor 19 Uhr erscheint CDU-Bürgermeisterkandidat Hartmut Höhna. Er spricht von der "größten Niederlage meines Lebens". Es ermutige ihn zwar, dass er während des Wahlkampfes so viel Unterstützung erhalten habe. "Aber vielleicht war es falsch, keine Versprechungen abzugeben. Ich will ja die Wähler nicht enttäuschen." Den Willen der Spremberger, Christine Herntier auf dem Bürgermeisterstuhl zu sehen, deutet der Unterlegene so: "Die Kandidatin der Nationalen Front hat gewonnen." Damit spielt er auf den Zusammenschluss der Parteien und Massenorganisationen in der DDR an.

Ex-Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze hatte mit einem knappen Ausgang gerechnet. Doch dass das Ergebnis so deutlich ausfällte, habe der frischgebackene Bundestagsabgeordnete nicht für möglich gehalten. "Die Spremberger haben so entschieden. Das müssen wir akzeptieren." Seiner Nachfolgerin gibt er mit auf den Weg, die positive Wirtschaftsentwicklung der Stadt weiter voranzutreiben und sich schnell um den städtischen Haushaltsplan zu kümmern, ebenso um den Brandenburg-Tag. Geknickt ist auch CDU-Landrat Harald Altekrüger: "Eine bedauerliche Niederlage."

Hartmut Höhna kündigt noch am Wahlabend seinen mittelfristigen Rückzug aus der Stadtpolitik an. "Ich werde bei der Kommunalwahl im Mai nicht mehr kandidieren." Und weiter: "Das ist keine Trotzreaktion, sondern war schon länger geplant." Höhna gehört dem Stadtparlament bereits 1990 an.