| 02:53 Uhr

Chaosmensch knipst die Musik an

Alexander Knappe (links) und Evan Christ werden im September mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters auf der Spremberger Freilichtbühne gastieren. Schon jetzt sind 700 Eintrittskarten verkauft. Tickets gibt es unter anderem bei der RUNDSCHAU unter Telefon 0355 481555.
Alexander Knappe (links) und Evan Christ werden im September mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters auf der Spremberger Freilichtbühne gastieren. Schon jetzt sind 700 Eintrittskarten verkauft. Tickets gibt es unter anderem bei der RUNDSCHAU unter Telefon 0355 481555. FOTO: Tino Schulz
Spremberg. Ein Chaosmensch. So sieht sich der Sänger Alexander Knappe. Nie kommt er an sein Ziel, immer hibbelig, immer auf der Suche. Statt damit zu hadern, nutzt er die vermeintliche Schwäche für seine Musik. René Wappler

"Ich erzähle keine Lügen", sagt er. "Ich erzähle Geschichten."

So will er es auch bei seinem Konzert mit dem Philharmonischen Orchester des Cottbuser Staatstheaters in Spremberg halten. Schon jetzt zeigt sich Alexander Knappe derart aufgeregt, als würde er in ein paar Stunden auf der Freilichtbühne stehen - und nicht erst am 15. September.

"Open Air ist für uns eine ganz neue Sache", stellt er fest. "Im Staatstheater spielt das Orchester in seinem gewohnten Umfeld, aber auf der Freilichtbühne gehen wir alle gemeinsam ein gewisses Risiko ein."

Solchen Risiken setzt sich auch Generalmusikdirektor Evan Christ gern aus, der das Publikum des ehrwürdigen Cottbuser Hauses bereits kurz nach seinem Antritt im Jahr 2008 mit Stücken moderner Komponisten konfrontierte. Im Gespräch mit einem verärgerten Besucher verteidigte er damals diese Experimente: "Dadurch ist man gezwungen, frisch zu bleiben."

Alexander Knappe sagt über Evan Christ: "Er ist da so wie ich - ein organisierter Chaot, und das meine ich im positiven Sinne." Denn das gemeinsame Musizieren beginnt stets mit Euphorie, doch die nötige Struktur erhalten die Songs nur durch harte Disziplin.

Mit dem Konzert auf der Freilichtbühne kehrt Alexander Knappe an seinen Ursprung zurück. Die Mutter stammt aus Spremberg, der Vater Toralf Knappe arbeitet bei den Städtischen Werken. Ihm hat der Musiker einen Song auf seinem dritten Album gewidmet, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Bunte Zeiten - so lautet der Arbeitstitel. "In Spremberg habe ich auch das erste Konzert meines Lebens besucht, da stand die Band SPNX auf der Bühne - das werde ich nie vergessen."

Ohnehin bettet Alexander Knappe gern Bilder aus seiner Kindheit und Jugend in Songs ein. Kleiner Gangster, Bolzplatzkind, Paradies aus Beton: Solche Assoziationen verknüpft er mit seinem Leben in der Schmellwitzer Straße in Cottbus. Nun wohnt er seit 19 Jahren in Berlin, pendelt dauernd zwischen alter und neuer Heimat hin und her und sagt über dieses unstete Leben: "Wenn ich länger als drei Tage daheim bin, zieht es mich wieder weg."

In Berlin arbeitet Alexander Knappe mit seinem Produzenten Kai Oliver Krug an den neuen Songs. "Ich gehe mit reinem Bauchgefühl an die Sache heran, sehe mich ja auch als Autodidakt, während Kai derjenige ist, der das Projekt technisch umsetzen kann." Viele Stücke beginnen nur mit einer kurzen Melodie oder ein paar Worten, die Alexander Knappe irgendwo aufgeschnappt hat und nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Manchmal entstehen aus solchen Schnipseln ganze Lieder, manchmal führen sie ins Nichts.

"Musik an. Welt aus." Dies ist der Titel des Spremberger Konzerts mit dem Philharmonischen Orchester vom Staatstheater, für das innerhalb der ersten drei Wochen schon 700 Eintrittskarten verkauft wurden. Im vergangenen Jahr erschienen eine Live-DVD und ein Album unter diesem Titel. Zudem werden Alexander Knappe und das Philharmonische Orchester im September mit ihrem Programm in Berlin und in Hamburg auftreten.